Stormarn behält Probealarm bei

Stormarner Tageblatt  19.03.2022

Traumatisierte Geflüchtete: Kreis verzichtet nicht aus Gründen der Rücksicht / Funktionstest sei wichtig

Patrick Niemeier

Normalerweise ertönt in manchen Städten und Gemeinden traditionell um 12 Uhr an jedem Sonnabend die Sirene. Flüchtlingshelfer betonten nun, dass sie befürchten, dass der Klang traumatisierte Geflüchtete verängstigen könnte.
Der Kreis Stormarn hat nun beschlossen, trotzdem nicht auf den Probealarm zu verzichten. „Für einige Gemeinden sind die Sirenenalarmierungen der Feuerwehr zwingend notwendig und daher auch die Probealarme zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit notwendig“, teilt Michael Drenckhahn, Sprecher des Kreises Stormarn, mit.
„Der Kreis hat die Flüchtlinge aus der Ukraine, die in den Aufnahmeeinrichtungen des Kreises waren, durch Aushänge informiert, damit der Sinn der Sirenenwarnung nicht missverstanden wird. Die Bürgermeister sind in einer Besprechung mit dem Landrat gebeten worden, ebenfalls analog zum Kreis zu informieren“, teilt die Kreisverwaltung mit. Die Sirenen im Kreis waren unlängst im Fokus der Kritik, weil sie bei einem Probealarm nicht alle funktionierten. Gerade für größere Katastrophen- oder Unwetterlagen wären sie aber für die Warnung der Bevölkerung sehr wichtig. Sie sind elementarer Bestandteil des Katastrophenschutzes.
Feuerwehren in Stormarn hatten zum Teil bereits Postings in mehreren Sprachen auf ihren Social Media Profilen veröffentlicht, die den Einsatz der Sirenen erklären. „Die Freiwillige Feuerwehr wird hier unter anderem über Sirenensignale alarmiert. Beim Ertönen von Sirenensignalen handelt es sich daher um einen Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr wegen eines Brandes, eines Unfalls oder einer allgemeinen Hilfeleistung“, heißt es in dem Statement, das in Stormarn auf Initiative der Freiwilligen Feuerwehr Bargteheide in den sozialen Medien verteilt wurde.

Kreis Herzogtum-Lauenburg verzichtet auf Alarm
Im Herzogtum-Lauenburg verzichtet man derweil auf den regelmäßigen Sirenenprobebetrieb. „Aus Rücksicht auf die aus der Ukraine geflüchteten Menschen sollen zunächst keine Sirenentests erfolgen um keine Verunsicherung bei den teilweise traumatisierten Menschen auszulösen“, teilt Kreissprecher Tobias Frohnert mit.
Kritik regt sich mittlerweile daran, dass ähnliche Rücksichtnahme bei Geflüchteten aus anderen Kriegsgebieten nicht erfolgt seien.

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