Neue Kirchenglocke ertönt alle 15 Minuten

Stormarner Tageblatt  29.05.2020

Die alte Viertelstundenglocke der Peter-Paul-Kirche ist verrostet und musste jetzt ersetzt werden

Die  Viertelstundenglocke hängt an der Ostseite desTurms.
Die Viertelstundenglocke hängt an der Ostseite desTurms.Rohde
Die neue Kirchenglocke wurde vor der Peter-Paul-Kirche nach einer kleinen Feier von Pastor Diethelm Schark geweiht. Rohde
Die neue Kirchenglocke wurde vor der Peter-Paul-Kirche nach einer kleinen Feier von Pastor Diethelm Schark geweiht. Rohde

Susanne Rohde Bad Oldesloe Fünf Glocken hängen in der Peter-Paul-Kirche, und die kleinste ist auch die älteste. Die so genannte Viertelstundenglocke, die vier Mal in der Stunden geschlagen wird, ist uralt und inzwischen stark verrostet. „An der Glocke nagte der Zahn der Zeit. Es war notwendig geworden, sie zu ersetzen, bevor sie uns vor die Füße fällt“, so Pastor Diethelm Schark, Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Mit einer kleinen Zeremonie vor dem Gotteshaus wurde die neue Glocke eingeweiht und auf den Turm gehievt.

Die alte Glocke aus Stahl befand sich in einer kleinen Nische auf der Ostseite des neugotischen Kirchturms, während die vier anderen Glocken seit 1957 im Turm von Peter-und-Paul hängen. Wie lange die kleine Glocke dort schon hängt, weiß niemand, es könnten aber weit mehr als 100 Jahre sein. Der Turm wurde 1864 an das Kirchenschiff angebaut, vorher saß eine Glocke auf dem Dachreiter.

„Man darf nicht einfach eine neue Glocke kaufen und aufhängen. Es gibt nämlich Glockensachverständige, die darüber entscheiden. Unser Antrag wurde aber schnell genehmigt“, berichtet Pastor Diethelm Schark. Im Dezember wurde die Glocke in der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Herborn gegossen, sozusagen unter den Augen einer kleinen Abordnung des Oldesloer Kirchengemeinderats. Die neue Bronzeglocke wiegt „nur“ 136 Kilogramm und kostete 9200 Euro. Sie trägt die Aufschrift „Meine Zeit steht in deinen Händen“.

Gestern morgen wurde die neue Glocke, die keinen Klöppel hat, angeliefert und von vielen Gästen in Augenschein genommen. Eine Glockenweihe sei schon etwas ganz Besonderes und zudem sehr selten. „So nah kommen wir der Glocke nie wieder“, sagte Pastor Schark, der die kurze Feier gestaltete und die Glocke unter dem Geläut ihrer vier „großen Schwestern“ segnete. „Glocken sind wie wir Menschen, es gibt große und kleine, alte und junge, laute und leise“, so der Pastor. Diese hier sei klein und ihr Klang im Ton „Es“ werde nach Pfingsten zu jeder Viertelstunde zu hören sein. Die Glocke wird von einem Hammer geschlagen, der mit dem Uhrwerk verbunden ist und ebenfalls noch ausgewechselt wird. Ihr Läuten ist ein reines Zeitläuten, während die anderen Glocken nach einer Läuteordnung ihr liturgisches Läuten erklingen lassen.

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Spannende Arbeit „im Untergrund“

Stormarner Tageblatt  29.05.2020

Celina Höffgen ist die neue Archivarin der Stadt Bad Oldesloe und seit Anfang April im Amt

Stadtarchivarin Celina Höffgen sucht nach Unterlagen in der Rollregalanlage des Stadtarchivs,  das sich im Untergeschoss des Stadthauses befindet. Susanne Rohde
Stadtarchivarin Celina Höffgen sucht nach Unterlagen in der Rollregalanlage des Stadtarchivs, das sich im Untergeschoss des Stadthauses befindet. Susanne Rohde

Susanne Rohde Bad Oldesloe Archive – sind das nicht diese staubigen, dunklen Kellerräume, wo haufenweise alte Akten, Dokumente, Bücher und sonstiger Papierkram aufbewahrt werden? Und Archivare haben doch eher das Image, ältere und etwas kauzige Typen zu sein, die stundenlang in irgendwelchen Schränken und Kisten herumkramen. So viel zu den Vorurteilen. Celina Höffgen widerlegt sie alle. Die junge Frau ist sportlich, sympathisch und voller Elan – und ihr großer Berufswunsch war es, Archivarin zu werden, weil sie die Arbeit einfach spannend findet. Als Nachfolgerin von Dr. Sylvina Zander, die 25 Jahre lang Archivarin der Kreisstadt war und (wie berichtet) kürzlich in Rente ging, hat Celina Höffgen natürlich recht große Fußstapfen zu füllen. Doch die junge Frau ist zuversichtlich und optimistisch, dass ihr das gelingen wird.

