Archiv der Kategorie: Presseartikel

Die Bildungskarte kommt

Lübecker Nachrichten   15.09.2019

Die Bildungskarte kommt

Bad Oldesloe. Der nächste Schritt ist getan, die Bildungskarte kommt tatsächlich auch für den Kreis Stormarn. Die Firma Sodexo hat die Ausschreibung gewonnen, jetzt gehe es noch um datenschutzrechtliche Aspekte, berichtete Bad Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke dem städtischen Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss und bezog sich auf eine Mitteilung des Kreises. Start könnte schon am 1. November sein.

„Das ist ein großer Erfolg“, jubelte Cornelia Steinert von der Fraktion der Linken. In einer seltenen Koalition hatte sie zusammen mit Jörn Lucas von der CDU stark dafür gekämpft, dass der Kreis Stormarn die Bildungskarte nach jahrelanger Debatte endlich einführt. Mit der Karte können Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets vergünstigt Bildungsangebote wahrnehmen (Sportverein, Volkshochschule). Während andere Kreise die Bildungskarte längst ganz unbürokratisch eingeführt haben, verwies die Stormarner Kreisverwaltung immer wieder auf datenschutzrechtliche Bedenken. Mithilfe des stellvertretenden Landrats Joachim Wagner (CDU) gelang es schließlich vor etwa einem halben Jahr, das Projekt auf den Weg zu bringen.

Mit der Karte und dem damit verbundenen Online-Abrechnungssystem soll es nun einfacher werden, Anträge und Bewilligungen abzuwickeln. Auch jetzt können weniger begüterte Familien Anträge bei der Kommune oder dem Jobcenter stellen zum Beispiel auch auf Unterstützung beim Mittagessen oder Schulbedarf; das Prozedere sei jedoch recht kompliziert, hieß es immer wieder. In 2018 wurden laut Kreisverwaltung 2795 Anträge bewilligt.

Viele Familie wüssten gar nicht von dem Angebot, sagt Cornelia Steinert. Sie fordert daher den Kreis auf, noch besser über das Bildungs- und Teilhabepaket zu informieren. Am Dienstag debattiert darüber der Sozialausschuss des Kreises (19 Uhr, Kreisverwaltung). mc/dvd

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Wird das Travebad zu einem Fass ohne Boden?

Lübecker Nachrichten   14.09.2019

Schlechte Nachrichten aus dem Travebad: Die Sanierungskosten steigen erneut, da nun auch das Planschbecken undicht ist – Mehrkosten: 130 000 Euro

Das Oldesloer Travebad: Die Sanierung wird jetzt noch teurer. Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Neue Hiobsbotschaft im Umwelt-, Energie und Verkehrsausschuss: Wie Werkleiter Jürgen Fahl von den Stadtwerken Bad Oldesloe mitteilte, wird die Sanierung des Travebades um weitere 130 000 Euro teurer als in der Ausschuss-Vorlage vorgesehen. Zu dem notwendigen Austausch der nur wenige Jahre alten Pilotprojekt-Filteranlage seien Undichtigkeiten im Planschbecken dazu gekommen, führte Fahl zum Investitionsplan der Stadtwerke Bad Oldesloe für 2020 aus. Insgesamt werden nach aktuellem Stand dieses und nächstes Jahr rund 825 000 Euro in die neuerliche Sanierung der Oldesloer Schwimmhalle gesteckt.

Fahl erläuterte, dass sich in dem Planschbecken so starke Undichtigkeiten ergeben hätten, dass es mittlerweile sogar zu Wassereintritt im Kellergeschoss komme. Der Aufbau und die Abdichtung des Planschbeckens müssten erneuert werden. Hinzu kommt im Zusammenhang mit der Filteranlage eine Spülwasserrückgewinnungsanlage. Fahl konnte den Politikern auf Nachfrage allerdings nicht versprechen, dass dies das Ende der Fahnenstange sein werde.

Was die Ausschussmitglieder besonders ärgerte: Die Schäden an der Wasseraufbereitung sind nur fünf Jahre nach der letzten, etliche Millionen teuren Sanierung der Oldesloer Schwimmhalle aufgetreten. „Ich kann es nicht mehr nachvollziehen“, platzte es aus Andreas Lehmann (CDU) heraus. Von 2011 bis 2014 waren unter anderem auch die technischen Anlagen der Badewasseraufbereitung erneuert worden. Bei Wartungsarbeiten an den Anlagen wurden dann erneut Undichtigkeiten an den Membrankassetten festgestellt.

Im Juni war im Hauptausschuss noch von 170 000 Euro für die Sanierung der Filter von Kreislauf 2 in den Herbstferien 2019 plus 330 000 Euro für die Filtersanierung des Kreislaufes 1 im Sommer 2020 die Rede. Drei Monate später sind die geschätzten Filteraustausch-Kosten einschließlich Spülwasseraufbereitungsanlage für 2020 im Investitionsplan bereits von 330 000 auf 530 000 Euro angestiegen. Mit der Abdichtung des Planschbeckens für 100 000 Euro und 25 000 Euro Betriebs- und Geschäftsausstattung für das Travebad beträgt die Investitionssumme für 2020 sogar 655 000 Euro.

