Mit den Senior-Trainern spielend Deutsch lernen

Lübecker Nachrichten    01.10.2015

Neues Angebot in der Oldesloer Stadtbibliothek will Migranten einen Treffpunkt bieten

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Es geht nicht um Futur II oder Plusquamperfekt. Auch die korrekte Aussprache spielt eine untergeordnete Rolle. Beim Projekt „Dialog in Deutsch“, das die Stadtbibliothek Bad Oldesloe jetzt gemeinsam mit den Senior-Trainern der Kreisstadt für Flüchtlinge und Migranten anbietet, steht die Kommunikation und der zwischenmenschliche Austausch im Vordergrund.

„Wir wollen nicht in Konkurrenz zu bestehenden Kursangeboten treten, sondern eine Ergänzung darstellen“, erklärte denn auch der federführende Senior-Trainer Holger Dünnes bei der Präsentation des Projekts, das es in dieser Form auch in Stadtbibliotheken in anderen Städten bereits gibt. Ziel sei es, mit den Migranten ins Gespräch zu kommen und sie mit der hiesigen Kultur vertraut zu machen. Bei den Treffen gehe es locker zu, es werde gespielt oder über aktuelle Themen diskutiert.

Zwölf Freiwillige, die bereit sind, die Gesprächsrunden zu betreuen, haben sich schon zusammen gefunden. Die Männer und Frauen aus Bad Oldesloe haben bereits in bestehenden Dialog-Gruppen in einer Hamburger Bibliothek hospitiert, um Anleitung bei der Umsetzung des Projekts zu bekommen.

Einschlägige Erfahrungen bringen aber auch schon Nils von Appen und Greta Petersen mit. Sie gehören der Jugendgruppe Arandela an und engagieren sich auch in der Lübecker Flüchtlingsinitiative Walli. Sie waren gewissermaßen die ersten in der Stadt, die ein solches Treffen für junge Migranten auf bürgerschaftlicher Ebene ins Leben gerufen hatten. „Wir haben eine AG in der Ida-Ehre-Schule eröffnet und dort im März mit einem ersten Sprachkurs begonnen. Zu Beginn haben wir uns mit Diktatheften und Bildwörterbüchern beholfen“, berichtete Nils von Appen. Ihm zufolge schwankt die Teilnehmerzahl im Kurs. An der offenen Gruppe nähmen bis zu 20 junge Menschen im Alter zwischen 19 und 30 Jahren teil.

Die Gesprächszirkel von Arandela werden auch parallel weiterlaufen, wenn das Dialog-Projekt der Senior-Trainer am 13. Oktober beginnt, damit alle Altersgruppen in der Stadt gut betreut sind. Den Ablauf von Dialog in Deutsch betreffend, gibt es schon einige konkrete Ideen. So kündigte Holger Dünnes an, dass es zum Auftakt eine kleine Vorstellungsrunde geben solle und die Teilnehmer dann je nach ihren Grundkenntnissen der deutschen Sprache in Gruppen aufgeteilt werden sollen. „Wir wollen alle ermutigen zu sprechen. Willkommen sind Menschen unabhängig von Bildungsstand, Nationalität und Aufenthaltsstatus. Bei uns sind auch Japaner gern gesehen, um ein Beispiel zu nennen“, sagte der Senior-Trainer. Das Angebot sei zudem kostenlos.

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Ballettstudio bald unter einem Dach mit der Musikschule

Lübecker Nachrichten    01.10.2015

Die beiden Oldesloer Einrichtungen freuen sich auf eine fruchtbare Zusammenarbeit

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Wenn kleine Ballettratten im Tutu über die Bühne hüpfen, hat das schon manchem erwachsenen Oldesloer Tränen der Rührung entlockt. Die gute Botschaft ist, dass Kinder und Jugendliche auch künftig in der Kreisstadt klassischen und modernen Tanz erlernen können. Die Musikschule für Stadt und Land hat sich entschlossen, die bislang privat betriebene Ballettschule Lingua Quieta zu übernehmen.

„Ich hatte mich mit dem Gedanken getragen, ganz aufzugeben“, erzählt Katharina Gutzeit. Sie hat in der Ballettschule, die sie seit nunmehr zwölf Jahren führt, einst selbst das Tanzen erlernt . Die Arbeitsbelastung aber sei sehr groß und dies mit dem Familienleben schwierig zu vereinbaren. Nachdem nun der Verein der Musikschule für Stadt und Land beschlossen habe, die Ballettschule als weitere Sparte aufzunehmen, sei die Schließung abgewendet.

