Corona-Ostern 2.0 in Stormarn

Stormarner Tageblatt  06.04.2021

Aus der Stille des Vorjahres ist Anspannung geworden und Absagen sind Alltag

Test statt Cocktails: Die Bar Laurent in Oldesloe ist jetzt ein Testzentrum.  Patrick Niemeier
Test statt Cocktails: Die Bar Laurent in Oldesloe ist jetzt ein Testzentrum. Patrick Niemeier

Patrick Niemeier
Bad Oldesloe Wer hätte 2020 gedacht, dass auch Ostern 2021 in einer Art Shutdown-Modus stattfinden muss? Im vergangenen Jahr beobachteten wir die Corona-Atmosphäre rund um das Osterfest in Stormarn und konnten nun die Stimmung vergleichen. Während im Vorjahr die Hoffnung auf ein absehbares Ende der Pandemie beschworen wurde und ein Gefühl von Zusammenhalt den Frust noch überdeckte, hat sich nun einiges verändert. Absagen sind längst normal geworden.
Während vergangenes Jahr um jedes Osterfeier und jede Aktion scheinbar getrauert wurde, ist jetzt nach über einem Jahr Pandemie Gewöhnung eingetreten. Zahlreiche Gottesdienste und Aktionen sind in den digitalen Raum gewechselt.

Flatterband weht am Oldesloer Exer
Es war so in diesem Jahr längst nicht mehr so auffällig, dass die Kirchenvorplätze leer waren, die Ostereier-Suchen in den Parks nicht stattfanden und an das Bild gestapelter Stühle und hochgestellter Tische vor Restaurants hat man sich ebenfalls längst gewöhnt. An den leeren, gesperrten Freizeitflächen am Oldesloer Exer weht das Flatterband im Wind. Wo 2020 aber so manche Stille und Ruhe noch als einmaliges Ereignis, als Möglichkeit der Einkehr und dem Rückzug ins Privat-Familiäre gesehen wurde, ist zum Teil jetzt mehr Anspannung zu spüren.
Spricht man in der Oldesloer Innenstadt am Ostersamstag mit Menschen, so erzählen viele, dass sie müde sind, allerdings in den meisten Fällen viel weniger vom Shutdown an sich, sondern viel mehr vom Schlingerkurs der Regierung, vom langsamen Impftempo und von Querdenkern, die sich an gar nichts halten.
„Warum hat man nicht über Ostern alles zugemacht? Jetzt, wo sowieso Schulferien sind. Zwei Wochen einen echten Lockdown, die Kliniken entlasten, Impfpläne machen und dann langsam hochfahren“, sagt Sabine Mierau, die in der Oldesloer Innenstadt letzte Ostergeschenke besorgte.
Wenn sie höre, dass tausende Querdenker in einigen Städten ohne Mundschutz und Abständen gerade auf die Straße gehen, sei sie nur noch fassungslos. Allerdings sei sie auch in der Oldesloer Innenstadt auf Sorg- und Rücksichtslosigkeit gestoßen. „Wer sich nicht an Rücksicht hält, schlägt uns als Personal in den Krankenhäusern ins Gesicht“, sagt Mierau, die angibt, selbst genau wie ihre Tochter in einer Klinik zu arbeiten. Sie empfehle Maskenverweigerern und Corona-Leugnern mal Praktika in der Pflege.

Schnelltest in der Bar Laurent
Und auch Holger Kahl stimmt ähnliche Töne an. „Solange das mit dem Impfen nicht besser klappt, will ich nichts von Lockerungen oder angeblichen Modellprojekten hören. Ich kann das nicht mehr ernst nehmen“, führt der Senior aus, der selbst noch auf einen Impftermin wartet.
Er sei mittlerweile enttäuscht, wie mangelhaft bestehende Regeln durchgesetzt werden. „Manche Leute haben nach einem Jahr gemerkt, dass kaum Konsequenzen drohen, wenn sie machen, was sie wollen“, sagt er. Wäre die Politik nicht so mutlos gewesen, hätte man kein zweites Corona-Ostern bekommen, ist er überzeugt. Das frustriere ihn schon mittlerweile. Und während vor seinem Restaurant Laurent am Marktplatz in der Kreisstadt die Tische hochgestellt sind und das Ostergeschäft ausfällt, ist das Team rund um Restaurantchef Alessio Zagari in der Bar Laurent ein paar hundert Meter weiter kreativ geworden. Statt Cocktails gibt es dort nun Corona-Tests zum Osterfest.

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