„Uns steht das Wasser bis zum Hals“

Stormarner Tageblatt  01.03.2021

Schreiben an Daniel Günther und Wirtschaftsminister Buchholz: Unternehmervereine in Stormarn fordern Öffnungen zum 8. März

Patrick Niemeier
Bad Oldesloe Sie wollen komplette Öffnungen mit Hygienekonzepten und keine Form der Verlängerung des Lockdowns für Gastronomie und Einzelhandel in Schleswig-Holstein mehr – in einer bisher einmaligen gemeinsamen Aktion haben fünf Gewerbe- und Wirtschaftsvereine aus Stormarn ein Statement verfasst.
Sie wenden sich mit einem offenen Brief sowohl an Ministerpräsident Daniel Günther als auch an Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus.
Es stelle sich für sie so dar, dass die unklare Lage, wann die coronabedingten Einschränkungen für sie enden sollen, bei ihnen dazu führen könne, dass Einzelhändler in den Ruin getrieben werden. Außerdem steige der Frust.
„Umfragen bestätigen, dass es im Einzelhandel zu keiner erhöhten Infektionsgefährdung kommt. Mit Blick auf das Ostergeschäft brauchen wir eine echte Öffnung und kein Click & Meet. Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen sind mehr denn je auf den in dieser Zeit zu generierenden Umsatz angewiesen“, erklärt Nicole Brandstetter, Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Bad Oldesloe.
Sie spreche in diesem Fall stellvertretend für die fünf Stormarner Unternehmervereine zusammen. Unterschrieben haben den Brief neben Brandstetter auch Uwe Bölt, Vorsitzender Gewerbevereinigung Glinde, Jürgen Rabeneck, Vorsitzender Handelsverein Reinfeld, Wolfgang Sarau, Ring Bargteheider Kaufleute sowie Götz Westphal, Vorsitzender Ahrensburger Stadtforum für Handel, Gewerbe und Tourismus.
„Wir haben Verständnis, dass Gesundheitsschutz oberste Priorität hat. Gleichwohl umtreibt uns nicht zuletzt aufgrund Ihres eher allgemein gehaltenen Antwortschreibens die Sorge, dass in Ihren derzeitigen Planungen keine ausreichende Balance zwischen Gesundheitsschutz und Wirtschaftsinteressen hergestellt wird“, heißt es in dem Schreiben an die Politiker. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, teilen sie mit. Zum 8. März müsse geöffnet werden.
„Schon jetzt müssen immer mehr Läden und Gastronomiebetriebe wegen der Corona-Krise schließen. Die unklare Lage, wann die Einschränkungen beendet sein werden, treibt Gewerbetreibende und Gastronomen geradezu in den Ruin“, heißt es.
Wenn es schon ohne die Corona-Pandemie schwer gewesen sei, Nachfolger für leer stehende Läden zu finden, sei es jetzt noch komplizierter geworden. Wer solle jetzt schon noch neu ein Geschäft eröffnen wollen? Ältere Geschäftsinhaber seien dabei, über eine frühere Aufgabe ihrer Unternehmen nachzudenken.
„Das Sterben des Handels und der Gastronomie bedeutet nicht nur den Tod für die Innenstädte, sondern auch den Verlust von Heimat und Identität für viele Bürgerinnen und Bürger“, sind sich die Vertreter der Einzelhändler und Gewerbetreibenden im Kreis einig.
„Wenn der Lebensmitteleinzelhandel, in dem um die 80 Prozent aller Kontakte beim Einkaufen stattfindet, öffnen darf, warum muss dann der übrige Einzelhandel, der zudem für die Hälfte der Arbeitsplätze im Handel steht, geschlossen bleiben?“, lautet eine der zentralen Fragen in dem Schreiben. „Sorgen Sie dafür, dass sowohl der Handel als auch die Dienstleister und parallel die Restaurants wieder öffnen können“, ist die klare Forderung.
Es bedürfe aus Sicht der Vertreter der Wirtschaftsvereinigungen in Stormarn – auch mit Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse von Virologen – keiner Zwischenschritte wie etwa „Click & Collect“ oder „Click & Meet“ mehr. Nur eine echte Öffnung der Geschäfte und Gastronomie zum 8. März könne helfen.

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