Kliniken sind für dritte Welle gewappnet

Stormarner Tageblatt  26.03.2021

So sieht die Corona-Situation in der Asklepios Klinik Bad Oldesloe und dem Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift aus

Die Bad Oldesloer Asklepios-Klinik.  Patrick Niemeier
Die Bad Oldesloer Asklepios-Klinik. Patrick Niemeier

Bastian Fröhlig Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi)sagt in der „Rheinischen Post“: „Die Politik hat auf die dritte Welle jetzt aus Sicht der Intensivmedizin vollkommen richtig gehandelt.“ In den vergangenen Tagen sei die Anzahl der Corona-Patienten deutlich angestiegen. Doch wie sieht es vor Ort in der Asklepios Klinik Bad Oldesloe und dem Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift aus? „Die Lage in der Asklepios Klinik Bad Oldesloe ist momentan ruhig“, sagt Sigrun Senska, Geschäftsführerin Asklepios Klinik Bad Oldesloe. In der zweiten Welle habe man durchgängig Corona-Patienten behandelt, verzeichne derzeit aber keinen spürbaren Anstieg der Patientenzahlen durch die dritte Welle. „Zur Zeit behandeln wir vier Patienten mit einer Covid-19-Infektion, davon liegt ein Patient auf der Intensivstation“, erläuterte sie
Im Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift werden aktuell zehn Covid-19-Patienten betreut, vier davon werden auf der Intensivstation beatmet, die übrigen sechs befinden sich auf der Isolierstation. „Es ist die niedrigste Patientenzahl seit dem 13. Dezember 2020. Die höchste Zahl hatten wir am 4. Januar 2021 mit insgesamt 42 Covid-Patienten im Haus. Ende Februar haben wir noch bis zu 9 Covid-Patienten gleichzeitig auf unserer Intensivstation beatmen müssen“, erläutert Andrea Schulz-Colberg, Pressesprecherin des Krankenhauses Reinbek St. Adolf-Stift. Insgesamt seien seit Ausbruch der Pandemie 376 Covid-19-Patienten stationär betreut worden. Davon mussten 73 Patienten intensivmedizinisch behandelt werden.“

Dritte Welle kommt mit Verzögerung

Schulz-Colberg rechnet damit, dass die dritte Welle mit Verzögerung im Krankenhaus ankommt. „Aktuell ist diese noch nicht zu spüren. Das könnte vermutlich daran liegen, dass die Menschen, bei denen ein schwerer Verlauf zu erwarten wäre, bereits geimpft sind“, erläutert sie. Im vergangenen Jahr seien viele Patienten Bewohner von Pflegeheimen gewesen. „Da diese jetzt geschützt sind, haben die Bewohner meist milde Verläufe und benötigen keine Krankenhausbehandlung“, sagt Schulz-Colberg.
Die Corona-Mutante soll vor allem Menschen von 50 bis 80 Jahre betreffen. Bedeutet dies auch längere Liegezeiten? „Gemäß unserer Erfahrung sind die Infektionen mit Corona Mutationen zwar ansteckender, die Krankheit nimmt aber bei der Mutante keinen schwereren Verlauf. Daher gehen wir nach momentanen Kenntnisstand nicht von längeren Liegezeiten aus“, sagt Senska. Schulz-Colberg betont, dass man auf alle Eventualitäten wie längere Liegezeiten vorbereitet sei.
„Ob es längere Liegezeiten bei jüngeren Patienten geben wird, ist nicht klar“, erläuterte sie. Allerdings gebe es auch einen weiteren Faktor: „Die mentale Belastung für unsere Mitarbeitenden, die die Patienten direkt behandeln ist allerdings größer, wenn junge Menschen schwere Verläufe haben und mitten aus dem Leben gerissen werden.“
„Auch wenn die Covid-Zahlen bei den Krankenhauspatienten zum Glück gerade rückläufig sind, ist die Arbeitsbelastung unserer Mitarbeitenden extrem hoch und das mehr oder weniger seit einem Jahr Pandemie“, berichtet Schulz-Colberg. Es gab viele Patienten, deren Operationen im Frühling 2020 und im Winter 2020/2021 abgesagt werden mussten, um personelle und räumliche Kapazitäten für Covid-Patienten zu schaffen. Diese Behandlungen müssten nachgeholt werden – vor allem bei Krebsleiden.
„Natürlich versuchen wir alles, um die Mitarbeiter zu entlasten, etwa indem uns auch auf den Bettenstationen und Überwachungsbereichen vergleichsweise viele Zeitarbeitskräfte unterstützen, auch wenn das sehr kostenintensiv ist“, sagt Schulz-Colberg. Sollte weniger los sein, können Mitarbeiter früher nach Hause gehen, um Überstunden abzubauen.
So sieht es laut Senska auch in der Asklepios Klinik Bad Oldesloe aus: „Die Arbeitsbelastung der Ärzte und Pflegekräfte in der Asklepios Klinik Bad Oldesloe hat sich durch die Corona-Pandemie nicht grundsätzlich verändert. Wenn es die Situation zulässt, können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Überstunden abbauen.“
Sie betont: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die vergangenen Monate trotz der herausfordernden Umstände mit Bravour gemeistert.“
In der Asklepios Klink Bad Oldesloe wurden rund 60 Prozent des Klinikpersonals, das „mit einem sogenannten hohen Expositionsrisiko arbeitet“, erstgeimpft – also Mitarbeiter auf der Covid-Station oder in der Notaufnahme. 35 Prozent haben auch die Zweitimpfung erhalten. „Sobald die nächste Impfstofflieferung eingetroffen ist, setzen wir das Impfen fort“, sagt Senska.
„Wir hatten das Glück als eines der ersten Krankenhäuser im Land bereits im Dezember mit der Impfkampagne unserer Mitarbeitenden zu starten. Weitere Impfungen folgten“, sagt Schulz-Colberg. Aktuell seien bereits 467 Mitarbeiter aus besonders sensiblen oder belasteten Bereichen mit Biontech bereits zum zweiten Mal geimpft und 144 Mitarbeitende haben ihre Erstimpfung Anfang März mit AstraZeneca erhalten.

Impfungen zum Teil verschoben

Am vergangenen Wochenende waren über 300 Erstimpfungen von weiterem Personal mit AstraZeneca geplant. Aufgrund des zwischenzeitlichen Impfstopps, wurden diese um eine Woche verschoben. „Auch weil die Unsicherheit bei den Mitarbeitenden natürlich sehr groß war“, sagt Schulz-Colberg. „Wir freuen uns aber, dass es weiter geht, da wir möglichst viele Mitarbeitende geimpft haben möchten, bevor die dritte Welle im April in den Krankenhäusern ankommt.“

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