Hilfe! Steht unser Haus bald im Gewerbegebiet?

Lübecker Nachrichten   25.03.2021

Die Oldesloer Familie Krey befürchtet, dass die Stadt Bad Oldesloe neue Unternehmen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ansiedeln will

Von Dorothea von Dahlen

Torben, Birte, Kira und Kjell Krey (v. l.) fürchten, ihr Haus in Alleinlage aufgeben zu müssen, wenn der Plan, ein neues Gewerbegebiet zu erschließen, Realität wird.fotos: Dorothea von Dahlen/susanna fofana

Bad Oldesloe. Die Kreisstadt steht unter Druck. Noch belasten Schulden in Millionenhöhe den Haushalt. Eine Konsolidierung lasse sich laut den Finanzexperten nur durch höhere Einnahmen erzielen. Und da diese allenfalls aus einem Mehr an Gewerbesteuern ins Stadtsäckel fließen, erscheint die Ansiedlung neuer Unternehmen als Gebot der Stunde. Außer der Erschließung eines Gewerbegebiets zwischen Rögen und Grabauer Straße ist nun auch eine weitere Fläche im Gespräch, die sich südlich der A 1 in Richtung Rethwisch Dorf erstreckt. Der Plan, auf dem Areal Grundstücke zur gewerblichen Nutzung auszuweisen, versetzt jedoch eine dort wohnende Familie in große Sorge.

Den grauen Punkt nicht ernst genommen

Vater Torben Krey nahm vor etwa einem Dreivierteljahr erstmals Notiz von dem neuen Vorhaben in der Kreisstadt. „Ich hatte in einem Beitrag der Lübecker Nachrichten gelesen, dass zwischen Bad Oldesloe und Rethwisch ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen werden soll. Auf der nebenstehenden Grafik wurde das durch einen grauen Punkt symbolisiert“, erzählt der Oldesloer. Zu jenem Zeitpunkt, als offenbar der konkrete Grenzverlauf noch nicht definiert gewesen sei, habe er dem Projekt noch keine große Beachtung geschenkt. Hellhörig sei er erst geworden, nachdem der fertig abgezirkelte Plan jetzt den Stadtverordneten als Teil einer Beschlussvorlage präsentiert worden sei. „Da ist deutlich erkennbar, dass auch wir unter den grauen Punkt fallen. Es kann doch nicht sein, dass unser Haus später mitten in einem Industriegebiet liegt oder es womöglich noch abgerissen werden soll“, sagt der Betriebswirt beklommen.

Da er von einem Missverständnis ausging, meldete sich Krey auf der Stadtverordnetenversammlung als Einwohner zu Wort. „Es scheint, dass Sie mein Grundstück in ein Gewerbegebiet eingeplant haben, ein Grundstück, das schon seit 60 Jahren bewohnt ist“, merkte er kritisch an und fragte, ob denn die Gemeinde Rethwisch, auf deren Gemarkung 85 Prozent und damit der überwiegende Teil des Geländes liege, die Erschließung nicht allein bewerkstelligen könne. Die Flächen auf Oldesloer Seite seien ohnehin zu klein.

Bürgermeister: Gewerbegebiet erst in ferner Zukunft

Bürgermeister Jörg Lembke berichtete, dass die Idee, an dieser Stelle neue Firmen anzusiedeln, auf einer Veranstaltung der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) entstanden sei. Gutachter hätten sämtliche Möglichkeiten überprüft und diesen Standort als besonders geeignet vorgestellt. „Dabei ist man auch zu der Erkenntnis gekommen, dass ein gemeindeübergreifendes Gebiet an dieser Stelle optimal wäre“, sagte Lembke. Jetzt gehe es jedoch erst einmal um einen Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten, dass dort „irgendwann in ferner Zukunft“ ein Gewerbegebiet entwickelt werden könne. Derzeit werde ohnehin der Regionalplan bearbeitet und daraus resultierend der Flächennutzungsplan, in dem solche Elemente eine Rolle spielten. Bis ein solches Projekt Gestalt annehme, dauere es aber gut 20 bis 25 Jahre.

Das ganze Geld in den Hausanbau gesteckt

Diese Aussage vermochte Torben Krey jedoch nicht zu beruhigen. „Die Antwort hat mich überhaupt nicht zufriedengestellt. Ich selbst wohne in diesem Haus schon seit 50 Jahren und habe es mit eigener Hände Arbeit durch einen Anbau erweitert. Wir haben unser ganzes Geld hineingesteckt und wollten es später den Kindern übergeben“, moniert er. Mit der Geräuschkulisse der Autobahn habe sich die Familie arrangiert, dafür entschädige die Alleinlage. Wenn das Haus aber später von Gewerbebauten umzingelt sei, stelle das eine große Beeinträchtigung dar.

Poker um Bodenpreise schon eröffnet

Ein Verkauf des Hauses steht für die Familie ebenso wenig zur Debatte. „Erst mal hängt sehr viel Herzblut daran. Das gibt man nicht einfach auf. Und zum anderen würden wir uns für den Erlös des Grundstücks keinen gleichwertigen Ersatz in Bad Oldesloe leisten können“, sagt Krey. Anders sehe das bei den landwirtschaftlichen Flächen nahe Rethwisch aus. „Da hat das Pokern um die Bodenpreise schon längst begonnen“, weiß der Familienvater zu berichten. Für einen Bauern, der selbst nicht mehr aktiv sei und für seine Ländereien bis dato nur eine Pacht erhalten habe, sei der Verkauf des zu erwartenden Baulands dagegen eine lukrative Angelegenheit.

Grüne schlagen Solarkollektorfelder vor

Der Grundsatzbeschluss ist im Übrigen auf Antrag der Grünen wieder in den Wirtschafts- und Planungsausschuss verwiesen worden, damit über das spätere Profil des neuen Gebiets diskutiert werden kann. Nach den Vorstellungen der Partei könnten sich die Flächen auf Oldesloer Gemarkung als Standort für großflächige solarthermische Kollektorfelder mit großem Jahreswärmespeicher eignen – eine Technologie, die in Dänemark schon längst auf dem Vormarsch sei.

„Mit einer solchen Lösung könnten wir in der Tat leben“, sagt Krey. Energietechnische Anlagen wie diese versperrten die Sicht nicht und erzeugten auch keine unangenehmen Emissionen. „Wir werden die Diskussion jetzt aufmerksam verfolgen“, kündigt der Oldesloer an. Gelegenheit dazu wird er voraussichtlich wieder am Montag, 10. Mai, bekommen, wenn der Wirtschafts- und Planungsausschuss erneut ab 19 Uhr in der Stormarnhalle tagt.

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