Menschen weniger bereit, sich an Quarantäne zu halten

Stormarner Tageblatt  09.12.2021

Corona in Stormarn: Mitarbeiter im Gesundheitsamt müssen sich teilweise wüste Beschimpfungen anhören

Cornelia Espig (v. li.), Dr. Edith Ulferts und Andreas Rehberg müssen sich – wie auch ihre Mitarbeiter – Beschimpfungen anhören. Patrick Niemeier
Cornelia Espig (v. li.), Dr. Edith Ulferts und Andreas Rehberg müssen sich – wie auch ihre Mitarbeiter – Beschimpfungen anhören. Patrick Niemeier

Bad Oldesloe Der Tonfall wird schärfer, die Beschimpfungen und Beleidigungen häufiger und heftiger. Das berichten Mitarbeiter des Gesundheitsamts Stormarn. Sie müssen häufiger die schlechte Nachricht überbringen, dass Corona-Infizierte oder ihre direkten Kontaktpersonen in Quarantäne bleiben müssen und legen auch den Zeitraum fest. Das Verständnis für diese Maßnahme sei aber zuletzt gesunken.
Während für Geimpfte ja aktuell gilt, dass sie nach Kontakt zu Infizierten nicht in Quarantäne müssen, solange sie selbst symptomfrei sind, betrifft dieser Umstand Impfverweigerer härter. Für sie bedeutet der Kontakt zunächst erstmal Quarantäne.
„Da ist der Tonfall schärfer geworden. Es wird auch schon durchaus ganz klar zu uns gesagt, dass man sich an die Regeln und die Auflagen nicht halten werde“, erzählt Cornelia Espig aus dem Corona-Kompetenzteam beim Kreis Stormarn.
„Wir antworten dann ganz klar, dass sich die Betroffenen darauf einstellen müssen, dass sie Besuch bekommen und dass wir die Quarantäne kontrollieren werden“, ergänzt Dr. Edith Ulferts, Leiterin des Fachbereichs Soziales und Gesundheit beim Kreis. Der Frust sei oft auch daher so hoch, weil die Infizierten realisieren, dass das Virus sie nun doch erwischt habe. „Die meisten betroffenen Bürger sind durchaus schon durch die Medien und Informationen gut aufgeklärt und wissen daher – geimpft und ungeimpft – was sie nun erwartet. Da ist bei einigen schon eine große Corona-Müdigkeit und wenig Bereitschaft sich daran zu halten“, erklärt Espig.
Die Kontrollen würden vom Kreis durchgeführt. „Es reicht uns, wenn die Person sich kurz am Fenster zeigt, nachdem wir angerufen haben“, sagt Andreas Rehberg, Leiter des Bereichs „Sicherheit und Gefahrenabwehr“ beim Kreis Stormarn.
Wenn die positiv Getesteten nicht angetroffen werden können, habe es sich in vielen Fällen relativ schnell aufklären lassen. „Es ist dann zum Beispiel so, dass die Infizierten mit einem schweren Verlauf in der Klinik liegen und daher nicht zu Hause sind“, sagt Rehberg.
Nur in seltenen Fälle müsse die Polizei hinzugezogen werden. Das mache der Kreis, wenn es „glaubwürdige Androhungen von Gewalt durch die in Quarantäne befindlichen Personen gibt“. Auch das sei schon vorgekommen. Zumeist bleibe es auch bei den aggressiveren Infizierten bei Beschimpfungen. „Das Team muss sich da schon eine Menge Sachen anhören“, sagt Espig.
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