Darüber zeigte sich auch Musikschulleiter Alireza Zare hoch erfreut. Er erinnerte daran, dass es schon vor zwei Jahren eine erfolgreiche Kooperation zwischen Musik- und Ballettschule sowie der Reinfelder Grundschule gegeben habe. „Das hat sehr gut funktioniert. Wir hatten eine unglaublich tolle Aufführung“, schwärmt Zare. Als er gehört habe, dass Katharina Gutzeit schließen wolle, sei er deshalb sofort tätig geworden, um den Vorschlag der Übernahme zu unterbreiten. Im Verein hätten sich auch alle positiv dazu geäußert.

Wenn die Ballettschule ab Januar 2016 unter dem Namen der Musikschule firmiert, werde sich dies nach außen hin nicht bemerkbar machen, sagen Zare und Gutzeit. Die Gebühren oder sonstigen Bedingungen blieben gleich, außer dass die Buchführung nun über die Musikschule laufe und sich Schüler künftig an derem Standort in der Königstraße anmelden müssen. „Das entlastet mich ungemein.
Ich habe dann wieder Zeit für die eigentliche künstlerische Arbeit“, sagt die Tanzlehrerin.

Ändern wird sich aber dennoch einiges. „Wir können das Angebot an der Ballettschule professioneller im Verbund organisieren und somit den Standort unserer Schule insgesamt stärken“, sagt Alireza Zare. Das Modell, Tanz und Musik zu kombinieren, werde in vielen anderen deutschen Städten mit großem Erfolg praktiziert. „Das wird ein riesiger Schritt sein. Alle werden davon profitieren“, ist sich der Schulleiter sicher.

Zurzeit laufen an der Ballettschule 170 Kurse für Bewegungsfreudige im Alter zwischen vier und 60 Jahren. Neben Katharina Gutzeit stellen vier Honorarkräfte den Unterricht sicher. Während letztere den Bereich Klassisches Ballett abdecken, konzentriert sich die Chefin des Hauses eher auf modernen und freien Tanz. „Beides wird bei uns aber gleichwertig gelehrt“, sagt Katharina Gutzeit.

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Keine Parallelstrukturen

Stormarner Tageblatt    01.10.2015

Erster Runder Tisch in Oldesloe will Angebote und Nachfragen in der Flüchtlingshilfe koordinieren

Bad Oldesloe

Hilfsangebote für Flüchtlinge – da läuft es noch nicht rund in Bad Oldesloe. Diakonie und Q8 hatten deshalb zum ersten Runden Tisch eingeladen, und der Saal im Bürgerhaus war mit 50 Leuten gut gefüllt. „Das System legt sich selber lahm, wenn hundert Mal die gleiche Frage beantwortet werden muss“, schildert Maria Herrmann (Q8) das Problem und Kirstin SchwarzKlatt (Diakonie) machte es konkret: „Es kommen immer mehr Menschen zu uns, die Kleidung spenden wollen. Dafür haben wir als Beratungsstelle überhaupt keine Möglichkeiten.“ Schlimmer noch, wenn Kolleginnen die Frage der Kleiderspende beantworten, ist die Telefonleitung blockiert und es geht Arbeitszeit verloren. „Wir müssen unsere Kernaufgabe – die Erstberatung von Flüchtlingen – machen“, bedauert SchwarzKlatt.

„Wie kriegen wir die Flüchtlinge zu den Angeboten? Was haben wir schon alles? Wo fehlt etwas?“, formulierte Maria Herrmann die zentralen Fragen des Abends. Angebot und Nachfrage sollen zukünftig über eine Liste oder Datenbank schnell abrufbar sein. Vereine und Organisationen konnten dazu im Vorwege mit ihrer Anmeldung bereits Angaben machen. Das war natürlich längst nicht alles. Immer mehr Kärtchen wurden an die Wände gepinnt: Sprachpaten werden gesucht, Fußballtrainer, Räume und vieles mehr. Kirstin SchwarzKlatt ist zuversichtlich: „Bad Oldesloe muss sich nicht verstecken. Es gibt viele tolle Angebote.“ Daraus folgte auch eine klare Warnung von Maria Herrmann: „Wir dürfen keine Parallelstrukturen aufbauen.“ Also keine Kleiderspenden nur für Flüchtlinge. Mit Kleiderkiste und BrawoKaufhaus gebe es bereits etablierte eingespielte Einrichtungen auf diesem Gebiet. Mit anderen Angeboten sei es ähnlich. Ulrike Tyrell erläuterte für die Tafel beispielsweise, dass der Verein inzwischen an sieben Tagen in der Woche Lebensmittel „für Menschen in Not“ verteile.