D er Start war stressig und etwas chaotisch, weil er genau in die Corona-Zeit fiel. „Mein erster Arbeitstag war deshalb im Home-Office“, erzählt die 30-Jährige, die an der Uni Potsdam Archivwissenschaften studierte und erst Ende März ihre mündliche Prüfung ablegen konnte. Anfang April saß sie dann endlich zum ersten Mal in ihrem Büro im Stadthaus. „Es ist ein schwieriges Unterfangen, sich im Stadtarchiv zurecht zu finden und die Abläufe dort kennenzulernen“, gesteht die junge Archivarin, die jetzt in Hamburg wohnt und täglich mit Bus und Bahn in die Kreisstadt pendelt.

Vor dem Studium absolvierte Celina Höffgen an der Fernuni in Hagen, wo sie auch geboren wurde und aufwuchs, eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste im Archiv. „Ich war die allererste, die dort diese Ausbildung gemacht hat“, sagt Celina Höffgen. Anschließend arbeitete sie im Stadtarchiv in Kamen, wo sie alle Arbeitsabläufe von der Pike auf kennenlernte. „Das hat mir großen Spaß gemacht, aber ich habe es mir erst mal nicht zugetraut, ein Archiv zu leiten“, so die junge Frau. Deshalb absolvierte sie noch einige Praktika, zum Beispiel im Krupp-Archiv in Essen, dem ältesten deutschen Unternehmensarchiv moderner Prägung, sowie im Landeskirchlichen Archiv in Bielefeld. Das Highlight aber war ein Praktikum im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, dem bundesweit ältesten Literaturarchiv mit einem Gesamtbestand von rund fünf Millionen Blatt. „Es war ein tolles Gefühl, einen Original-Brief von Goethe in den Händen halten zu dürfen“, erinnert sie sich.

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Lokalpolitik bremst Privatinvestor aus

Stormarner Tageblatt  29.05.2020

Lokalpolitik hat für Teile des neuen Gewerbegebiet Süd-Ost eine Veränderungssperre beschlossen

Die Bauarbeiten für das Amazongebäude schreiten weiter voranNiemeier
Die Bauarbeiten für das Amazongebäude schreiten weiter voran  Niemeier

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Das privat vermarktete Gewerbegebiet Süd-Ost ist wohl das meist diskutierte Baugebiet im Kreis. Mit großen Erwartungen ausgestattet, entwickelte es sich für den privaten Investor zum Erfolg – und für die Stadt Bad Oldesloe zu einer Mischung aus Ärgernis und Enttäuschung.

Der Grund: Obwohl die Lokalpolitik – bevor der Investor ersten Ansiedlungsverträge abschloss – darauf aufmerksam machte, dass man sich auf dem Areal keine Logistiker und Lager oder prekären Arbeitsplätze wünsche – trat genau dieses Szenario ein. Die erste im vergangenen Jahr groß angekündigte Ansiedlung war das Auslieferzentrum des Internet-Giganten „Amazon“. Ein Unternehmen, das gerade für den Umgang mit seinen Mitarbeitern in der Logistik sowie für die Verhältnisse bei den Subunternehmen, die die Auslieferung durchführen, weltweit immer wieder deutlich in der Kritik steht.

Bis heute hat die Lokalpolitik sich nicht an den Gedanken gewöhnt, dass Amazon dort in einen „hässlichen Schuhkarton“ einziehen wird – so FBO-Politiker Matthias Rohde. Die politisch Verantwortlichen der Stadt wissen allerdings, dass sowohl die Erschließung als auch das Bauvorhaben in der bestehenden Form juristisch nicht anfechtbar sind.

