Ohrfeige, Schmierereien und mehr

Stormarner Tageblatt   12.03.2016

Stormarner Wochenschau

ST-Woschau-2016-03-12Ohrfeige Das ist doch eine schallende Ohrfeige. Da wähnt sich der Stiftungsvorstand von St. Jürgen auf der Zielgraden, der Verkauf des verlustbringenden Altenheims soll nach monatelangen Verhandlungen beim Notar besiegelt werden. Es ist gewissermaßen schon alles angerichtet, um den Vertragsabschluss gemeinsam zu feiern. Schon lange stand fest, dass die RiedelGruppe St. Jürgen kaufen soll. Sie stehe für die „Oldesloer Werte“ wurde von Stiftungsvorstand Rainer Fehrmann immer wieder betont. Und dann kommt kurz vorher eine Mail mit der Absage. Was für eine Klatsche! Ein paar Bits und Bytes, ein mal der SendenKnopf gedrückt und einige hundert Jahre Geschichte verwandeln sich in einen Scherbenhaufen.

Wenn man einen Notartermin macht, dann hat man doch eigentlich alles geklärt und will das jetzt nur noch zu Papier bringen. Was muss es da auf beiden Seiten für grandiose Fehleinschätzungen gegeben haben. Zu unterstellen, sowas passiere eben, wenn Amateure die Geschicke eines mittelständischen Unternehmens lenken – nein, das trifft es wohl in diesem Fall nicht, denn wer das zweifelhafte Vergnügen hatte, die vom Vorstand verpflichtete Juristin mal in action zu erleben … nein, daran wird es nicht gelegen haben.

Aber jetzt rächt es sich, dass der Vorstand von Anfang an nur auf ein Pferd gesetzt hat. Beharrlich wurde sich allen Alternativen widersetzt. Mit Mike Pitz wurde ein anderer Oldesloer Pflegeheimbetreiber als Verhandlungspartner links liegen gelassen, und der runde Tisch seitens der Stadt wurde regelrecht ignoriert. Es sei ja alles schön und gut, was dort diskutiert werde, aber für St. Jürgen keine Option, weil die Zeit fehle. Was für eine grandiose Fehleinschätzung. Hätte sich die Stiftung diese Zeit genommen, dann gäbe es jetzt vielleicht eine Alternative. Rainer Fehrmann spricht zwar von „Rückfallebene“, aber woraus soll die denn noch bestehen? Allen Mitbewerbern hatte man bislang zu verstehen gegeben, dass sie unwürdig sind, und jetzt auf einmal sollen sie die „Oldesloer Werte“ hoch halten. Wenn es nicht so traurig wäre, würde man vermutlich in schallendes Gelächter ausbrechen. Zumal jedem klar sein muss, dass der Stiftung finanziell das Wasser nicht nur bis zum Hals, sondern vermutlich schon höher steht.

Schmiererei Als es darum ging, medienwirksam das KeinPlatzFürNeonazisSchild ans Rathaus zu schrauben, war Bürgermeister Tassilo von Bary an vorderster Front dabei. Jetzt wurde die als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzte Schule am Kurpark mit NaziSymbolen beschmiert. Hätte man da nicht erwarten können, dass der VerwaltungsChef höchstpersönlich zu Lappen und Putzmittel greift? Angesichts der bevorstehenden NaziDemo in der Stadt wäre das ein wichtiges Symbol gewesen: Solcher Ideologie überlassen wir hier in der Stadt nicht einen Quadratmillimeter. Die Realität sah leider anders aus. Morgens gemeldet, waren Hakenkreuz und SSRunen abends immer noch an den Scheiben. Erst am nächsten Morgen wurden sie entfernt. Schade.

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KuB: Oldesloer Schülerinnen suchen einen passenden Namen

Lübecker Nachrichten   11.03.2016

Das Ästhetische Profil der Ida-Ehre-Schule wird zur Ideenschmiede

Von Dorothea von Dahlen

LN-KuB-2016-03-11Die Schülerinnen aus dem Ästhetischen Profil der Ida-Ehre-Schule begutachten das Oldesloer Kultur- und Bildungszentrum. Foto: von Dahlen

Bad Oldesloe. „Hier möchte ich keine Fenster putzen müssen“, sagt Sarah Hühne. Mit einem Anflug von Besorgnis betrachtet die 18-Jährige die weit ausladende Glasfront des Gebäudes, so als messe sie in Gedanken ab, wie viel Tage, ja Wochen es dauern würde, die Scheiben zu reinigen. „Ganz schön imposant für Bad Oldesloe“, urteilt wiederum Evilyn Greiner (18) beim Anblick der verspiegelten Fassade des neuen Kultur- und Festspielhauses.