Und wie kommen Angebot und Nachfrage nun zusammen? „Eine 1:1-Vermittlung können weder Q8 noch die Diakonie leisten“, stellte Maria Herrmann klar. Die Stelle für einen hauptamtlichen Koordinator bei der Stadtverwaltung sei zwar von der Politik bewilligt, könne aber voraussichtlich nicht vor März kommenden Jahres besetzt werden. So lange, da waren sich alle einig, darf nicht gewartet werden.

Eine Alternative sehen die Organisatorinnen des Runden Tischs in so genannten „Hotspots“ – Treffpunkte, die möglichst flächendeckend überall in der Stadt eingerichtet werden müssten. Der „Kaktus“ von Karin Hoffmann in der Hagenstraße sei eine erste solche Anlaufstelle, die SchanZe mit ihrem „Kiek mol in“ dienstags eine weitere. Maria Herrmann berichtet von ihren Erfahrungen: „Man konnte erst nicht miteinander reden, aber zusammen Schach spielen.“ Daraus ergeben sich dann Anknüpfungspunkte, Vorurteile würden „en passant abgebaut“. „Von Ihnen als Initiativen wird abverlangt, mal zu solchen Treffs zu gehen“, machte Herrmann klar. So könnten beispielsweise Sportverein und sportliches Kind oder zukünftiger Trainer am einfachsten zueinander finden. Selbstverständlich müssten in den Hotspots auch aktuelle Versionen der Liste ausliegen.

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Sprache lernen bei Tee und Keksen

Stormarner Tageblatt    01.10.2015

Auch in Bad Oldesloe wurde jetzt eine Gruppe „Dialog in Deutsch“ gegründet / Mitstreiter und Flüchtlinge sind willkommen

Bad Oldesloe

Für Flüchtlinge und Migranten engagieren sich auch in der Kreisstadt viele freiwillige Helfer und Ehrenamtler. Jetzt gibt es mit „Dialog in Deutsch“ ein neues Angebot – für Migranten und ehrenamtlich Interessierte gleichermaßen. Die Stadt unterstützt das Projekt auch finanziell mit bis zu 1200 Euro pro Jahr für die Aufwendungen von Infrastruktur, Sachmitteln, Fahrkosten zu den Fortbildungen und Bewirtung.

Das Projekt „Dialog in Deutsch“ wurde in den Hamburger Bücherhallen konzipiert und ist inzwischen eine gesetzlich geschützte Marke der Bücherhallen Medienprojekte gGmbH. Dahinter verbirgt sich das Erlernen und Üben der deutschen Sprache in lockerer Runde und freundlicher Atmosphäre, und zwar ausschließlich in den Bibliotheken des Landes.

Hier haben Migranten und ihre ehrenamtlichen Betreuer einen geschützten Ort, um sich auszutauschen und die deutsche Sprache zu trainieren. In den Bibliotheken ist auch immer entsprechendes Lehrmaterial vorhanden. In der Ahrensburger Stadtbücherei gibt es bereits seit einem Jahr eine DialogGruppe. Nun haben die SeniorTrainer der Volkshochschule zusammen mit der Oldesloer Gruppe „Arandela“ (Linke Initiative Oldesloe) und der Diakonie auch in der Oldesloer Stadtbibliothek das Projekt „Dialog in Deutsch“ gegründet.

Das erste Treffen findet am Dienstag, 13. Oktober, um 16 Uhr in der Stadtbibliothek statt. Das Konzept ist denkbar einfach: Flüchtlinge und Migranten, die Deutsch lernen oder üben wollen, kommen zu festen Zeiten in die Stadtbibliothek. Dort werden sie von ehrenamtlichen Helfern bei ihren Bemühungen unterstützt, Deutsch zu sprechen und zu trainieren.

