Auf dem Moritzhof geht die Angst um

Stormarner Tageblatt  12.03.2021

Bad Oldesloe: Bewohner erhalten nach Kritik am Eigentümer Unterstützung aus der Politik

Der Wolkenweher Moritzhof soll umgestaltet werden, befürchten die Bewohner.  Finn Fischer
Der Wolkenweher Moritzhof soll umgestaltet werden, befürchten die Bewohner. Finn Fischer

Patrick Niemeier Viele Jahrzehnte haben sie gut und ruhig gelebt, berichten Bewohner des „Moritzhofs“ im Bad Oldesloer Ortsteil Wolkenwehe. Und sie wollen, dass das auch so bleibt – möglichst ohne Veränderungen.
Doch seitdem es einen neuen Eigentümer gebe, gehe die Angst um. Denn dieser habe angekündigt die 1893 erbaute Immobilie umzugestalten und neuen Wohnraum zu schaffen. Außerdem sei die Kommunikation mit ihm mangelhaft. Einige Bewohner hätten daher Angst ihre Wohnung zu verlieren.
Die SPD Bad Oldesloe sprang nun den Bewohnern zur Seite. Der Plan: eine Erhaltungssatzung für das Gebäude, so dass dieses nicht verändert oder abgerissen werden könnte.
Ein Antrag, der in den Wirtschafts- und Planungsausschuss eingebracht wurde und für Verwirrung bei der CDU und in der Verwaltung sorgte. „Man kann kein einzelnes Gebäude mit einer Erhaltungssatzung schützen“, stellte Jens Wieck klar. „Der Antrag funktioniert daher so gar nicht. Der ist nichtig“, legte sich der Christdemokrat fest.
Angelika Müller, Leiterin des städtischen Planungsamtes, bestätigte, dass der CDU-Einwand richtig sei. Es könne nur darüber nachgedacht werden, ein gesamtes Gebiet mit einer Erhaltungssatzung zu schützen. Doch dabei solle man doch bitte bedenken, dass es dann auch angrenzende Gebäude betreffen würde. Für Erhaltungssatzungen sei außerdem entscheidend, dass es einen ortsprägenden Charakter gebe.
Das, was Teile der Politik anstreben, wäre eher eine Veränderung des Bebauungsplans, beziehungsweise Einschränkungen, um Glas- und Stahlneubauten mit Luxus-Wohnungen zu verhindern. Darüber könne man natürlich diskutieren, aber das sei ein größerer Eingriff.
Moritzhof-Eigentümer Florian Loewenau stellte sich der Kritik und führte seine Pläne aus. Er habe gar nicht vor das Gebäude abzureißen und er wolle auch keine Luxus-Wohnungen entstehen lassen. Dass er lange nicht für Kommunikation zur Verfügung gestanden haben, könne gar nicht sein, denn schließlich gehöre ihm die Immobilie doch erst seit November 2020, erklärte er.
Loewenau berichtete von seinen Plänen, sozialverträglichen Wohnraum erschaffen zu wollen. Er sei kein Investor, der das Gebäude sanieren und dann gewinnbringend verkaufen wolle, stellte er klar. Daher präferiere er auch die faktische Bezeichnung als „Eigentümer“ und nicht als „Investor“.
Teile der Lokalpolitik blieben trotz der Ausführungen skeptisch. Und so wurde die Verwaltung damit beauftragt, zu überprüfen, ob man den gesamten Straßenzug in Wolkenwehe als ortsbildprägend mit einer Erhaltungssatzung versehen könne.
Die Stadtfraktion gab dabei zu denken, dass man sich mit den betroffenen Anwohnern auch abseits der diskutierten Immobilie unbedingt austauschen sollte.
Außerdem soll auf Wunsch von Jens Wieck (CDU) geprüft werden, ob es in Bad Oldesloe weitere Bereiche gebe, in denen eine sogenannte „Empfindlichkeits-Prüfung“ durchgeführt werden sollte. Eine solche ist eine Art Bestandsaufnahme der vorhandenen Bebauung und ihrer Rolle für das Ortsbild.

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