Einzelhändler erleichtert und entnervt

Stormarner Tageblatt  25.03.2021

Das schnelle Ende der Oster-Ruhe wird positiv aufgenommen, die Art des Vorgehens vom Einzelhandel kritisiert

Doch geöffnet – der Einzelhandel geht nicht in die Oster-Ruhe.  Patrick Niemeier
Doch geöffnet – der Einzelhandel geht nicht in die Oster-Ruhe. Patrick Niemeier

Patrick Niemeier Herbert Grönemeyer hat vor Jahren eigentlich schon den perfekten Soundtrack für diese Zeit gedichtet. „Genug ist zu wenig oder es wird so wie es war. Stillstand, geh voran, bleibt alles anders“, sang er verwirrend mystisch in „Bleibt alles anders“. Doch genau diese Frage, ob nun alles anders bleibt, stellt sich zunehmend verwirrt der Einzelhandel in der Corona-Krise. Kaum war die Oster-Ruhe beschlossen, diskutiert und halbwegs mit Frust zerkaut, wenn auch nicht verdaut, stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel fest, dass die Oster-Ruhe doch keine so gute Idee sei und zog diese mit einer Respekt gebietenden Geste und Rede wieder zurück. Für alle Betroffenen war das der Höhepunkt des Zick-Zack-Kurses der Regierung.
„Es wird langsam wirklich schon irgendwie albern, wenn es nicht so ernst wäre“, sagt Nicole Brandstetter, Vorsitzende der Bad Oldesloer Wirtschaftsvereinigung. Natürlich sei die Rücknahme der stark kritisierten Oster-Ruhe ein guter, ein wichtiger Schritt, der bei vielen Einzelhändlern schon für etwas Erleichterung sorge. Auf der anderen Seite wisse sie, dass sich gerade erste Kaufleute auf genau diese Veränderungen eingestellt hatten. Und das betrifft von der Warenabbestellung bis zum Personaleinsatz und Dienstplan eine Menge Bereiche. Es werde immer schwieriger, den Überblick zu behalten, was die Regelungen und Sonderregelungen sowie Ausnahmen angehe.

„Click & meet“ auch bei Inzidenz von über 50?

Gestern Nachmittag waren entsprechend auch so manche Kaufleute in Bad Oldesloe eher verwirrt als erleichtert. Denn noch immer steht die Frage im Raum, wie denn nun genau die neue Landesverordnung aussehen wird, die in diesen Tagen noch verabschiedet werden soll. Viele haben irgendwas gehört, konkret wusste niemand, wie der Plan sein wird. Wird es auch weiter bei einer Inzidenz von über 50 nur „click & meet“ geben und wie lautet die genaue Perspektive? Gibt es vielleicht doch noch unerwartete Lockerungen für die Außengastronomie in Bereichen, in denen die Inzidenz unter 100 liegt? „Genau das ist doch jetzt so ein Problem. Die Leute denken, dass eventuell noch andere Beschlüsse geändert oder rückgängig gemacht werden. Das ist von der Kommunikation her wirklich nicht gut“, sagt Brandstetter.
Sie machte auch klar, dass generell „click & meet“ kein längerfristiges Modell sei, mit dem der Einzelhandel arbeiten könne, andererseits müsse klar sein, dass man auch ohne Oster-Ruhe in einer Pandemie sei, die gerade in die dritte Welle gehe. „Das ändert sich ja nicht“, sagt sie. Maskenpflicht, Abstände und Hygieneregeln blieben wichtig.
Aktuell ist der Stand der Dinge, dass die Stormarner Geschäfte auch ab Montag 29. März im „click & meet“-Modus bleiben. Ähnlich sieht man es in Ahrensburg. Antje Karstens, Sprecherin des Ahrensburger Stadtforums, bestätigt, dass sie von Erleichterung gehört habe, aber dass der Hin-und-Her-Kurs auch viele Nerven koste. Der Stadtforums-Vorsitzende Götz Westphal betont, dass Aufgeben natürlich keine Option sei, auch wenn man feststellen könne, dass hier und da die Energie weniger werde.
Man versuche, die Einzelhändler in Ahrensburg immer so gut es geht mit Informationen zu versorgen. Er selbst sei da immer nah an der Quelle und halte sich auf dem Laufenden, was neue Regelungen angehe.
Wolfgang Sarau, Vorsitzender des Rings Bargteheider Kaufleute, hatte unlängst gefordert, dass die Regeln nachvollziehbar bleiben müssen, damit sie akzeptiert werden. Das funktioniere nicht über weitere Verbote, sondern dadurch, dass man kreative und innovative Konzepte finde.

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