In dieser Summe sind die von Fahl angekündigten weiteren 130 000 Euro allerdings bereits enthalten. Zählt man die 170 000 Euro aus diesem Jahr hinzu, kommt man auf neue Sanierungskosten fürs Travebad in Höhe von mehr als 800 000 Euro. Ein Anstieg von rund 300 000 Euro in nur drei Monaten.

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Der Wert der Bildung

Stormarner Tageblatt  14.09.2019

Streit um die Stadtbibliothek im Ausschuss – wie viel Geld darf eine Bildungseinrichtung kosten?

Beliebter Treffpunkt und wichtiger Bildungsort: Die Bad Oldesloer StadtbibliothekNie
Beliebter Treffpunkt und wichtiger Bildungsort: Die Bad Oldesloer StadtbibliothekNie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die Bad Oldesloer Stadtbibliothek ist ein echter kultureller Treffpunkt in der Kreisstadt. Eine Bildungseinrichtung auf die man – auch wegen immer wieder guter Platzierungen bei Vergleichen und Wettbewerben – stolz sein kann.

Im Jahr erzeugt dieses Angebot allerdings knapp über 659.000 Euro Kosten. Dem entgegen stehen Erlöse von knapp 126.400 Euro. Die Stadt Bad Oldesloe musste also 2018 rund 533.000 Euro in die Einrichtung investieren. Den größten Anteil schluckt dabei das Personal, das mit über 300.000 Euro zu Buche schlägt.

Jede Stunde kamen 2018 im Schnitt 59 Besucher in die Bibliothek. Ein minimaler Rückgang mit Blick auf 2017, der sich auch in den Ausleihen aus den über 42.000 verfügbaren Medien niederschlägt. Statt 285.492 (2017) wurden im vergangenen Jahr „nur“ 274.941 Medien ausgeliehen. Gleichzeitig stieg die Zahl der aktiven Leser aber an.

Erwachsene über 18 Jahren zahlen für die Nutzung im Jahr aktuell 15 Euro. Genau da setzte im Bildungs- Sozial- und Kulturausschuss die Kritik an. „Das entspricht einem Kostendeckungsgrad von nur 19,18 Prozent. Das sollten wir uns anschauen, ob wir da nicht etwas machen“, sagte Birgit Wieck (CDU). „Wir haben das Angebot immer weiter erweitert , die Gebühren fassen wir aber nicht an, das verstehe ich nicht“, so Wieck weiter.

Torben Klöhn (SPD) entsetzte dieser Vorschlag. „Ich muss hier wohl meinen jährlichen Text aufsagen, den ich leider mittlerweile schon monatlich erklären muss: die Bibliothek gehört zur Daseinsversorgung und wir würden sagen, dass dieses Bildungsangebot kostenlos sein müsste“, sagte der Sozialdemokrat. „Wir haben einen defizitären Haushalt. Der Landesrechnungshof hat uns einen Auftrag gegeben, etwas zu ändern mit Blick auf die Gebühren“, so CDU-Finanzexperte Andreas Lehmann.

Tatsächlich hatte der Landesrechnungshof in seinem Bericht angeregt, die Gebühren für Erwachsene nicht auf 20 Euro im Jahr zu erhöhen „Ich lese da nur, dass der Landesrechnungshof eine Idee vorschlägt“, so Klöhn. Er ärgerte sich, dass aus Richtung CDU und FBO neuerdings immer wieder der Hinweise auf einen defizitären Haushalt käme und man bei sozialen und kulturellen Einrichtungen über den Rotstift oder Beteiligungserhöhungen nachdenke. „Sie haben mit Ihrer Abschaffung der Straßenausbaubeiträge ein Loch in den Haushalt gerissen, um die Rechte von Hausbesitzern zu stärken. Jetzt wollen Sie mehr Geld von Menschen, die eine Bildungseinrichtung besuchen“, schimpfte Klöhn. „Ich kann es nicht mehr hören. Uns wird hier jetzt ständig vorgeworfen, wir hätten den Haushalt beschädigt, nur weil wir eine Ungerechtigkeit behoben haben“, so Amelie Strehl (FBO).

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Oldesloe: Neuer Eintrag im Goldenen Buch

Lübecker Nachrichten   14.09.2019

Hoher Besuch aus Israel: Beer Yaacovs Bürgermeister mag die Kleinstadt-Atmosphäre

Beer Yaacovs Bürgermeister Nissim Gozlan trug sich ins Goldene Buch. Rechts Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke.   Foto: Carstens

Bad Oldesloe. Heide Simonis steht drin, Björn Engholm, Julia Görges. Und nun auch Nissim Gozlan. Der Bürgermeister von Bad Oldesloe Partnerstadt Beer Yaacov trug sich am Mittwoch im Rahmen eines dreitägigen Besuchs in das Goldene Buch der Stadt ein.

