Was wird aus dem Moritzhof?

Lübecker Nachrichten   19.02.2021

Um das historische Ortsbild zu schützen, wollten die Wolkenweher im Ausschuss eine Erhaltungssatzung erwirken, scheiterten aber – Doch die Nachbarschaftsinitiative gibt nicht auf

Von Dorothea von Dahlen

Mieter und Anwohner möchten verhindern, dass der bäuerliche Charme des Moritzhofs in Wolkenwehe zerstört wird.fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Ein bäuerliches Anwesen im Oldesloer Ortsteil Wolkenwehe hat den Eigentümer gewechselt. Der im Jahr 1893 errichtete „Moritzhof“ ist von Investoren aus der Kreisstadt aufgekauft worden, die dort Wohnungen einbauen wollen. Das hat besorgte Bürger aufgerüttelt. Sie befürchten, das an der Dorfstraße gelegene Gebäude könnte empfindlich verändert, wenn nicht gar abgerissen werden. Denn offenbar sollen im historischen Bauernhaus mindestens zwölf Wohnungen entstehen.

Liste mit 100 Unterschriften gesammelt

Die Anwohner der Wolkenweher Dorfstraße machen geltend, dass ihr Kiez inzwischen einer der wenigen in Bad Oldesloe ist, in dem es noch historisch gewachsene Bausubstanz bäuerlicher Prägung gibt. Den Charakter des Moritzhofs durch Umbauten stark zu verändern, zerstöre die so typische Dorfansicht. Einem Ausbau mit vielen kleinen Wohnungen im modernen Stil fielen auch im Innenbereich historische Elemente zum Opfer, wie etwa eine alte Treppe, original erhaltene Kachelöfen sowie Deckenbalken, Fachwerk und alte Türzargen. All diese Kriterien fassten sie in einer Info-Mappe zusammen, die im Oldesloer Wirtschafts- und Planungsausschuss verteilt wurde. Und um zu dokumentieren, dass dies keine Einzelmeinung ist, sondern eine von vielen geteilte Ansicht, fügte die Nachbarschaftsinitiative noch eine Liste mit 100 Unterschriften bei.

Mit Rücksicht auf Holzständerbauweise umgebaut

Constantin Lange macht sich besonders für den Erhalt des Anwesens stark. Wie zwei weitere Mietparteien wohnt auch seine Mutter im Moritzhof. 1982 bezog sie die Diele des Bauernhauses, das Ende der 1970er Jahre zu Wohnzwecken hergerichtet worden war, dies aber, so erklärt sie, ganz behutsam mit Rücksicht auf die Holzständerbauweise und anderer Stilelemente. „Ich habe wie meine Mutter, aber auch andere Anwohner zu diesem Haus eine ganz besondere Bindung. Als wir hörten, dass es verkauft werden soll, war uns schnell klar, dass wir etwas unternehmen müssen, um den Hof möglichst stilecht zu erhalten“, sagt Lange. „Grundsätzlich ist niemand dagegen, dass Wohnraum geschaffen wird, aber das muss im Rahmen bleiben.“ Im konkreten Fall deute jedoch alles darauf hin, dass es in erster Linie um die Refinanzierung und Rendite des Objektes gehe.

Investoren ließen Mieter über Pläne im Dunkeln

Der andere Mieter, Jonas Bondzio, berichtet, dass eine der Investoren bei ersten Besichtigung des Objektes von Abriss gesprochen habe. „Sie meinte, dass geplant sei, auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück Einfamilienhäuser zu errichten“, erzählt er. Ihr Partner habe das später zwar dementiert, die Verunsicherung, dass es dazu doch noch kommen könnte, sei jedoch nicht komplett ausgeräumt.

Schließlich habe sich keiner der beiden Investoren an die Mieter gewandt, um zu erläutern, wie die Umbaupläne aussehen. Dabei seien alle sehr daran interessiert, in Dialog zu treten.

Denkmalbehörde: Erhalt wünschenswert

Um einem Abriss den Riegel vorzuschieben, wandte sich Constantin Lange zunächst an das Landesdenkmalamt. Er wollte erfahren, wie die Behörde den Moritzhof einstuft und schickte Fotos ein. Beim Gebäude handele es sich zwar nicht um ein Kulturdenkmal im klassischen Sinne, aber immerhin um ein ortsprägendes Wohnhaus, dessen Erhalt auf jeden Fall wünschenswert sei, lautete die Antwort. Dies lasse sich in einer Erhaltungssatzung regeln, was aber nicht Angelegenheit des Landes, sondern der zuständigen Kommune sei, hieß es in dem Schreiben weiter. Mit diesen Informationen wandte sich Lange im Juli 2020 an die Stadt Bad Oldesloe mit der Bitte, eine solche Satzung aufzustellen. Vier Monate später bekam er eine abschlägige Antwort.

Was Lange damals noch nicht wusste: Anträge auf Erlass von Satzungen können nur aus den Reihen der Politik eingebracht, diskutiert und im Falle eines Konsenses auch beschlossen werden. Und so war auch der Auftritt der Wolkenweher im jüngsten Wirtschafts- und Planungsausschuss nicht von Erfolg gekrönt. Zwar konnte die Initiative ihr Anliegen während der Bürgerfragestunde darlegen, doch unter dem Tagesordnungspunkt gab es lediglich eine Stellungnahme der Bauverwaltung. Darin heißt es, der Investor habe nicht die Absicht mitgeteilt, an der Gebäudekubatur etwas zu verändern, lediglich, dass der Wohnraum neu geordnet und in voraussichtlich zwölf Wohnungen mit einer durchschnittlichen Größe von 65 Quadratmetern umgewandelt werden solle. Deshalb sei selbst im Falle einer bestehenden Erhaltungssatzung fraglich, ob dieses Vorhaben versagt werden könne.

Anwohner: Parkplätze stellen Riesenproblem dar

Weitere Aspekte, die Lange in die Waagschale werfen wollte, konnte er ohne Rederecht an jenem Abend nicht äußern. „Ein wichtiger Punkt bei der ganzen Sache sind die Parkplätze“, gibt er zu bedenken. Rund um die einstige Bauernstelle gebe es dafür keinen Raum. „Die Grünfläche vor dem Haus zu nutzen, kommt nicht in Frage, weil das tatsächlich die Ansicht auf das Haus zerstört. Und seitlich steht eine große Rotbuche, die genauso alt wie das Gebäude ist – nämlich stolze 128 Jahre“, sagt Lange. Auch das Abstellen im angrenzenden Schulredder sei problematisch. „Durch den Ausbau neuer Wohnungen haben wir inzwischen schon eine Verdopplung der Fahrzeuge in der Straße“, sagt Anwohner Torsten Wohlers.

An Aufgeben denkt die Nachbarschaftsinitiative nicht. Die Wolkenweher wollen jetzt die politischen Parteien für das Problem zu sensibilisieren, in der Hoffnung, dass aus deren Reihen ein Antrag auf eine Erhaltungssatzung gestellt wird.

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