Glückwunsch, Tageblatt!

Stormarner Tageblatt  31.03.2021

Seit 70 Jahren im neuen Gewand: Vom Wochenblatt zum Stormarner Tageblatt

31. März 1951: Letzte Ausgabe des „Oldesloer Landboten“.
31. März 1951: Letzte Ausgabe des „Oldesloer Landboten“.
 
Die erste Ausgabe als „Stormarner Tageblatt“ erschien am 2. April 1951.  Kreisarchiv Stormarn
Die erste Ausgabe als „Stormarner Tageblatt“ erschien am 2. April 1951. Kreisarchiv Stormarn

Susanne Rohde Am 2. April 1951, also vor genau 70 Jahren, bekam der „Oldesloer Landbote“ einen neuen Namen und wurde in „Stormarner Tageblatt“ umbenannt. Durch diese Namensänderung sollte der Fokus der lokalen Berichterstattung auf den gesamten Kreis Stormarn ausgedehnt werden. Doch bis dahin war es ein langer Weg für eine der ältesten norddeutschen Zeitungen und dieser Weg zeigt, dass die 182-jährige Geschichte des Stormarner Tageblatts alles andere als langweilig ist. Die Anfänge der Zeitung liegen in den Wirren des aufkommenden deutschen Nationalismus in den dänischen Herzogtümern Schleswig und Holstein. Das
„Oldesloer Königlich Privilegirte Wochenblatt“ wurde 1839 vom Buchdrucker und Verleger Julius Schüthe gegründet und war zunächst nur eine kleine, unbedeutende und unpolitische holsteinische Regionalzeitung.

Acht Seiten und 50 Exemplare

Die Auflage des achtseitigen Landboten war bescheiden und betrug zunächst nur 50 Exemplare, die der Herausgeber anfangs sogar selbst an die Abonnenten verteilte, zu denen auch Handwerker, Fuhrleute und einfache Arbeiter gehörten. Es gab immer wieder strenge Zensurbestrebungen der jeweiligen Regierungen, bis hin zu Sanktionen und sogar Gefängnisstrafen. Der Oldesloer Landbote, der zu den so genannten „lokalen Intelligenzblättern“ gehörte, und sein Herausgeber Julius Schüthe litten zunächst unter erheblichen Startschwierigkeiten, denn eine unabhängige Presse war damals nicht erwünscht. Es gab zwar eine starke deutsche Nationalbewegung im Land, die aber von der dänischen Regierung in Kopenhagen unterdrückt wurde. Der Landbote beschränkte sich deshalb zunächst auf Anzeigen, Bekanntmachungen sowie Nachrichten aus der Landwirtschaft. Der politische Charakter entwickelte sich erst später. Bereits 1856 hatte sich die Auflage verzehnfacht und die Zeitung, die ab 1851 „Der Landbote“ und seit 1862 „Oldesloer Landbote“ hieß, gehörte zu den erfolgreichsten Blättern weit und breit und warb für sich im Titelkopf als „Das weitverbreitete, alteingeführte Familien- und Anzeigenblatt“.

1943 eingestellt – 1947 wieder erschienen

Im April 1943 musste die Zeitung eingestellt werden, um erst im Oktober 1947 wieder zu erscheinen. 1949 war Bad Oldesloe zur neuen Kreisstadt ernannt worden. Dieser Entwicklung wollte auch der Landbote gerecht werden. Am 2. April 1951 war es so weit – die Zeitung erschien zum ersten Mal als „Stormarner Tageblatt“. In der letzten Ausgabe als Oldesloer Landbote vom 31. März 1951 gab es in der Zeitung folgenden Aufruf:
„An unsere Leser! Um zahlreiche, an uns herangetragene Wünsche aus dem Leserkreise und seitens der Behörden zu erfüllen und um den lnteressen des Kreises Stormarn noch mehr als
bisher Rechnung zu tragen, haben wir uns entschlossen, den Titel unserer Zeitung mit Wirkung vom 1. April 1951 in ,Stormarner Tageblatt’ zu ändern. Wir hoffen, damit den von uns seit Gründung des ,Oldesloer Landboten’ im Jahre 1839 betonten Charakter einer Heimatzeitung für den gesamten Kreis Stormarn deutlicher betonen zu können. Der Kreis Stormarn zwischen den beiden Großstädten Hamburg und Lübeck gelegen, hat in Schleswig-Holstein eine besondere Aufgabe zu erfüllen. Es bedarf daher eines Presse-Organs, das auch für den Leser außerhalb der Kreisgrenzen schon äußerlich erkennbar, den Namen Stormarn in seinem Titel führt. Wir geben unseren Lesern heute, da wir zum letzten Male mit dem künftig im Untertitel geführten Kopf ,Oldesloer Landbote’ erscheinen, davon Kenntnis, indem wir die
Versicherung abgeben, dass sich natürlich weder in der politischen Linie noch im bewusst heimatgebundenen Charakter der Zeitung irgend etwas ändert. Gleichzeitig hoffen wir zuversichtlich, daß die Leserschaft gerade aus der Tatsache, dass wir mit dem 1. April die neuaufgestellte Rotationsmaschine voll in Betrieb nehmen, abermals noch enger mit Ihrer Heimatzeitung verbunden wird.
Seit dem Wiedererscheinen unseres Blattes nach einer Zeit des Verbots und der Ausplünderung des technischen Betriebes, ist es unser Bestreben gewesen, dem Kreis Stormarn eine Kreiszeitung zu schaffen, die als eine in jeder Hinsicht vollwertige Zeitung nur dem Heimatkreise dient. Seit dem 1. 10. 1949 haben wir zu unseren alten Freunden sehr viele neue Leser hinzugewonnen. Die Treue der alten und neuen Leserschaft hat uns in die Lage versetzt, den Aufbau unverdrossen trotz verschiedener Ruckschläge zu beginnen und zu einem gewissen Abschluß zu bringen. Dafür sind wir dankbar und versprechen, dieses Vertrauen auch fernerhin nicht zu enttäuschen.“

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