Bad Oldesloe: Eine Straße polarisiert

Stormarner Tageblatt  07.05.2021

Diskussion um Verkehrsregelung in der Hagenstraße ist in einer Nacht- und Nebelaktion beendet worden

Der neue, kleine Zebrastreifen am Marktplatz über die Hagenstraße.  Patrick Niemeier
Der neue, kleine Zebrastreifen am Marktplatz über die Hagenstraße. Patrick Niemeier
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Aus dem Nu wurden über Nacht 10er-Zone-Schilder angebracht.

Patrick Niemeier
Großes Erstaunen bei vielen Passanten in Bad Oldesloe. Zu Beginn der Woche waren plötzlich die Spielstraßen-Schilder in der Hagenstraße verschwunden. Dafür tauchte ein neuer, kleiner Zebrastreifen vom Beer-Yaakov-Weg zum Marktplatz auf. Angekündigt worden war dieser Schritt durch Bürgermeister Jörg Lembke durchaus schon seit Jahren, ebenso lange wurde darüber diskutiert. Denn laut des Verwaltungschefs sei die bisherige Spielstraßen-Regelung überhaupt nicht verkehrsrechtlich zulässig.
Geändert worden sei allerdings jahrelang trotz Kritik aus den Verkehrsbehörden nichts. In einer Straße, die so frequentiert ist, wie die Hagenstraße und in der sogar ein ZOB mit entsprechendem Busverkehr liege, sei es nicht länger möglich eine solche Regelung Aufrecht zu erhalten. Auf den Tisch gekommen war das Thema 2018, als in den politischen Ausschüssen über eine Erneuerung des Pflasters vor dem historischen Rathaus gesprochen wurde, das momentan einem Flickenteppich gleicht. Auch der ZOB soll überplant werde und die Stadtwerke merkten an, dass sie dringende Arbeiten an verlegten Leitungen durchführen müssten.

Erst Gutachten – dann Sanierung
Doch weder der Straßenbelag noch die sonstigen Sanierungspläne konnten in der Folge konkretisiert werden. Aktuell ist erst 2021 ein Verkehrsgutachten auf den Weg gebracht worden, das aus dieser politischen Diskussion entstand, allerdings den gesamten Verkehr in der Kreisstadt unter die Lupe nehmen soll. Erst wenn dieses fertiggestellt sein wird, sollen die Hagenstraßen-Pläne konkreter werden und die Sanierung erfolgen. Zwischenzeitlich gab es sogar schone einen mehrheitlichen, demokratischen Beschluss der Stadtverordneten, wonach der Bereich vor dem historischen Rathaus in eine Fußgängerzone verwandelt werden soll. Der Hauptgrund dafür war aus Sicht zahlreicher Stadtverordneter die Sorge um Fußgänger und Radfahrer, die sich über Jahrzehnte an die Spielstraße gewöhnt hatten.
Dieser Beschluss hatte aber massive Kritik aus der Oldesloer Innenstadt-Geschäftswelt zur Folge, die um eine ihrer wichtigen „Hauptverkehrsadern für Kunden“ bangte. Daher wurde dieses Abstimmungsergebnis wieder aufgehoben und zunächst das bereits angesprochene große Verkehrsgutachten auf den Weg gebracht. In der der Folge dieses Beschluss wiederum verkündete Lembke,es werde dann in Kürze eine 20er-Zone eingeführt werden. Als Kompromiss einigte man sich schließlich auf einer 10er-Zone plus Zebrastreifen. Der Bürgermeister sollte sich allerdings zuvor noch für den Erhalt der Spielstraßenregelung mit einer Sondergenehmigung einsetzen.
Allgemein ging man in der Oldesloer Lokalpolitik mehrheitlich davon aus, dass die Abschaffung der Spielstraße erst mit der Sanierung der Hagenstraße nach der Erstellung des Verkehrsgutachtens erfolgen werde. Dass dieser Schritt nun so plötzlich erfolgte, ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Diese gingen davon aus, dass Bürgermeister Lembke von Anfang an die Beseitigung der Spielstraßen-Regelung verfolgte.
„Freie Fahrt für alle Autofahrer scheint der einzige Gedanke zu sein. Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern werden gar nicht berücksichtigt. Das ist überholt und nicht zeitgemäß“, kritisierte Jens Wieck (CDU) bereits im Verlauf der Diskussion. Auch die Stadtfraktion monierte, dass aus ihrer Sicht der Bürgermeister nie vorgehabt habe, die Spielstraßen-Regelung zu erhalten. Es würde solange gehen, bis Fakten geschaffen seien, glaubte Tom Winter (Stadtfraktion/Familienpartei). Das ist jetzt tatsächlich eingetreten.

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