Stormarner Wochenschau: Regenwert, Inzidenz und Stormarntor

Stormarner Tageblatt  10.04.2021

Regenwert, Inzidenz und Stormarntor

Schnelltest-Stationen gibt es mittlerweile an vielen Ecken. Da haben Testwillige die Qual der Wahl.                     Karikatur: Megi Balzer
Schnelltest-Stationen gibt es mittlerweile an vielen Ecken. Da haben Testwillige die Qual der Wahl. Karikatur: Megi Balzer

Patrick Niemeier, Stephan Poost und Volker Stolten
Zahltag
Geld lässt sich ja niemand gerne einfach so aus der Tasche ziehen. Und schon gar nicht in Corona-Zeiten, in denen bei vielen finanzielle Einbußen zum Alltag gehören, wo vieles teurer geworden ist. Aber gerade in diesen miesen Zeiten gehen die Gemeinden Tremsbüttel und Hammoor ihren Bürgern verstärkt an die Geldbörse und erheben erstmalig eine Niederschlagswassergebühr, um ihre eigenen Miesen auszugleichen und einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen zu können. Sie könnten es eh nicht ändern, auch wenn sie es wollten. Denn laut Kommunalabgabengesetz sind sie dazu verpflichtet. Da beißt die Maus nun mal keinen Faden ab!
„Friss Vogel oder stirb“ ist ein weiter Slogan, der hier ins Schwarze trifft. In diesem Fall ist der Vogel der Grundstückseigentümer, der in den sauren Apfel beißen, Mehrkosten von im Schnitt 300 Euro pro Jahr begleichen muss und sich verständlicherweise darüber ärgert. Die Gemeinde erhält einen warmen Regen, während Haus- und Firmenbesitzer finanziell noch mehr im Regen stehen. Na prima!
Es gibt da aber auch ein Trostpflaster: Denn während die Bürger in Tremsbüttel und Hammoor erst dieses Jahr zur Kasse gebeten werden, haben andere in Gemeinden wie Bargfeld, Delingsdorf oder Elmenhorst schon lange ihren Regen-Beitrag geleistet. Also, nicht meckern, wenn ab Montag die Gebühren-Bescheide im Briefkasten liegen. Einfach zahlen! Es gilt das Verursacher-Prinzip. Und Verursacher ist, tja, der Grundstückseigentümer.

Namensgebung
Wer die A7 in Richtung Süden fährt, der kommt nach wenigen Stunden an einen ganz besonderen Autobahnrastplatz. Nach einer Linkskurve öffnet sich die Landschaft zu einem grandiosen Bild: die Alpen. Der dazugehörige Autobahnrastplatz heißt „Allgäuer Tor“. Der Rastplatz ist bekannt, der Blick Richtung Süden auch.
Ähnliches plant jetzt das Unternehmen Euro Rastpark in Stormarn. In Hammoor soll ein Autohof entstehen. Arbeitstitel: Stormarntor. Zugegeben, dem Autofahrer wird sich aus Richtung Süden nicht ein grandioses Panorama eröffnen, die durchaus vorhandenen Schönheiten der Landschaften bleiben zunächst verborgen. Dafür wird er mit modernen Annehmlichkeiten verwöhnt: Kraftstoffe, Gas, Strom und wenn technisch ausgereift, auch Wasserstoff, Lkw-Stellplätze und ein Hotel. Passt irgendwie auch besser zu unserem prosperierenden Kreis Stormarn. Die Schönheiten der Landschaft gibt es noch obendrein, ein wenig versteckt, für die wirklich Interessierten.

Verwirrung
Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass ein Inzidenzwert mal zu einer wichtigen Währung in der Verhandlung um Schließungen und Öffnungen wird. Gemeinsam mit Worten wie Maskenpflicht und Corona-Testzentrum wird er außerhalb der Wissenschaft stellvertretend für die Corona-Pandemie im Wortschatz bleiben. Doch man muss mit dem Inzidenzwert und Statistiken umgehen können. Und daher verwunderte manch freudiger „Jubel“ auch im Blätterwald der vergangenen Tagen. Es müsste eigentlich allen klar gewesen sein, dass weniger PCR-Tests (noch so ein Wort) und Meldungen einen statistischen Wert so beeinflussen, dass er sinkt. Dass da einige dann ein erstaunlich schnelles Absinken tatsächlicher Infektionen rauslesen wollten, ist nach einem Jahr Pandemie mysteriös bis unseriös und Wasser auf Mühlen von eher einfältiger Populisten. Da gleichzeitig negative Coronatests zu einer wichtigen Währung geworden sind, sprießen in den Städten derweil Schnelltestzentren in geschlossenen Geschäften und Bars aus dem Boden.

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