Naturschützer enttäuscht von Verwaltung

Stormarner Tageblatt  13.04.2021

Die Anfragen des Oldesloers Klaus Gräber vom Naturschutzbund Nabu wurden nicht wie gewünscht weitergeleitet

Eigentlich ein guter Draht zur Verwaltung: Dr. Ulrike und Klaus Gräber (links., Nabu), Ulrike Külper (Tiefbauamt), Helge Brauer (Baubetriebshof) und Bürgermeister Jörg Lembke auf einer Insektenwiese im Baugebiet “West“.  Patrick Niemeier
Eigentlich ein guter Draht zur Verwaltung: Dr. Ulrike und Klaus Gräber (links., Nabu), Ulrike Külper (Tiefbauamt), Helge Brauer (Baubetriebshof) und Bürgermeister Jörg Lembke auf einer Insektenwiese im Baugebiet “West“. Patrick Niemeier
 
Bringt sich seit vielen Jahren aktiv ein: Klaus Gräber vom Nabu in Bad Oldesloe.  Susanne RohdeBringt sich seit vielen Jahren aktiv ein: Klaus Gräber vom Nabu in Bad Oldesloe. Susanne Rohde

Patrick Niemeier In Pandemie-Zeiten sollen Menschen möglichst Versammlungen und Kontakte meiden. Daran wollte sich Klaus Gräber vom Naturschutzbund Bad Oldesloe halten. Zumindest war das sein Plan, den er fast ein Jahr lang auch umsetzen konnte. Zuletzt bat der engagierte Naturschützer daher die Stadtverwaltung zu zwei Themenbereichen Fragen und Anmerkungen an den Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss (UEVA) weiterzuleiten. Doch zu seiner Irritation geschah das weder zum Thema Poggensee noch zum Thema Kurpark. „Ich bin sehr enttäuscht, da wir sonst in mehreren Bereichen gut mit der Verwaltung zusammenarbeiten“, sagt Nabu-Mann Gräber. Nach fast einem Jahr habe er daher trotz Befürchtungen rund um die Pandemie den Weg in den Ausschuss persönlich antreten müssen.

Halbherzige Rückmeldung vom Bauamt

Und darum ging es ihm: Am Westufer des Poggensees habe er immer wieder Müllablagerung feststellen müssen. Offenbar werde dort illegal seit Jahren Kompost einfach den Hang hinuntergekippt. Dieses Vorgehen müsse sofort beendet werden und der Kompost entfernt. Denn bei der Verrottung würden Nährstoffe freigesetzt, die in den Poggensee gelangen könnten. Das würde die Gefahr einer Eutrophierung des Poggensee vergrößern. Angesichts dessen, dass jahrzehntelang zum Teil kostspielige Bemühungen angestellt worden seien, die Wasserqualität des Poggensees zu verbessern, sei das ein nicht hinzunehmender Zustand. Bereits im Mai 2020 sei das Bauamt durch den Nabu über die Situation informiert worden. Es sei allerdings außer einer Meldung, dass man sich kümmern werde aber tatsächlich nichts passiert.
Warum gelangte die Nachfrage zu dem Thema aber im Endeffekt nicht in den UEVA? Frank Haase vom Bauamt begründete es damit, dass man sich des Themas ja bereits angenommen habe und daher die Politik nicht aktiv werden müsse. Die Frage ist an dieser Stelle aber natürlich, ob eine Nachfrage eines Bürgers, die explizit an den Ausschuss weitergegeben werden sollte, so gelöst werden könne. „Wir werden das klären müssen, wie es genau dazu kam. Das ist natürlich eigentlich nicht der richtige Weg. Herr Gräber, Sie haben nichts falsch gemacht“, sagte Bürgermeister Jörg Lembke.
Doch ganz zufrieden konnte Gräber mit der Antwort nicht sein, denn auch sein Statement zum Landschaftsschutzgebiet Kurpark sei nicht wie gewünscht auf dem digitalen Weg im Ausschuss gelandet. Daher sei er nun genötigt, doch persönlich in die Bürgerfragestunde zu kommen.
Mit ungefähr 200 Pflanzenarten gehöre das Landschaftsschutzgebiet Kurpark zu den artenreichsten Flächen in und um Bad Oldesloe, führte Gräber aus. Sollte ein Teilbereich für den Neubau am Pflegeheim Riedel aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgelöst werden, so befürchte der Nabu, ein Domino-Effekt oder sogar der Verlust des Landschaftsschutzes für das gesamte Gebiet die Folge sein könnten. Dass diese aus seiner Sicht wichtige Einschätzung für eine Diskussion aus Naturschutzsicht trotz Bitte nicht in den Ausschuss getragen wurde, irritiere ihn sehr. In diesem Fall begründete es die Verwaltung damit, dass das Thema Kurpark und Landschaftsschutzgebiet ja sowieso auf der Tagesordnung gestanden habe. Auch an dieser Erklärung wurde aber deutlich Kritik laut, dass Anfragen von Bürgern nicht so unterschlagen werden könnten. Ob die Politik sich damit befassen wolle, müsse schon der Ausschuss entscheiden.
Wenn der Wunsch bestehe, dass Fragen und Anregungen dem Ausschuss zukommen oder in der Bürgerfragestunde verlesen werden sollen, sei das gerade in der Pandemie-Situation äußerst wichtig. Es obliegt tatsächlich nicht Mitarbeitern einer Behörde die Wichtig- oder Notwendigkeit einer Anfrage einzuschätzen und die Fragen wie in diesem Fall dann zurückzuhalten. Bürgermeister Jörg Lembke sagte zu, die Entstehung dieses „Missverständnisses“ aufzuklären. „Ich halte es für einen Fehler in der Kommunikation“, sagt er.

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