„Das Zentrum ist sehr lebendig geworden“, sagte Nissim Gozlan. Besonders beeindruckt zeigte sich die israelische Delegation vom Kultur- und Bildungszentrum (KuB), das bei ihrem jüngsten Besuch vor sieben Jahren noch gar nicht stand. Und das beste: Die Oldesloer Kultureinrichtung steht im Beer-Yaacov-Weg, zu dessen Einweihung wiederum die Israelis damals gekommen waren.

„Ich mag diese Kleinstadt-Atmosphäre. In Beer Yaacov haben wir viele Hochhäuser“, sagte Gozlan beim Eintrag ins Goldene Buch und lobte das Engagement von Brigitte und Hartmut Jokisch. „Sie halten die Städtepartnerschaft lebendig.“ Während Bad Oldesloe langsam wächst, ist Beer Yaacov förmlich explodiert. Von 7000 Bürgern im Jahr 1987 stieg die Zahl der Einwohner auf mittlerweile 100 000. Aus vier Kitas wurden 91.

Und die Stadt rund 15 Kilometer von Tel Aviv entfernt will weiter wachsen, plant unter anderem ein großes Sportzentrum und wietere Wohneinheiten für rund 20 000 Menschen. Das geschieht auch mit staatlicher Unterstützung. Rund eine Milliarde Euro bekam Beer Yaacov für sein Wachstum von der israelischen Regierung.

„Eine sehr beeindruckende Entwicklung“, stellte auch Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke fest, der von solchen Fördermitteln nur träumen kann. Dafür erhielt er von seinem Pendant eine Einladung für das Jahr 2020 nach Israel. Dann soll es dort ein Treffen mit allen israelisch-deutschen Partnerstädten geben.

Wenn es nach den beiden Verwaltungschefs geht, soll vor allem der Jugendaustausch intensiviert werden. „Es ist wichtig, dass sich auch die jüngere Generation beteiligt“, sagt Gozlan.

Während er und seine Begleiter noch weiter durch Deutschland reisen, freut man sich in der Kreisstadt schon auf den nächsten Besuch: In zwei Wochen kommt eine Delegation aus der palästinensischen Partnerstadt Jifna.mc

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Betrachtungen zum Wochenausklang: Von Bier, Bowle und Bildung

Stormarner Tageblatt  14.09.2019

Stormarner Wochenschau

Von Bier, Bowle und Bildung

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier und Stephan Poost

Verbesserungswürdig Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Das trifft zu einem kleinen Teil auf das 1. Bier- und Genussfest in der Kreisstadt zu. Anstatt die Chance zu nutzen und Brauer und Musiker aus Stormarn zu gewinnen, kommt der Veranstalter mit einer Crew, die dieses Format schon erfolgreich in Norderstedt durchgeführt hat. Ohne das Fest jetzt schlecht zu reden – alle Gastronomen verdienen eine Chance, genau wie die Musiker, die ja nichts dafür können, gebucht worden zu sein – aber dem Fest hätte mehr Lokalkolorit sehr gut getan. So bleiben die Stormarner Musiker, Brauer und Gastronomen nur Zaungäste, müssen draußen bleiben und auf das 2. Bier- und Genussfest mit einem anderen Veranstalter oder Konzept hoffen.

Von gestern Bleiben wir doch beim Thema. Es wird auf dem besagten Fest auch einen Stand mit Bowle und Aperol geben. „Damit wir auch Angebote für Frauen haben“, heißt es vom Veranstalter, vertreten durch eine Dame. Diese Begründung ist tatsächlich sowas von gestern, gibt es doch viele Frauen, die ein frisch gezapftes Bier zu schätzen wissen und auch „echte Kerle“, die mal Bowle trinken.

Über Gestern Über Parties und Konzerte vergangener Zeiten möchte eine Gruppe lokaler Musikfans im besten Alter am 2. Oktober im „Old Esloe“ diskutieren. Da wird dann dem „Central Cafe“ gedacht, in dem Ende der 1960er Beatbands auftraten. Rund um die Diskussion über das Event kam auch wieder ein Lamentieren auf den Tisch, das lautete: guck mal, früher war viel los, heute ja fast gar nichts mehr. Spannend ist dabei, dass Zeitzeugen von damals berichten, dass die Wahrnehmung einiger Nörgler schon damals so war und dass sie sich 1969 so irrten wie 2019. Stormarn und seine Kreisstadt haben ein umfangreiches Kultur-, Kunst- und Konzertprogramm. Man muss es nur kennen und nutzen. Wenn einem etwas fehlt, gibt es sehr viele Möglichkeiten es selbst auf die Beine zu stellen. Das galt 1969 und das gilt 2019.

Bildungsort Was darf Bildung kosten? Was darf Kultur kosten? Wie misst man den Erfolg einer Bildungseinrichtung? Wie jedes Jahr ist eine Diskussion über die Gebühren für Nutzer der Oldesloer Stadtbibliothek aufgekommen. Was passiert, wenn man bei Bildungs- und Kulturangeboten spart, zeigt sich in manchen Wahlergebnissen. Wer verantwortungsvoll für die Zukunft handelt, als Lokalpolitik ermöglicht allen Bürgern Zugang zu Bildung und Kultur. Das ist wichtig für das Miteinander, für gelungen Integration und zeigt langfristige Erfolge.

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