Neues Gewerbegebiet am Oldesloer „Rögen“ umstritten

Lübecker Nachrichten   20.02.2021

Während die Wirtschaft es kaum abwarten kann, dass sie neue Grundstücke besiedeln darf, warnen Kritiker vor Lärm und einem enormen Flächenverbrauch

Von Dorothea von Dahlen

Das Gewerbegebiet West in Bad Oldesloe soll hinter der Spedition Schmechel erweitert werden.foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Für die einen ist es ein großer Segen, für die anderen ein Grund, auf die Barrikaden zu gehen. Die Rede ist von der Ausweisung neuer Gewerbegebiete in Bad Oldesloe, genauer gesagt der Erweiterung des „Rögen“ in nördlicher Richtung. Während sich Unternehmen aus der Region und von außerhalb offenbar schon freuen, dort zu expandieren oder einen neuen Standort zu eröffnen, hegen die Anwohner benachbarter Siedlungen jedoch große Vorbehalte gegenüber dem Projekt. Dass es also zu Konflikten kommen würde, hatte sich bereits vor einem Jahr abgezeichnet, als Bürgermeister Jörg Lembke erstmals über die Pläne berichtete. Damals wurde dagegen eine Petition gestartet, deren Wirkung jedoch verhalten blieb. Inzwischen ist das Projekt so weit gediehen ist, dass bereits ein erstes Mal über den neuen Bebauungsplan beraten wurde. Im Zuge dessen sind die Meinungsverschiedenheiten stärker zutage getreten.

Wirtschaftsbeirat hofft auf schnelle Erschließung

„Wir sehen ein signifikantes Potential in dem neuen Gewerbegebiet und hoffen, dass es möglichst schnell erschlossen wird“, appellierte Frederik Gronwald, erster stellvertretender Vorsitzender des Oldesloer Wirtschaftsbeirats an die Mitglieder des Wirtschafts- und Planungsausschusses, die über den Aufstellungsbeschluss des B-Plans 122 zu befinden hatten. Hanna Richter aus der Oldesloer Bauverwaltung berichtete, dass die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) bereits Verhandlungen mit den Eigentümern der Flächen aufgenommen habe, um Grundstücke anbieten zu können. Was die Planung an sich angehe, so müsse noch die Größe des Areals festgelegt werden, das für Sportanlagen reserviert werden solle.

SPD und Grüne legen Wert auf Schutzstreifen

Doch so rasch mochte die Politik nicht zur Tagesordnung übergehen. „Wir würden gern einen größeren Abstand zum Waldgebiet in Richtung Wohngebiet West einhalten wollen, um die Siedlung besser zu schützen“, sagte etwa Hans-Herrmann Roden (SPD). Seine Parteikollegin Annika Dietel pflichtete ihm bei und mahnte an, die Belange der Bewohner des Baugebiets West stärker in die Planung einzubeziehen. Grünen-Fraktionschef Wilfried Janson plädierte ebenfalls für einen breiteren Grünstreifen, um den Verbund zu anderen Biotopen in der Stadt zu verstärken, da große Flächen versiegelt würden.

Wie die Verwaltung mitteilte, war jedoch bis dato geplant, Ausgleichsflächen außerhalb des Gebiets anzulegen, um den großen Bedarf an Grundstücken seitens der Wirtschaft decken zu können. Da es diese und noch viele weitere Fragen zu klären galt, sahen die Mitglieder des Gremiums davon ab, dem Aufstellungsbeschluss sofort zuzustimmen.

Junger Forstexperte warnt vor Flächenverbrauch

Weitaus skeptischere Töne kommen aus dem Bereich der Forstwirtschaft. Jascha Ückert, Jugendobmann des Hegerings Oldesloe, hält das neue Gewerbegebiet für einen großen Fehler. „Eine Erweiterung des Gewerbegebietes am Rögen hätte große negative Folgen auf Klima und Umwelt“, schreibt er. Das Innenministerium Schleswig-Holstein fordere inzwischen, dass der Flächenverbrauch drastisch reduziert werden müsse. Dort habe man erkannt, welch negative Folgen eine Zersiedlungspolitik auf den Naturhaushalt habe. Gleichwohl „scharrt man in der Stadt Bad Oldesloe schon wieder mit den Baggerschaufeln“. Eingriffe in die Natur wie diese seien jedoch nicht gerechtfertigt, sagt der Forstexperte und verweist auf die Petition gegen das Projekt, die bereits im vergangenen Jahr gestartet worden war. Darin wird moniert, dass vom Gewerbegebiet eine hohe Immissionsbelastung und Zunahme des Fahrzeugverkehrs ausgehe.

Am Montag, 8. März, soll voraussichtlich erneut über den Aufstellungsbeschluss für den B-Plan 122 im Wirtschafts- und Planungsausschuss debattiert werden. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.