Betrachtungen zum Wochenende: Planung, Erwartung und Innovation

Stormarner Tageblatt  27.03.2021

Stormarner Wochenschau

Planung, Erwartung und Innovation

Karikatur: Megi Balzer
Karikatur: Megi Balzer

Patrick Niemeier, Stephan Poost und Volker Stolten
Erwartungen

Die Corona-Inzidenzzahlen steigen, Menschen erkranken schwer, Menschen sterben und munter werden Lockerungs-Diskussionen an dem Willen der Mehrheit vorbeigeführt. Ja, die populistischen Schreihälse sind teilweise lauter, aber wie zahlreiche Umfragen belegen, bilden die Lockerungs-Fanatiker eben nicht die Mehrheit. Kaufleute sind vor allem schwer genervt vom Hin und Her, von Ankündigungen, die zurückgenommen werden, von Regeln im Wochentakt. Das gilt auch für Kultur und Gastronomie. Man möchte häufig lieber langfristige Perspektiven, als kurzfristige leere Versprechen. Und eines ist klar. Es wird kein „wie vor Corona“ mehr geben. Es haben sich Risse gebildet, die nicht zu kitten sind. Man wird so manchen Querdenker aus der Straße eben nicht mehr zum Grillfest einladen und umgekehrt werden die Abgedrifteten sich nicht mehr mit denen umgeben, die ihnen aus ihrer Sicht jetzt das Leben schwer machen. Die Welt vor Corona existiert aus diversen Gründen nicht mehr. Unter anderem auch, weil Menschen schwer erkrankten und verstorben sind. Es gibt kein zurück, aber es gibt eine Zukunft. Sie wird anders sein überall. So wie es eben auch nie wieder die Welt vor dem 11. September 2001 gab.

Feuerwehr-Impfungen

Impfungen und Schnelltests in ausreichenden Mengen sind der Weg, der aus der Pandemie führt. Bis genug geimpft wurde, wird es Beschränkungen geben müssen, solange man mit Verstand und Vernunft handelt und nicht rein kapitalistischen und populistischen Forderungen unterliegt und einknickt. Aber gerade beim Impfen versagt der Bürokratie- und Politikapparat scheinbar. Was wurde im Verlauf des vergangenen Jahres eigentlich organisiert? Dass Feuerwehren momentan darum bitten müssen, mit Priorität geimpft zu werden, dass das ein Politikum ist und dass Grundschullehrer geimpft sind, während manche Lehrer an weiterführenden Schulen das nicht sind, ist schon absurd. Niemand kann erklären, warum manche Menschen bereits geimpft sind, während die Helfer darauf hoffen müssen. Ohne Impfungen in ausreichendem Maß gibt es kein Ende der Pandemie und das lässt sich auch nicht anders herbeischreiben oder herbeischreien.

Schwere Geburt

Bargteheide zählt in Deutschland nicht nur zu den ganz wenigen Kommunen, die schuldenfrei sind. Sie spielt auch in der Liga der Bauprojekte bundesweit ganz oben mit und verweist sogar Berlin und Hamburg auf die Plätze. So betrug die Bauzeit des BER-Flughafens 14 Jahre und die der Elbphilharmonie gerade einmal zehn Jahre. Da kann die Stadt nur müde lächeln und mit dem jetzt fertiggestellten Alu-Schutzwall eins draufsetzen. Der Bau erstreckte sich nämlich insgesamt über 18 Jahre. Wow!
So gewaltig wie die Bauvorhaben Elphi oder BER ist das Bargteheider Bauprojekt allerdings nicht. Es handelt sich hier lediglich um einen bis zu vier Meter hohen Wall und eine 400 Meter lange Lärmschutzwand, die die Anwohner der Breslauer Straße und Westpreußenstraße vor Bahnlärm schützt. Auch hier verhinderten die Begleitumstände eine schnelle Umsetzung: Zähe Gesprächsverhandlungen mit Grundstückseigentümern, schwierige Zugänglichkeit, ein mit einem Schlauch gegossenes Betonfundament. Und dann noch die aufreibende Puzzlearbeit: Alle Teile mussten einzeln auf den Wall gebracht werden. Mann-o-Mann.
Das kann es jedoch nicht allein gewesen sein. 18 Jahre – da fragt man sich schon, weshalb das Projekt, weshalb der Austausch der vergammelten Holzkonstruktion durch eine Alu-Schutzfront nicht schneller abgeschlossen werden konnte und die Kosten Jahr für Jahr in die Höhe trieb auf stolze 1,6 Millionen Euro. Denn Zeit ist bekanntlich Geld! Bleibt am Ende zu hoffen, dass die Lärmschutzwand wenigstens so lange hält, wie sie aufzubauen gedauert hat.

Unter Nachbarn

Pecunia non olet , sagte schon der römische Kaiser Vespasian, Geld stinkt nicht. Er meinte damit, dass man dem Geld aus seiner Latrinensteuer nicht ansehe, woher es stamme. Die Erfahrung wird auch Thorsten Homma aus Elmenhorst machen, der eine schöne Möglichkeit erfunden hat, herkömmliches Toilettenpapier als feuchtes Papier zu nutzen, was zu weniger Problemen in Kläranlagen führen wird. In der TV-Show „Höhle der Löwen“ suchte er einen Investor und wurde fündig, sozusagen in der Nachbarschaft. Der Stapelfelder Unternehmer Ralf Dümmel sagte im 100.000 Euro für seine Idee zu und erhielt dafür 20 Prozent der Anteile an Hommas Unternehmen. Die Erkenntnis, das Geld nicht stinke, ist bei der Geschichte ja nur ein Abfallprodukt. Viel wichtiger ist die Erkenntnis, das das Gute oft so nahe ist. Wurden doch bei der TV-Show, die in Köln aufgezeichnet wird, zwei Stormarner zusammengebracht.

Gluck, gluck

„Früher war alles besser“ – hört man immer mal wieder. Aber natürlich war früher nicht alles besser. Aber eine Sache war es ganz gewiss: Schwimmen! Wir konnten damals als Kinder (Mitte der 1960er Jahre) alle schwimmen. Hatten den Freischwimmer-, Fahrtenschwimmer- oder den Jugendschwimm-Schein und einige sogar Totenkopf. Das war damals gang und gäbe. Heute, im Jahre 2021, ist das nicht mehr gang und gäbe. Ganz im Gegenteil. Heute können immer weniger schwimmen. Ups!
Laut DLRG-Studie ist nur noch jeder zweite Deutsche in der Lage, sich in vollen Schwimm-Zügen über Wasser zu halten. Bei Kindern sieht es noch düsterer aus. Fast 60 Prozent sind des Schwimmens nicht mächtig und würden im Wasser wie ein Stein untergluckern. Ein Armutszeugnis, wie auch Werner Mitsch vom Rotary-Club Bargteheide attestiert. Da muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Deshalb unterstützen die Rotarier die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft Bargteheide bei der Einrichtung einer Stelle aus dem Bundesfreiwilligendienst zur Förderung des Schwimmens von Mädchen und Jungen und finanzieren das erste Jahr mit 3600 Euro. Ein feiner Zug. Ein schlechter Zug ist das Desinteresse der Eltern. Sicherlich gibt es Familien, die sich einen Schwimmunterricht einfach nicht leisten können. Aber das Gros der Mütter und Väter setzt wohl andere Prioritäten. Schwimmen fällt da, obwohl lebenswichtig, durchs Raster. Ansonsten ist diese Entwicklung nicht zu erklären. Das ist einfach erschreckend!

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