Das Angebot ist kostenlos, man muss sich auch nicht anmelden. Die Helfer werden zunächst als Gruppenleiter in den Hamburger Bücherhallen oder der Ahrensburger Bücherei geschult. Auch das ist kostenlos. Bisher haben zwölf Ehrenamtliche dieses Angebot wahrgenommen. „Uns eint, dass wir kontaktfreudig und neugierig sind“, betont Holger Dünnes. In der Stadtbibliothek steht der Veranstaltungsraum im 1. Stock für die Treffen zur Verfügung. Hier bieten einige junge Leute der Gruppe Arandela bereits seit März ein ähnliches Projekt für Jugendliche an.

Jetzt tut man sich mit den SeniorTrainern und der VHS zusammen, um noch mehr Migranten zu erreichen. „Bisher kamen bis zu 20 Migranten, manchmal aber auch gar keine“, fasst Nils von Appen die Resonanz auf die Sprachförderung der LinkenInitiative für politische Bildung zusammen. Eine freundliche und angenehme Atmosphäre mit Getränken und Keksen sei wichtig, damit die Flüchtlinge ungezwungen lernen und reden könnten, findet Holger Dünnes von den SeniorTrainern, der die Koordination des Projektes übernommen hat.

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Haus Riedel will bei St. Jürgen einsteigen

Lübecker Nachrichten    30.09.2015

Der Verkauf des Oldesloer Alten- und Pflegeheimes soll bis Jahresende abgeschlossen werden

Von Michael Thormählen

Bad Oldesloe. Die Partner sind sich während der bisherigen Verhandlungsrunden, in denen es um die Übernahme des Oldesloer St.-Jürgen-Hospitals geht, schon sehr nahe gekommen. „Die Gespräche laufen sehr offen“, betonte der Oldesloer Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (CDU), der auch Vorstandsvorsitzender der St.-Jürgen-Stiftung ist. „Die Verhandlungen sind gut“, zog Janina Riedel ein erstes Fazit. Die Stiftung möchte, dass die Riedel-Pflegeheime zum Jahreswechsel die Regie im St.-Jürgen-Hospital übernehmen.

Der Stiftungsvorstand, dem neben Rainer Fehrmann vier weitere Kommunalpolitiker von CDU, SPD, FBO und Grünen angehören, hatte sich für den Verkauf des von der Stiftung betriebenen gleichnamigen
Alten- und Pflegeheimes entschieden, nachdem das Hospital in eine finanzielle Schieflage geraten war. Für notwendige Investitionen, um aktuelle Bestimmungen des Brandschutzes zu erfüllen, müssten rund 400 000 Euro ausgegeben werden.

Im Pflegebereich leben zurzeit 39 Senioren. Dazu kommen 13 Plätze im angrenzenden Wohnbereich. „Aber sechs sind davon nicht belegt“, erläuterte Rainer Fehrmann. Nach Darstellung des Stiftungsvorstandes haben vor allem die hohen Investitionen für die Wohnungen dazu geführt, dass die gesamte Anlage nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne.

Verhandelt wird nach Angaben von Rainer Fehrmann über alle Gebäude, die sich noch im Eigentum der
St.-Jürgen-Stiftung befinden – also über Pflegeheim, Wohnungen und Villa. Als Grundlagen bei den Verkaufsgesprächen liegen, so der Vorstandsvorsitzende, auch die zuvor erstellten Gutachten auf dem
Tisch, die einen Wert des gesamten Vermögens vermittelten. Über Summen wollte Fehrmann noch nichts sagen, denn die Verhandlungen seien nicht abgeschlossen. Der Käufer müsse sich allerdings auch
bereit erklären, die Brandschutzauflagen „schnellstmöglich“ zu erfüllen. „Außerdem gibt es im Pflegeheim einen Investitionsstau“, meinte der Vorstandsvorsitzende.

Auf jeden Fall solle vereinbart werden, dass die älteren Menschen weiterhin am Kirchberg wohnen könnten. Darüber hinaus sollten die Mitarbeiter – im Hospital sind rund 30 Personen beschäftigt – von dem künftigen Betreiber übernommen werden. „Das ist allerdings eine ganz spezielle Angelegenheit. Hier geht um einem Wechsel aus dem öffentlichen Dienst zu einem Arbeitgeber im privaten Bereich. Da spielt die Altersvorsorge eine wichtige Rolle“, erläuterte Rainer Fehrmann. Auf Seiten der St.-Jürgen-Stiftung nehmen deshalb nicht nur Vorstandsmitglieder an den Verhandlungen mit der Familie Riedel teil. Die Interessen von St. ürgen werden auch von der Hamburger Anwältin Dr. Sylvia Hacke vertreten.

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