Oldesloe verschärft Maskenpflicht

Stormarner Tageblatt  08.03.2021

Neue Regeln: Lockerung trotz Inzidenz von 70 / Sorge vor neuen Maßnahmen durch Corona-Rückschläge

Patrick Niemeier Die Shutdown-Lockerungen dürfen ab heute vorerst auch in Stormarn umgesetzt werden, aber es bleibt ein scheinbar wackeliger Pandemie-Drahtseilakt. Denn aktuell (Stand 7. März) liegt die Corona-Inzidenz bei 70. „Das Land hat klar darauf hingewiesen, dass die Zahl 50 sich auf den Landesdurchschnitt bezieht. Kreise, die knapp über dem Durchschnitt liegen, dürfen Öffnungen ebenfalls zulassen. Dies wird in Stormarn so praktiziert, ist ein gutes Signal für die Wirtschaft und verringert den ,Einkaufstourismus’“, sagte Landrat Dr. Henning Görtz. Zu diesem Zeitpunkt lag Stormarn allerdings tatsächlich noch knapp über 50. Ob man bei 70 noch von „knapp“ sprechen kann, ist unklar. Klar ist hingegen, dass die Maskenpflicht in Bad Oldesloe angesichts der Lockerungen verschärft wird. Diese gilt nun an allen Tagen von 8 bis 18 Uhr in der Fußgängerzone.
Der Einzelhandel öffnet mit den bereits bekannten Kontaktbeschränkungen und einer maximalen Auslastung. Steigt der Inzidenzwert landesweit auf über 50 werden erneut weitere Beschränkungen eingeführt, bei einer Inzidenz über 100 muss der Handel geschlossen werden. Solche Steigerungsraten möchte die Wirtschaftsvereinigung Bad Oldesloe natürlich verhindern.
„Es ist ein Drahtseilakt und wir müssen sehr vorsichtig sein“, sagt Nicole Brandstetter, Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung. Daher habe die Wirtschaftsvereinigung schon am Sonnabend Flyer an die Passanten in der Fußgängerzone verteilt mit der Bitte, weiterhin die Maskenpflicht ernst zu nehmen und auf Abstand zu achten. „Auch wenn die Beschränkungen schmerzlich sein mögen, müssen wir durchhalten und die geltenden Hygienebeschränkungen weiterhin einhalten“, sagt die Wirtschaftsvereinsvorsitzende.
Es gelte unbedingt zu verhindern, dass die Infektionszahlen dermaßen in die Höhe schießen, dass der Einzelhandel wieder schließen müsste. Das hätte nämlich außerdem Einfluss auf in diesem Fall ausbleibende weitere Lockerungen. „Dann erhält die Gastronomie keine Chance auf Wiedereröffnung“, weiß Angela Dittmar aus dem Vorstand der Wirtschaftsvereinigung. Gemeinsam mit Brandstetter verteilte sie Plakate an die Geschäfte, auf denen freundlich aber deutlich erneut auf die Maskenpflicht hingewiesen wird. Es solle klargemacht werden, dass diese Pflicht nicht verhandelbar sei, sondern eben eine Pflicht. „Leider beobachten wir, dass manche Leute denken, sie müssten in den Geschäften keine Maske tragen. Daher möchten wir den Händlern eine Unterstützung in Form des Plakats zukommen lassen.“
Doch nicht nur für den Einzelhandel gibt es ab heute Erleichterungen. So sind Dienstleistungen mit Körperkontakt, bei denen die Kunden keine Maske tragen können, wieder zulässig, wenn Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen eingehalten werden. Auch Sportgruppen mit bis zu 20 Kindern bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres dürfen im Rahmen des organisierten Vereinssports unter Anleitung eines Übungsleiters draußen trainieren. Kontaktdaten sind zu erfassen. Gruppen mit bis zu zehn Personen können wieder Sport im Außenbereich treiben, ohne dass ein Verein organisatorisch dahinter stehen muss. Eine echte Lockerung für Fitness-Studios gibt es derweil nicht. Denn Sport in geschlossenen Räumen ist weiterhin nur allein oder gemeinsam mit im selben Haushalt lebenden Personen oder einer anderen Person möglich. In großen Räumen oder Hallen können auch mehr Personen Sport treiben – aber nur mit mindestens 80 Quadratmeter Fläche pro Person.
Freuen können sich die Leiter und Betreiber von Musikschulen. Denn ab heute darf wieder Einzelunterricht angeboten werden. Museen, Gedenkstätten, Bibliotheken, Archive dürfen auch in Stormarn öffnen. „Der Kreis arbeitet gemeinsam mit den Stormarner Kommunen an der Organisation einer Teststrategie für Schnelltestungen“, teilt Kreissprecher Michael Drenckhahn mit: „Eine digitale Kontaktnachverfolgung mittels einer App soll auch in Stormarn eingeführt werden.“ Lockerungen für die Außengastronomie, Theater, Kinos und Veranstaltungen wird es aber frühestens zum 22. März geben können.
Görtz: „Mit diesen Lockerungsschritten setzt das Land ein deutliches Signal, das ich sehr begrüße. Gleichzeitig dürfen wir aber jetzt nicht leichtsinnig werden. Wir müssen alle gemeinsam zeigen, dass wir nun verantwortungsvoll mit der neuen Situation, zum Beispiel bei Kontaktbeschränkungen oder der Öffnung des Einzelhandels, umgehen. Halten wir uns an die Regeln.“

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