Stormarner Wochenschau: Pendler, Raser und eine alte Herberge

Stormarner Tageblatt  15.05.2021

Pendler, Raser und eine alte Herberge

Karikatur: Megi Balzer
Karikatur: Megi Balzer

Guido Behsen, Patrick Niemeier und Volker Stolten

Verpendelt
Der Park-and-Ride-Parkplatz am Oldesloer Bahnhof ist beliebt und wird gut genutzt. Eigentlich ja durchaus ein gutes Zeichen, zeigt es doch, dass die Menschen ihren Pkw durchaus immer häufiger stehen lassen und die Bahn nutzen. Im Sinne der häufig zitierten Verkehrswende, die wiederum zum Teil der Wende beim Klimaschutz gehören soll, ist das ja erwünscht.
Doch was, wenn eben dieser Park-and-Ride-Platz der einzige in der Region ist, der noch gratis ist? Dass zukünftig Radler für ihren Stellplatz in Bad Oldesloe im „Radhaus“ zahlen müssen, während die Autofahrer ihren fahrbaren Untersatz kostenlos abstellen dürfen, sei nicht hinnehmbar. Nun soll daher der Park-and-Ride-Pkw-Bereich kostenpflichtig werden. Zahlreiche Nutzer meldeten sich in der Tageblatt-Redaktion und verkündeten, dass sie dann eben gleich mit dem Pkw nach Hamburg und Lübeck fahren werden. Zum Ärger über Unpünktlichkeit und erhöhte Fahrpreise bräuchte man nicht auch noch Parkgebühren.
Und so könnte die ganze Aktion in Sachen Klimaschutz und Mobilität ein Schuss ins Knie sein, denn das Pendeln mit der Bahn wird damit unattraktiver.

Raserei
Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf der Autobahn. Urplötzlich beginnt vor Ihren Augen eine wilde Verfolgungsjagd. Und Sie sind mittendrin. Quatsch, denken Sie, gibt’s doch nur im Film oder ganz weit weg. Denkste. Das gibt’s real und quasi vor der eigenen Haustür. Zumindest auf Stormarner Gebiet – auf der A 24 nahe Grande. Passiert am vergangenen Dienstag, 11. Mai, um 16.45 Uhr.
Polizisten wollten den Fahrer eines schwarzen BMW kontrollieren und machten das durch Haltezeichen deutlich. Da gab’s für den Fahrer kein Halten mehr. Der dachte wohl eher an das Lied von Markus („Ich will Spaß, ich geb’ Gas“) und düste davon. Der Fahrer überholte Lkw reihenweise – auf der Standspur! Doch hinter dem Parkplatz Hahnenkoppel trat der Fahrer – vielleicht aus Einsicht – auf die Bremse und hielt an.
Der entpuppte sich bei der Kontrolle als 16-jähriger Hamburger, der, klar, keine Fahrerlaubnis besaß. Der Jugendliche war aber nicht allein. Im BMW saßen noch drei Leute im jugendlichen Alter, von denen eine den Wagen gemietet hat. Wie konnte das denn funktionieren? Überhaupt: Was hat die Jugendlichen bloß geritten? War es Leichtsinn?
Das Quartett im BMW kann nur froh sein, dass die Raserei so glimpflich ausgegangen ist. Das hätte ganz böse enden können. In dem Fall wären die Jugendlichen wohl ihres Lebens nicht mehr froh geworden. Und die Moral von der Geschicht’, die gibt es nicht. Aber ein Motto, das trifft: „Übermut tut selten gut.“ Außer vielleicht im Film!

Geschichte ohne Zukunft?
Aktuell steht die Jugendherberge in Bad Oldesloe im Fokus – als größtes Impfzentrum im Kreis. Darüber hinaus ist sie ein Teil Stormarner Geschichte, das bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Aber hat sie auch eine Zukunft?
Von „Herausforderungen“ und einem „Sanierungsstau“ spricht Bürgermeister Jörg Lembke. Worte, die nichts Gutes erahnen lassen. Denn die Stadt steckt in der Zwickmühle. Zwar gehören ihr Gebäude und Grundstück, doch für Betreuung und Bewirtschaftung ist per Erbbaurecht das Deutsche Jugendherbergswerk, Landesverband Nordmark, zuständig. Und von dort kommen besorgniserregende Signale. Wie es weitergeht mit der Herberge, die vor allem für Sportler aus mehreren Generationen ein Stück Erinnerung ist, steht demnach in den Sternen. Frühestens im April 2022 soll es dort, wo bis auf weiteres geimpft wird, wieder Übernachtungen geben.
Und überhaupt: Es sei schwer zu prognostizieren, was nach der Pandemie aus dem Standort werde, heißt es vieldeutig aus der Geschäftsführung des Verbandes. Das Bekenntnis der Stadt, wonach die Herberge „für den Tourismus und als Leistungsträger wichtig“ sei, könnte vor diesem Hintergrund am Ende zu wenig sein.

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