Wie die anderen jungen Frauen vom Ästhetischen Profil der Ida-Ehre-Schule wollen sich auch die beiden einen Eindruck von dem Gebäude verschaffen, das im September feierlich eröffnet werden soll. Eine zwingende Voraussetzung, um einen geeigneten Namen für die Begegnungsstätte zu finden. Denn den will die Stadt in einem öffentlichen Wettbewerb ermitteln lassen. Bislang war stets vom KuB die Rede, wenn es um das neue kulturelle Zentrum der Stadt ging.

Die Idee, diese Aufgabe im Unterricht anzugehen, entstand bei einer Umfrage der LN in der Fußgängerzone. Zu den angesprochenen Passanten gehörten nämlich auch die Schülerinnen Laura Bartscheerer und Mary Panzer. Mit einer zündenden Idee konnten die beiden nicht gleich aufwarten. Sie schlugen aber vor, im Kunstunterricht darüber nachzudenken.

„Das könnte ein motivierender Auftrag sein“, reagierte Kunstlehrerin Mirjam Rohde spontan. Sie war gleich Feuer und Flamme, das Projekt mit ihren Schülerinnen anzugehen, befassen sie sich doch im Ästhetischen Profil derzeit mit der Entwicklung von Signets, Markenzeichen und anderen Elementen, den Wiedererkennungswert eines Produkts zu steigern beziehungsweise ihm ein ganz bestimmtes Image zu verleihen.

Zurück im Kunstraum versuchen die Schülerinnen nun, sich an einen passenden Begriff für das Kultur- und Bildungszentrum heranzutasten. Viel wissen sie noch nicht über die Funktion und spätere Nutzung der Immobilie. Das herauszufinden gehört ebenso zu ihrer Vorrecherche wie der optische Eindruck, um den Namen zu finden, der wie Topf auf Deckel passt.

Als sie hören, dass dort Volkhochschule und Musikschule, der Verein Klangstadt, die Oldesloer Bühne und der städtische Fachbereich Kultur später Mieter sind, es aber auch ein öffentliches Haus sein soll, sagt Marlis Goliasch: „Den Namen KuB finde ich gar nicht schlecht. Er klingt frisch und kommt bei jungen Leuten gut an, weil sie ja dazu neigen, alles abzukürzen.“ Laura Bartscheerer stimmt grundsätzlich zu, gibt aber zu bedenken, dass die ausgeschriebene Form mit den Begriffen Kultur und Bildung nicht besonders ansprechend und eher langweilig wirkt. „Man müsste die Buchstaben neu interpretieren. Kreativ und bunt hört sich doch viel besser an“, sagt sie. Der Vorschlag, einen englischen Namen zu wählen, findet keine Zustimmung. Das Ausweichen auf eine andere Sprache sei keine elegante Lösung, wenden andere Schülerinnen ein.

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Breites Bündnis bereitet Gegendemo vor

Lübecker Nachrichten   10.03.2016

Gewerkschafter, Lokalpolitiker und Initiativen wollen rechtem Aufmarsch in Bad Oldesloe etwas entgegensetzen

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Über einen Monat ist es noch hin bis zum Aufmarsch rechtsgerichteter Gruppierungen in Bad Oldesloe. Aber schon stehen die verschiedensten Interessengruppen in den Startlöchern, um ihnen Paroli zu bieten. Die angestammten Mitglieder des Bündnisses gegen Rechts waren jetzt selbst erstaunt, wie viele neue Gesichter sie in ihrer Runde am Dienstagabend begrüßen konnten.

„Einen solchen Andrang hatten wir noch nie, wenn es jetzt auch ein trauriger Anlass ist, Flagge zu zeigen“, sagte Alt-Gewerkschafter Walter Albrecht. Er hat zu einer Gegendemonstration für den 16. April aufgerufen und dabei schon Unterstützung vom DGB-Kreisvorsitzenden erhalten. Neonazis, Rassisten und Demokratiefeinde dürften in Bad Oldesloe keinen Platz haben, fordert Heiko Winckel-Rienhoff. Es könne nicht sein, dass Kollegen mit Migrationshintergrund Angst haben müssten, durch Bad Oldesloe zu laufen. Deshalb sei es wichtig, dass sich möglichst viele Bürger sowie Mitglieder aus Parteien, Sozialverbänden, Gewerkschaften und Initiativen dagegen stellten.

