Umstrittene Freigabe für Exer

Stormarner Tageblatt  15.03.2021

Drahtseilakt auf Bewährung: Freizeitflächen in Bad Oldesloe dürfen unter Auflagen wieder genutzt werden

Wer sich an die Spielregeln für kontaktlosen Sport hält, darf den Kunstrasenplatz nutzen.   Patrick Niemeier
Wer sich an die Spielregeln für kontaktlosen Sport hält, darf den Kunstrasenplatz nutzen. Patrick Niemeier
 

Patrick Niemeier Er ist nicht nur der zentrale Parkplatz der Stadt und ein beliebter Treffpunkt, sondern auch seit Beginn der Pandemie die Bad Oldesloer Corona-Problemzone: der Exer mit seinen Freizeitflächen. Immer wenn das Wetter es zuließ, trafen sich dort im Vorjahr zu viele Jugendliche und Erwachsene. Immer wieder wurden dort die Abstände und die Maskenpflicht verletzt, so dass die Sportflächen nach einer zwischenzeitlichen Öffnung seit Spätherbst gesperrt waren.

Öffnung wegen Infektionszahlen umstritten

Jetzt mit den – mit Blick auf die Stormarner Inzidenz von über 70 umstrittenen – Lockerungen werden diese Sperrungen wieder aufgehoben. Die einen freuen sich vor allem für Jugendliche, die sich wieder mehr bewegen und begegnen können, die anderen verweisen auch mit Rücksicht auf die anrollende dritte Corona-Welle darauf, dass die Oldesloer Polizei im Spätherbst betonte, dass es diese Bereiche seien, die immer wieder zu großen Ansammlungen führten.
Die Verwaltung der Kreisstadt, die seit einigen Wochen bei immer mehr Bürgern in der Kritik stand, zu lasch beim Durchsetzen der Corona-Maßnahmen vorgegangen zu sein, hatte unlängst darauf hingewiesen, dass man ja bei der Kontrolle der Maßnahmen sowieso nur Amtshilfe für den Kreis betreibe. Das eigene Ordnungsamt gar nicht entsprechend aufgestellt sei. Was aus der Forderung der Wirtschaftsvereinigung, einen Sicherheitsdienst einzusetzen, geworden ist, wurde noch nicht kommuniziert.
Die Öffnungen der Freizeitflächen seien möglich und man halte sich da streng an das, was das Land ermögliche, entgegnet die Verwaltung Kritikern. „Die Sportanlagen auf dem Exer in Bad Oldesloe werden gemäß der aktuellen Landesverordnung ab sofort wieder für den kontaktfreien Sport freigegeben“, teilt Stadtsprecherin Agnes Heesch mit.

Einige Jugendliche besorgt über Party-Treffs

Die Verwaltung weise allerdings auch ausdrücklich darauf hin, dass nach wie vor kein „normales“ Mannschaftstraining, sondern nur kontaktfreier Sport zulässig ist. Ein Blick in den ersten Tagen nach der Öffnung auf die Flächen zeigt, dass sich zum Großteil daran gehalten wird, allerdings eine Minderheit es weiter als Einladung für Treffen ohne Abstände und Masken betrachtet.
„Die werden uns das wieder kaputtmachen“, sagt ein frustrierter Skater mit Blick auf eine Runde Jugendlicher, die es sich mit Boombox und einer Bierkiste im Skateland gemütlich gemacht haben. Der fromme Wunsch, sich abzusprechen, wer das Skateland wann nutze, funktioniere tagsüber, aber in den Abendstunden nicht. „Abends wird es hier auch bei manchen Freunden von mir eher als Party-Treffpunkt gesehen. Da leiden die drunter, die einfach echt skaten wollen“, sagt Julian (16). Er wünsche sich sogar mehr und entschlossenere Kontrollen. „Ich habe da kein Problem mit. Ich will skaten und wäre echt sauer, wenn das hier wieder geschlossen wird, wegen der paar Idioten“, fügt er an.
Es werde nochmal ausdrücklich darum gebeten, die Plätze nur für den Sport zu benutzen. Auch im Dirtpark, auf dem Streetwork-Out und auf der Skateanlage sei Abstand einzuhalten, stellt die Verwaltung klar.

Erneute Sperrung bei Verstößen angedroht

„Wir appellieren an alle diejenigen, die sich am Skateland nur treffen und dort keinen Sport treiben, darauf zukünftig zu verzichten. Alle anderen Nutzer werden gebeten, sich abzusprechen und eventuell die eigenen Fahrzeiten anzupassen, um eine Überfüllung zu vermeiden“, sagt die Mitarbeiterin der städtischen Jugendabteilung, Kathrin Stehr.
„Bei der Öffnung der Sportanlagen setzen wir auf die Einhaltung der Regeln durch die Sportler“, sagt der Bürgermeister. „Die Sportler sind nun gefragt, sich gegenseitig zu sensibilisieren“, so Lembke weiter. „Sollten wir bei unseren Überprüfungen Verstöße feststellen, wird erneut eine Schließung der jeweiligen Anlage in Betracht gezogen“, stellt Lembke klar, dass die Öffnungen nur auf Bewährung erfolgen.
In dringenden Fällen können auch Jugendtreffs wieder öffnen. Dabei muss der Schwerpunkt aber auf Beratungs- und Unterstützungsangeboten liegen. Die Jugendfreizeitstätte sowie die offenen Treffs der städtischen Kooperationspartner seien daher wieder mit eingeschränktem Angebot und unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen geöffnet. Informationen erhalten Jugendliche auf den jeweiligen Webseiten und in den sozialen Medien.

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