So kann es mit dem Freibad weitergehen

Stormarner Tageblatt  06.04.2021

Bad Oldesloe: Gibt es für Poggensee noch eine andere Lösung als eine unbewachte Badesaison 2021?

Wie geht es weiter im Freibad Poggensee?  Patrick Niemeier
Wie geht es weiter im Freibad Poggensee? Patrick Niemeier

Patrick Niemeier
Bad Oldesloe Wie geht es mit dem Freibad Poggensee in Bad Oldesloe weiter? Nachdem vom Tisch zu sein scheint, dass Personal aus Bargteheide die Saison 2021 retten könnte und der bisherige Beschluss lautet, dass dann nur eine unbewachte Badestelle bleibe, ist eine Sondersitzung eingefordert worden. Die SPD hatte die Initiative ergriffen und Mitstreiter in der Stadtfraktion und bei den Grünen gefunden, die das Ansinnen unterstützen. Es soll nicht bis in den Mai zur nächsten geplanten Hauptausschuss-Sitzung gewartet werden.

Freibad kein Luxus
Denn, wie auch für die Linken-Fraktion, ist es für diese Fraktionen keine gute Lösung, nicht alle Möglichkeiten überprüft zu haben, eine bewachte Saison 2021 in dem beliebten Freibad auf den Weg zu bringen. Das Freibad werde als Teil der Daseinsfürsorge gesehen und sei kein Luxus. „Früher sind meine Kinder einfach so zum Poggensee gefahren. Man hatte auch kein schlechtes Gefühl dabei. Wenn die Badestelle damals unbewacht gewesen wäre, wäre das glaube ich anders gewesen“, sagt Torben Klöhn (SPD). Es müsse alles unternommen werden, um den Status Quo der Vorjahre zu erhalten. Es sei jetzt nicht die Zeit, direkt neue Konzepte auf den Weg bringen zu wollen, war bereits im Ausschuss klargestellt worden, als die Diskussion auszuufern drohte.
Es gehe jetzt nicht darum, was langfristig entstehen könne, sondern wie die Saison 2021 gerettet wird. In der Oldesloer Bevölkerung macht sich immer mehr Unmut breit. Denn in den vergangenen Jahrzehnten sei es immer gelungen, einen bewachten Freibadsommer anzubieten. Die Einrichtung gehört für viele Kreisstädter einfach dazu.
Doch was ist überhaupt in diesem Jahr in quasi letzter Entscheidungsminute noch möglich? Jürgen Fahl, Leiter der Bad Oldesloer Stadtwerke und somit für die Badestelle verantwortlich, gab dem Tageblatt dazu auf Nachfrage Antworten.
Für ihn gebe es noch eine kleine Restchance, dass doch Personal aus Bargteheide ausgeliehen werden könnte. Denn auch wenn die Lokalpolitik in Bargteheide nun doch eine Freibadsaison trotz Sanierungsarbeiten wünsche, müsse die praktische Umsetzung dort ja noch geprüft werden. „Ob das tatsächlich möglich und mit provisorischen Bauten genehmigungsfähig sein wird, wird momentan durch die Stadtverwaltung Bargteheide geprüft“, erklärt Fahl.
Ansonsten würde es – selbst mit einem anders lautenden möglichen Beschluss aus einer Sondersitzung – wenig Hoffnung für eine bewachte Lösung für Bad Oldesloes Freibad geben.
„In Anbetracht der nur noch sehr knappen Zeit bis zum Saisonbeginn kommt aus meiner Sicht eigentlich nur die unbewachte Badestelle in Betracht, wenn eine Kooperation mit Bargteheide tatsächlich nicht möglich ist“, stellt Fahl klar.
Er werde allerdings bei einem ursprünglich interessierten gewerblichen Dienstleister erneut nachfragen, ob dieser noch Bäderpersonal zur Verfügung stellen könnte. Große Hoffnung wolle er da aber nicht machen. Langfristig sei auch der Betrieb durch einen Verein möglich, aber es habe sich diesbezüglich noch keine Initiative gegründet oder gemeldet. Die Zeit ist quasi auch hier abgelaufen, so Fahl. Was feststehe sei aber, dass es die Option nicht gebe, eine Badestelle mit Eintritt als Zugangsbeschränkung, aber ohne Rettungsschwimmer zu betreiben. „Gemäß Badesicherheitsgesetz Schleswig-Holstein vom 22. 6. 2020 muss eine Badeaufsicht gestellt werden, wenn ein Eintrittsgeld erhoben wird“, erklärt Fahl.
Fraglich sei, ob ohne Badeaufsicht der Kiosk und die erst im Vorjahr eingeführte Stand-Up-Paddle-Station geschlossen bleiben müssten. Das müsste eine sowieso notwendige Risikoanalyse und ein Sicherheitskonzept ergeben. Dieses werde aktuell erstellt.

80.000 Euro pro Jahr
Besser sieht es bei Duschen und Umkleiden aus. Auch wenn dieser Bereich ebenfalls noch im Sicherheitskonzept geprüft werden muss, sei es denkbar, dass diese auch an einem unbewachten Strand erhalten werden. Definitiv müssten Toiletten und Abfallbehälter zur Verfügung stehen. Das ergebe sich aus der Badegewässerverordnung.
Auch eine unbewachte Badestelle würde die Stadt Bad Oldesloe laut Fahl eine ganze Stange Geld kosten. Fahl schätzt grob ungefähr 80.000 Euro Kosten pro Jahr.

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