Stormarner Wochenschau: Denn sie wissen nicht, was sie tun…

Stormarner Tageblatt  03.04.2021

Denn sie wissen nicht, was sie tun…

Karikatur: Megi Balzer
Karikatur: Megi Balzer

Patrick Niemeier, Stephan Poost und Volker Stolten
Ignoranz
Die Freizeitflächen am Bad Oldesloer Exer sind wieder gesperrt. Und mancher Bürger regt sich über angeblich „unfaire Härte“ auf. Aber nicht ein zu strenger Bürgermeister oder zu harte Regeln tragen die Schuld, sondern allein das Verhalten einiger Nutzer. Es ist Rücksichts- und Sorglosigkeit, die zu der Situation führte. Eine Minderheit, die offenbar denkt (wenn sie überhaupt denkt), dass für sie keine Regeln gelten, hat es dem Rest verdorben. Und jedes Verständnis oder Mitleid ist deplatziert. Vielleicht höchstens im Bezug darauf, dass bei einigen von diesen Egoisten scheinbar bemitleidenswert wenig Licht im Kopf leuchtet.
Es ist auch kein Rebellentum, die Regeln nicht befolgt zu haben. Es ist einfach nur asoziales Verhalten, das sanktioniert wird. Es gibt keine Gründe für Sorglosigkeit momentan. Es waren übrigens Vertreter unterschiedlichster Generationen, die zur Sperrung führten. Es ist oft einfach nur noch zum Fremdschämen.

Solidarität
Kürzlich auf dem Oldesloer Wochenmarkt. Ein Teenager fordert eine Seniorin auf, doch bitte ihre Maske aufzusetzen, diese erwidert entrüstet, dass sie doch geimpft sei (siehe Karikatur). Nun, während Sonderrechte für Geimpfte sowieso ein heißes Eisen sind und moralisch überhaupt nicht vertretbar wären, zeigt sich ein weiteres Problem. Denn monatelang wurde um Solidarität mit Senioren gebeten, die selbstverständlich war und ist. Doch auch in anderen Generationen gibt es Risikogruppen und die Rolle von Geimpften als mögliche Corona-Überträger ist nicht geklärt. Und ehrlich gesagt, selbst als symbolischer Akt, wäre weiter Rücksicht, Abstand und Maske tragen, nicht zu viel verlangt. Die populistisch aufgeblasene Grundrechte-Debatte mancher Mitbürger hilft da auch nicht. Eine Maske ist wirklich ein minimaler Beitrag, das Jammern darüber ein reines Luxusproblem. Die Unversehrtheit des Gegenübers ist auch ein Grundrecht. Also: Maske auf!

Frage des Charakters
Da muss die Empörung groß sein. Betrüger versuchen gegen Bargeld besonders älteren Leuten Impftermine „zu verkaufen“. Natürlich gibt es gegen Bargeld keine Termine, sondern nur eine Erfahrung. Nämlich jene, dass Krisen sowohl besonders gute als auch besonders schlechte Ausprägungen beim Menschen zeigen. So erfreulich die vielen privaten Initiativen sind, die aufopfernde Pflege, die in Krankenhäusern und Altenheimen geleistet wird, so unerfreulich ist es, wenn sich Menschen an den Nöten anderer bereichern. Da muss nicht erst auf Bundestagsabgeordnete geschaut werden, das sind Unternehmer und Steuerberater, die Hilfen erschleichen, zwielichtige Gestalten, die Impftermine gegen Geld anbieten oder andere, die Fake-Shops im Internet eröffnen, die Ware aber nie liefern werden. Charakter hat man oder eben nicht!

Schloss-Klinik
Es war einmal… vor langer Zeit – die Herberge der Glückseligkeit. Ein märchenhaft gelegener Ort, dem sich selbst die Stars und Sternchen, die Prominenten und Politiker nicht entziehen konnten, sich eher sprichwörtlich die Klinke in die Hand gaben. Die Beatles und Bernstein waren da. Kinski und Keira Knightley auch. Curd Jürgens, Sophia Loren oder die Rolling Stones ebenso. Zudem Dichter und Denker wie Matthias Claudius, Friedrich Gottlieb oder Wilhelm von Humboldt. Selbst Bundespräsident Walter Scheel ließ sich seinerzeit verwöhnen. Sie alle und noch einige mehr waren hier – inmitten Stormarns – bestens aufgehoben und gebettet: Auf Schloss Tremsbüttel.
Eine der Topadressen, die man sonst nur aus Hollywood-Filmen kennt. Sechs Jahrzehnte lang traumhafte Kulisse für ein Stelldichein der Stars, für Hochzeiten, Tagungen und Treffen aller Art. Und dann? Dann kam Corona und der Himmel verdunkelte sich. Das Schicksal nahm seinen Lauf, bis zur Einstellung des Hotel- und Veranstaltungsbetriebs: Zukunft ungewiss.
Doch nun gibt es einen Silberstreif am Horizont, in der Form, dass die historischen Hallen nicht vor sich hin bröckeln und zur Ruine werden, sondern – im Gegenteil – weiter Leben beheimaten. Aus dem Märchenschloss wird eine private Akutklinik. Ein Anlaufpunkt für psychisch erkrankte Menschen, die hier wieder Boden unter die Füße bekommen, deren verletzte Seelen wieder auftanken und genesen sollen. Am Ambiente und der Umgebung dürfte es nicht scheitern. Den Patienten, die hier Ende des Jahres erstmals Gast sein werden, ist zu wünschen, dass sie sich wohlfühlen, wie die vielen Promis vor ihnen. So wird hoffentlich auch aus medizinischer Sicht Schloss Tremsbüttel eine Topadresse.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.