Kaum war der erste Schock verkraftet, wurde erneut der Wunsch an den Grundstücksentwickler herangetragen, dort fortan keine weiteren Logistiker oder ein Lager dort anzusiedeln. Doch prompt kam die zweite Ankündigung: Die Asklepios-Kliniken bauen ein Zentrallager. Spätestens zu diesem Zeitpunkt reichte es auch den Anwohnern aus Rethwischfeld. Sie machten gegen das Gewerbegebiet im Ausschuss mobil, beklagen zunehmenden Verkehr, befürchten, dass vor ihren Häusern immer mehr Fahrzeuge parken,es zunehmend Lärm und Lichtsmog geben würde.

Das fordert die politischen Gremien heraus. Jetzt sucht man nach Möglichkeiten, den Grundstücksentwickler in seiner Ansiedlerauswahl beeinflussen zu können. Die bereits beschlossenen Bauvorhaben könne man zwar nicht mehr aufhalten, denn bei erzwungener Rückabwicklung drohen Schadensersatzforderungen. So ist man versucht, sich mit den ungeliebten Lagerhäusern zu arrangieren.

Eine Konsequenz hat Bürgermeister Jörg Lembke bereits verkündete: Man werden nie wieder eine Gewerbegebietserschließung durch einen privaten Grundstücksentwickler zulassen. In Zukunft solle der Partner wieder ausschließlich die Wirtschafts-Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) sein. Die bisherigen Ansiedlungen seinen „für Bad Oldesloe als Stadt im Prinzip nur eine teure Tasse Tee“.

Die Lokalpolitik hat jetzt in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung außerdem die Chance ergriffen, für die noch nicht erschlossenen Flächen eine Veränderungssperren auszusprechen, damit die Planung nicht wie bisher weitergeht.

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Oldesloer Politik hilft Innenstadt-Händlern

Stormarner Tageblatt  28.05.2020

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt Erlass von Sondernutzungsgebühren

Die Lokalpolitik  möchte den Einzelhändlern in der Fußgängerzone  nach dem „Lockdown“ auf die Beine helfen. Niemeier
Die Lokalpolitik möchte den Einzelhändlern in der Fußgängerzone nach dem „Lockdown“ auf die Beine helfen. Niemeier
Kampagnenplakat: Nicole Brandstetter in der Innenstadt.Nie;Kampagnenplakat: Nicole Brandstetter in der Innenstadt.Nie

Nicole Brandstetter in der Innenstadt.Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die notwendigen Corona-Schutzmaßnahmen führten im zeitweiligen „Lockdown“ dazu, dass auch in Bad Oldesloe Gastronomen und Geschäfte schließen mussten. Doch die Sondernutzungsgebühren für diese Zeit waren bereits bezahlt. Bedeutet: Obwohl sie in dieser Zeit die angemieteten Flächen vor ihren Geschäften nicht nutzen konnten, war die Nutzung bereits bezahlt. Aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung ein Umstand, der nicht fair ist, gerade, wenn man sieht, in welche prekäre Lage manche Geschäfte und Gastronomen wirtschaftlich gerieten.

Nachdem die Maßnahmen aktuell gelockert werden konnten, weil die Fallzahlen gesunken sind und die Zahl der Neuinfektionen momentan kaum noch ansteigt, haben die Geschäfte wieder geöffnet. Auf Antrag der Wirtschaftsvereinigung beschäftigte sich die Stadtverordnetenversammlung mit dem Antrag rückwirkend auf Sondernutzungsgebühren für das Jahr 2020 zu verzichten. Es geht hierbei laut Verwaltung um rund 20 000 Euro.

Einstimmiges Votum

Die Marktbeschicker zahlten zudem 3000 Euro. Zwar konnte der Markt am Mittwoch und Sonnabend auch im Lockdown durchgängig öffnen, doch nach Einschätzungen der Wirtschaftsvereinigung kam es trotzdem zu Einnahmeeinbrüchen. Einstimmig sprach sich im Endeffekt die Lokalpolitik dafür aus, die entsprechenden Gelder nun an Einzelhändler, Gastronomen und Marktbeschicker zurückzuführen.

Allerdings wäre es ein großer Aufwand, gezahlte Gebühren rückabzuwickeln, gab Bürgermeister Jörg Lembke zu bedenken. Daher sollen die Gelder in diesem Jahr einmalig als Wirtschaftsförderung in Höhe der entsprechend bereits entrichteten Gebühren ausgeschüttet werden können.

„In der Zeit der Krise sind solche Hilfen von elementarer Bedeutung“, zeigte sich Nicole Brandstetter (Foto) von der Wirtschaftsvereinigung erfreut über die Entscheidung.