LN-BGR-Nordmann-2016-03-10„Bad Oldesloe soll kein Spielfeld für die rechte Szene werden.“  Mathias Nordmann, CDU-Vize-Ortsvorsitzender Bad Oldesloe

Erste Ideen, wie sich das abspielen könnte, trugen die Bündnismitglieder bereits zusammen. Im Großen und Ganzen soll es an mehreren Stellen der Stadt Kundgebungen, Musik, Stände, Straßenfeste und andere Unternehmungen geben. „Wir wollen ein buntes Spektrum zeigen. Dass wir Solidarität von außerhalb bekommen, ist deshalb superwichtig“, sagte etwa Hendrik Holtz (Linke).

LN-BGR-Schonvogel-2016-03-10„Ich halte s für möglich, dass wir Zustände bekommen wie 1933.“ Karin Schonvogel, Bad Oldesloe

Wer hinter der Facebook-Seite steht, auf der unter dem Motto „Volkswillen umsetzen“ zum Aufmarsch in Bad Oldesloe aufgerufen wird, blieb indes noch unklar. Die Genehmigungsbehörde des Kreises wahre darüber absolutes Stillschweigen, hieß es. Doch Tim Kiefer vom Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Lübeck, den Albrecht als Kenner und Beobachter der Neonazi-Szene eingeladen hatte, legte nahe, dass es sich um ein NPD-Ratsmitglied aus Neumünster beziehungsweise einen Aktivisten aus dem rechten Lager handele, der vor einigen Jahren zu sogenannten Trauermärschen anlässlich der Bombardierung Lübecks im LN-BGR-Linke-2016-03-10Bad

„Oldesloe ist bunt und nicht braun. Deshalb gehen wir auf die Straße.“ Ismail Romeogullari, Linke

Zweiten Weltkrieg aufgerufen hatte. Einige Besucher der Bündnis-Sitzung waren damals offenbar unter den Gegendemonstranten und berichteten, mit welch eindrucksvollen Aktionen die Lübecker den ungebetenen Gästen immer wieder die Stirn geboten hatten.

Kiefer zerstreute auch die Zweifel daran, dass es sich bei den Demo-Organisatoren tatsächlich um Rechtsradikale handelt. „Die Facebookseite enthält klassische Neonazi-Propaganda und ist mit eindeutig rechtsextrem eingestellten Personen verlinkt“, erklärte er.

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Süßes Paradies: Ein Laden voller Schokoladen öffnet in Oldesloe

Lübecker Nachrichten   10.03.2016

25-Jährige will in Deutschland 18 Geschäfte mit belgischen Köstlichkeiten einrichten.

Von Dorothea von Dahlen

LN-Schoko-2016-03-10Monika Savickaite bietet Verlockendes aus Schokolade, Pistazien, Marzipan und anderen Zutaten. Foto: dvd

Bad Oldesloe. Ein Leben ohne Schokolade ist möglich, aber eigentlich sinnlos. Dieses leicht abgewandelte Bonmot des Humoristen Loriot ist Monika Savickaite gewissermaßen ins Stammbuch geschrieben. Die süße Köstlichkeit hat für die gebürtige Litauerin schon immer eine zentrale Rolle gespielt – seit sie denken kann. Ihre Augen leuchteten stets, wenn das Silberpapier knisterte und Mama einen Riegel von der Tafel abbrach. Diese Leidenschaft hat die 25-Jährige jetzt endgültig zu ihrem Beruf gemacht. Sie eröffnet heute ein Schokoladengeschäft mit kleinem Café in der Oldesloer Innenstadt.

Kaum hatten ihre Helfer gestern das Ladenschild an der Heiligengeiststraße angebracht, wollten schon die ersten Neugierigen eintreten. Doch Monika Savickaite hatte noch viel vorzubereiten. Immerhin galt es, eine Auswahl der insgesamt 60 verschiedene Sorten Pralinen- und Schokoladensorten sowie diverse Kuchen dekorativ zu platzieren und alles für den heutigen Start herzurichten.

„Unsere Familie betreibt bereits eine Fabrikation belgischer Schokolade in Litauen. Und das hier ist mein erstes Baby“, sagt die junge Unternehmerin lachend und blickt sich in ihrem Café um. Romantisch-antik beschreibt sie den Stil. „Die Leute sollen sich hier wohl fühlen. Ein Spa für die Seele soll es sein“, erklärt die Geschäftsfrau, die noch viel vorhat. Insgesamt 18 Filialen will sie in ganz Deutschland nach und nach eröffnen. Weitere Niederlassungen in Ratzeburg, Mölln und auch Hamburg stehen schon auf ihrer Liste.

