Bad Oldesloe 2.0: Eine Stadt will neu durchstarten

Lübecker Nachrichten   19.02.2021

Mit gleich drei Konzepten will sich Bad Oldesloe neu aufstellen und fit für die Herausforderungen der Zukunft machen – Schwerpunkte sind Stadtentwicklung, Verkehr und Einzelhandel. Dabei wird die Beteiligung der Bürger großgeschrieben

Von Markus Carstens

Mit diesem bearbeiteten Luftbild wirbt die Stadt für die Umgestaltung. Es soll für Entwicklung, Zukunft, Innenstadt und Traveinsel stehen. Vorne die Fußgängerzone mit Mühlen- und Hindenburgstraße, hinten der Peters-Parkplatz, das Stadthaus und die Hagenstraße. foto: Stadt Bad Oldesloe

Bad Oldesloe. Bad Oldesloe 2.0 – gemeinsam gestalten. Unter diesem Motto soll die Innenstadt von Bad Oldesloe zukunftsfähig gemacht werden. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Konzepte zur Stadtentwicklung, zum Verkehr und zum Einzelhandel, die gestern von der Stadtverwaltung auf einer digitalen Pressekonferenz vorgestellt wurden. Besonders wichtig ist den Protagonisten, die Oldesloer Bürger bei dem Prozess mitzunehmen. In unterschiedlichen Formen können sich bei der Gestaltung ihrer Stadt einbringen. „Denn wer weiß besser, was für unsere Stadt wichtig ist, als die Menschen, die hier leben und arbeiten“, sagt Bürgermeister Jörg Lembke.

▶ Stadtentwicklung

Bereits seit 2007 wurden im Sanierungsgebiet „Südliche Innenstadt“ zwischen Beste und Bahnhof zahlreiche Maßnahmen mithilfe des Städtebauförderprogramm „Stadtumbau“ umgesetzt. Nun wird im Rahmen eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (IEK) und Vorbereitender Untersuchungen (VU) der Blick auf die nördlich anschließende Fußgängerzone und die Altstadt gerichtet. Der Umbau soll dabei, laut Lembke, nicht in einem Akt erfolgen, sondern in homöopathischen Dosen, um die Stadt am Leben zu halten. „Und immer in Abstimmung mit den betroffenen Geschäftsleuten und Bewohnern“, ergänzte Stadtplanerin Angelika Müller.

Um folgende Fragen geht es: Wo liegen die Probleme und Missstände, aber auch die Stärken, Potenziale und Alleinstellungsmerkmale der Innenstadt von Bad Oldesloe? Wie kann diese mehr als nur eine schöner Einkaufsort sein und ebenso als Treffpunkt und Identifikationsort für alle Bürgerinnen und Bürger dienen? Wie kann das Stadtbild aufgewertet und die Erreichbarkeit verbessert werden? Wie können private Grundstückseigentümer ins Boot geholt werden, um an der Aufwertung der Innenstadt mitzuwirken? „Wir wollen den gesamten Innenstadt-Bereich modernisieren“, sagte Bürgermeister Lembke, der in dem Prozess auch gerne mehr das Wasser hervorheben möchte, also die von Trave und Beste umflossene Altstadt-Insel.

▶ Einzelhandel

„Die Rolle der Innenstadt als wichtigster Einzelhandelsstandort in Bad Oldesloe ist unbestritten. Um die innerstädtische Versorgungsfunktion für die Zukunft zu sichern, gilt es heute, die richtigen Weichen für die zukünftige Entwicklung zu stellen“, heißt es in den Flyern zu „Bad Oldesloe 2.0“, die jetzt an alle Haushalte im gesamten Stadtgebiet sowie auch im Umland verteilt werden sollen. „Uns ist eine breite Beteiligung der Bürger ganz wichtig“, betonte Stadtsprecherin Agnes Heesch. In dem Konzept geht es unter anderem um Fragen zur Funktion und Nutzung der Innenstadt, zur Situation der Nahversorgung und zu Entwicklungsspielräumen.

„Dieses Projekt ist eher konzeptioneller Art“, sagte Marlene Grünert aus dem Sachbereich Planung und Umwelt. Es gehe um Handlungsempfehlungen, Richtlinien für die Verwaltung, einen Leitfaden für die künftige Entwicklung. „Der Handel leidet schon länger, durch die Corona-Pandemie noch mal besonders“, ergänzte Bürgermeister Lembke. Deswegen sei es enorm wichtig, die Innenstadt zu modernisieren und den Handel dauerhaft konkurrenzfähig zu machen. Auch den Bereich der Gastronomie halte er für ausbaufähig.

▶ Verkehr

Der aktuelle Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Bad Oldesloe ist inzwischen rund zehn Jahre alt. Aus diesem Grund hatte sich die Politik entschieden, den Verkehrsentwicklungsplan fortzuschreiben. Aufbauend auf einer umfangreichen Datenerhebung für den Fuß- und Radverkehr, den öffentlichen Verkehr sowie für den Kfz-Verkehr sollen die Verkehrsströme im Stadtgebiet untersucht und im Rahmen einer Prognose für die nächsten 20 bis 30 Jahre geschätzt werden. Spannend dürfte vor allem die Entwicklung des Autoverkehrs und von alternativen Verkehrsangeboten sein, zum Beispiel Elektro-Shuttles wie Moia oder Ioki. Weitere Fragen: Was ist mit dem Busverkehr und der Infrastruktur für die Radfahrer? Wie wird die Hagenstraße am Ende gestaltet?

„Wir haben in Bad Oldesloe zehn Knotenpunkte und 17 Zählstellen für den Verkehr“, berichtete Jürgen Baumann. Der Diplom-Ingenieur wird für die Stadt das Verkehrskonzept betreuen. Jörg Lembke hofft, dass in den kommenden Jahren der ÖPNV eine größere Rolle spiele. „Der Halbstundentakt im Stadtverkehr hat jetzt schon viel gebracht.“ Das Auto werde jedoch auch in 20 Jahren noch nicht verschwunden sein. Auch dann werde es das Bedürfnis der Einwohner geben, mit dem Auto oder Fahrrad zum Einkaufen in die Innenstadt zu fahren. „Dafür müssen wir weiter Parkplätze und Fahrrad-Stellplätze bereithalten.“

Für alle drei Projekte sind auch auswärtige Büros beauftragt. Für die Kosten dafür in Höhe von rund 300 000 Euro gibt es Fördermittel von Bund und Land. „Es ist uns wichtig, dass alle drei Konzepte verschweißt werden“, sagt dazu Thomas Benthien, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates, der sich ebenfalls zu der Pressekonferenz dazu schaltete. Der Beirat wolle die Prozesse begleiten und unterstützen. Auch die anderen Oldesloer Beiräte (Senioren, Kinder und Jugend, für Menschen mit Behinderungen) werden laut Stadtverwaltung eingebunden.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.