Möglich soll es auch sein, dass die Stadtverwaltung Veranstaltern Gebühren erlässt oder weniger Gebühren erhebt, die noch 2020 Events in der Stadt durchführen können. An der Beschränkung entzündet sich leichte Kritik. Denn die Event-Branche wird auch 2021 und 2022 mit den Folgen der Situation zu kämpfen haben, so dass auch in den Folgejahren Verzicht oder Abstriche bei Nutzungsgebühren notwendig wären, wenn man sich nicht eine Ungleichbehandlung unterschiedlicher Veranstalter vorwerfen lassen möchte. Ob es überhaupt dieses Jahr noch größere Events geben kann, ist mit Blick auf eine prognostizierte, mögliche zweite Corona-Welle mit einem möglichen zweiten Lockdown im Herbst oder Winter sowieso fraglich.

Für viele Event-Organisatoren gilt das Jahr 2020 sowieso schon als verloren. Bis 31. August sind Großveranstaltungen eh verboten. Und wer vernünftig ist, verzichtet wohl auch danach auf Menschenansammlungen.

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Der Müll der Anderen

Stormarner Tageblatt  27.05.2020

Seit Wochen wird zwischen Bürgerpark und Exer jede Menge Unrat abgeladen / Aufgeräumt und entsorgt wird nicht

Autoreifen, Matratzen, Altkleider und Möbelstücke: Illegaler Müllplatz zwischen Bürgerpark und Jugendfreizeitstätte.Nie
Autoreifen, Matratzen, Altkleider und Möbelstücke: Illegaler Müllplatz zwischen Bürgerpark und Jugendfreizeitstätte.Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Wie man auf die Idee kommen kann, seinen Müll einfach ignorant und illegal in der Öffentlichkeit zu entsorgen, bleibt schleierhaft.

Seitdem die Altkleider- und Papiercontainer am Bürgerpark in Bad Oldesloe abgezogen wurden, hat sich dort eine kleine, illegale Müllhalde entwickelt. Und die lässt sich durchaus nicht nur damit erklären, dass frustrierte Bürger aus Wut über die entfernten Container einfach die Dinge hinterlassen haben, die eigentlich in jenen Containern hätten entsorgt werden sollen.

Denn für Tische, Matratzen und Autoreifen war hier auch vorher schon nicht der richtige Ort. Doch Tag für Tag, Woche für Woche wird der Stapel größer, der durchaus in Sachen Brandschutz und auch mit Blick auf Hygiene im öffentlichen Raum eine Gefahr darzustellen ist. Doch entfernt wird der Müll offensichtlich nicht. Die Stadtverwaltung hat das Geschehen zwar nach eigener Aussage im Blick, verweist aber darauf, dass es hier ein schwebendes Verfahren gebe, wer denn nun zuständig sei, wie Stadtsprecherin Agnes Heesch mitteilte. Man selbst sieht sich offenbar nicht in der Verantwortung.

Fakt ist: Mitte April mussten die Kleidercontainer im Stadtgebiet auf politischen Beschluss hin entfernt werden (wir berichteten). Am Bürgerpark gehörten diese der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH). Bei der Entfernung der Altkleidercontainer setzte man auch gleich quasi in einem Rutsch die Papiercontainer um.

„Im Zuge des Abzugs der Altkleider-Container haben wir an diesem Standort auch die Altpapier-Container abgezogen. Diese stehen jetzt an anderen Standorten im Stadtgebiet. Damit hat sich die Anzahl der zu nutzenden Altpapiercontainer in Bad Oldesloe nicht geändert. Solche Veränderungen finden im Rahmen von Standplatzoptimierungen – zum Beispiel, wenn es immer wieder zu Verunreinigungen kommt oder ein Standplatz aus anderen Gründen nicht geeignet ist –, auch in anderen Kommunen statt“, so AWSH-Sprecher Olaf Stötefalke. Dass dort, wo zuvor die Container standen, nun illegal Papier, Kleidung und anderer Müll entsorgt werde, sei nicht das Problem seines Unternehmens. „Für die Entsorgung illegal abgelagerter Abfälle auf öffentlichen Flächen einer Kommune ist letztlich die jeweilige Verwaltung zuständig“, sagt Stötefalke. Die Stadtverwaltung gab auf mehrfache Nachfrage dazu kein Statement ab.

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