LN-Schoko1-2016-03-10Besucher willkommen: das neue Geschäft in der Innenstadt. Foto: mt

Dass ihre Premiere nun in Bad Oldesloe steigen wird, ist kein Zufall. Die junge Frau kennt sich aus in der Kreisstadt, hat sie doch hier ein Jahr die Schule am Masurenweg besucht und natürlich die deutsche Sprache erlernt. Sie kehrte anschließend zwar mit den Eltern nach Litauen zurück, inzwischen lebt Monika Savickaite aber wieder in der Region – genauer gesagt in Berkenthin. Das Schokogeschäft in Bad Oldesloe wird sie zunächst selbst führen, bis es gut läuft und sich dann neuen Projekten zuwenden. Unterstützt wird sie von ihrem Vater, der bereits seit langem mit Schokolade handelt und im Im- und Exportgeschäft zu Hause ist. Doch was wäre eine Eröffnung ohne ein richtiges Fest? Das soll zu Ostern steigen. Dazu will Monika Savickaite auch kleine aus Marzipan geformte Kunstwerke präsentieren, die in der Littauer Konfiserie hergestellt wurden.

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Gehbehinderte können Poller per Handy absenken

Lübecker Nachrichten   09.03.2016

Im Oldesloer Bau- und Planungsausschuss ging es um die Ausnahmen des Fahrverbots in der Fußgängerzone

Bad Oldesloe. Dass die Poller zum Abriegeln der Oldesloer Fußgängerzone kommen, ist gewiss. Ob es Ausnahmen gibt und wer vom Passierverbot ausgenommen wird, ist vielen nicht klar. Das wurde jetzt auch im Bau- und Planungsausschuss deutlich.

Ute Toffolo-Röder vom City-Taxi erkundigte sich, ob ihre Wagen nicht einmal mehr während der Lieferzeiten über die Hude fahren dürften. „Gerade Ältere, die schlecht laufen können, trifft das hart. Ich finde, der menschliche Aspekt ist verlorengegangen“, sagte sie. Die Zufahrt sei für alle, die eine Schwerbehinderung mit Kennzeichen G hätten, während der Lieferzeiten möglich, korrigierte Ausschuss-Vorsitzende Maria Herrmann (SPD). Auf den Einwand, dass es Menschen gebe, deren Grad der Behinderung für diesen Ausweis nicht reiche, die aber dennoch schlecht laufen könnten, fügte sie hinzu, dass sich dies mit dem Attest eines Arztes regeln lasse.

Diese Verfahrensweise bestätigte auch Fachbereichsleiter Thomas Sobczak. In solchen Fällen bekomme die berechtigte Person eine Handynummer, mit deren Hilfe sich der Poller direkt ansteuern und automatisch absenken lasse. Ein Patient könne also dem Taxi nach seinem Arztbesuch die Zufahrt zur Praxis ermöglichen.

Auf die Frage, wie Handwerker oder auch Umzugsunternehmen in die Fußgängerzone gelangen, erklärte Thomas Sobczak, dass die Verwaltung den Firmen für die Dauer ihrer Arbeit auf Antrag einen Transponder aushändige, mit dem die Sperren geöffnet werden könnten. Rettungsdienst und Feuerwehren hätten selbstverständlich auch freie Zufahrt, die zentral von der Leitstelle aus gesteuert werde. Nicht zu vergessen sei, dass es auch Anwohner gebe, die unbedingt zu ihren Parkplätzen gelangen müssten.

Auf die besorgte Frage, wie die Poller reagieren, wenn zur Schließzeit gerade noch ein Auto darüberrollt, erklärte Bauamtsleiter Thilo Scheuber, dass es vor und nach den Sperren Induktionsschleifen gebe, die das Absenken so lange aussetzten, bis das Fahrzeug die Fußgängerzone verlassen habe.

Ein anderes Problem lasse sich durch Poller hingegen nicht lösen, waren sich die Ausschussmitglieder einig. „Das ist das rigorose Verhalten der Radfahrer. Was könnte man da tun?“, fragte Uwe Rädisch (CDU) in die Runde. Für Sehbehinderte sei das rücksichtslose Rasen durch die Fußgängerzone gefährlich. „Nagelbretter können wir schwerlich verlegen“, sagte Maria Herrmann. Hans Hermann Roden (SPD) erklärte, er halte Radler mit ausgestreckten Armen an.

Taxi-Unternehmerin Ute Toffolo-Röder mochte sich mit dem Ergebnis der Sitzung indes nicht zufriedengeben. „Dass sich das alte Mütterchen einen Behindertenausweis mit Handynummer besorgt, halte ich für realitätsfremd“, sagte sie. Für unverantwortlich halte sie, dass Frauen nach der neuen Regelung gezwungen seien, nachts allein durch die Fußgängerzone laufen zu müssten, um nach Hause zu gelangen.  dvd

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