„Tiefstes Mitgefühl für das Opfer“

Lübecker Nachrichten   21.01.2016

Entsetzen und Bestürzung nicht nur in Bad Oldesloe / Pastor macht sich „große Sorgen“

Bad Oldesloe. Die Nachricht vom Sexualdelikt in Bad Oldesloe verbreitete sich gestern in Windeseile und beschäftigt Personen aus allen Gesellschaftsbereichen.

Karin Hoffmann von den Oldesloer Grünen sagte den LN: „Wir haben davor gewarnt, dass es nicht damit getan ist, die Flüchtlinge mit Geld und einer Wohnung auszustatten. Sondern es ist wichtig, dass sie auch unsere Sitten und unsere Lebensweise kennenlernen. Dafür sollten Kurse eingerichtet werden.“ Studien hätten ergeben, dass durch Krieg oder eine gefährliche Flucht traumatisierte Menschen eher zu Gewalt neigen.

Bad Oldesloes Bürgerworthalter Rainer Fehrmann: „Diese Nachricht hat mich mehrfach erschüttert: Erstens, dass dieser Überfall überhaupt stattgefunden hat. Da gilt mein tiefstes Mitgefühl dem Opfer. Zweitens habe ich immer gehofft und geglaubt, dass Bad Oldesloe von solchen Ereignissen weit entfernt ist. Und drittens frage ich mich, ob der Täter – gerade mit diesem Hintergrund – sich nicht bewusst ist, was er über diese Schandtat hinaus all den anderen antut, die sich anständig benehmen und sich um eine ehrliche Integration bemühen. Mit solchen verbrecherischen Handlungen bietet er in erster Linie den Rechtsradikalen eine Grundlage für populistische und gewaltbelastete Aktionen.“

Marion Gurlit, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bad Oldesloe: „Gut, dass die Polizei die Frau vor noch Schlimmerem bewahren konnte. Ich denke, dass jeder Versuch einer Vergewaltigung bestraft werden muss – egal, ob ein Flüchtling oder Einheimischer sie begangen hat. Der Straftäter muss rechtskräftig verurteilt und entsprechend auch ausgewiesen werden. Zur Zeit wird ja darüber diskutier, dass es zu einer Ausweisung kommen kann, wenn Flüchtlinge zu Straftätern werden. Aber es heißt ja jetzt nicht, dass jeder muslimische Flüchtling automatisch ein potenzieller Täter ist oder Frauen als Freiwild ansieht. Ich halte es für ganz wichtig, das Frauenbild und die Rechte der Frauen deutlich darzustellen. Unser Land, unsere Regeln – daran müssen sich die Leute halten.“

Diethelm Schark, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Bad Oldesloe: „Es gibt gute und weniger gute Menschen. Es ist eine Straftat, und genauso muss sie auch geahndet werden. Allerdings sollte man nicht die Tat eines einzelnen auf eine bestimmte Volksgruppe oder Menschen übertragen. Nur weil einer das Recht bricht, sind nicht alle Eritreer Monster. Wenn ein blonder Brillenträger eine Straftat tut, sind nicht die anderen Brillenträger auch Täter. Im Moment dreht sich die Stimmung aus verschiedenen Gründen. Ich mache mir große Sorgen. Wir dürfen nicht eine bestimmte Menschengruppe anklagen und stigmatisieren.“

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Polizei rettet Frau vor Vergewaltigung

Lübecker Nachrichten   21.01.2016

Junge Oldesloerin soll von einem 17-jährigen Flüchtling aus Eritrea angegriffen und sexuell belästigt worden sein

Von Oliver Vogt und Britta Matzen

Bad Oldesloe/Kiel. Die Debatte um sexuelle Übergriffe durch ausländische Männer bekommt durch einen Zwischenfall in Bad Oldesloe neue Nahrung: Wie die Polizei gestern berichtete, soll ein 17-jähriger Flüchtling aus Eritrea am Dienstagabend versucht haben, in einem Parkhaus eine 18 Jahre alte Frau zu vergewaltigen. Polizeibeamte konnten den Täter jedoch stoppen. Innenminister Stefan Studt (SPD) verurteilte die „widerwärtige Tat“, warnt aber vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge.

Nach bisherigen Erkenntnissen kannten sich Täter und Opfer offenbar. Vor der Tat sollen beide mit zwei anderen jungen Leuten unterwegs gewesen sein, sagte der Lübecker Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders den LN. Dabei sei auch Alkohol getrunken worden. Als es gegen 22.45 Uhr zu dem Übergriff kam, seien der 17-Jährige und sein mutmaßliches Opfer jedoch allein gewesen. Eine Fußstreife der Polizei habe aus dem Parkhaus an der Königstraße ein Wimmern gehört und sei dem nachgegangen, sagte Polizeisprecherin Sonja Kurz. „Der 17-Jährige hielt die Frau fest umklammert und versuchte, sie zu vergewaltigen“, so Kurz. Die Beamten hätten den jungen Mann praktisch von der Frau herunterreißen müssen, sagte Anders. Ihr Gesicht und Hals habe Bissverletzungen aufgewiesen.

Sonja Kurz zufolge sei der mutmaßliche Täter aggressiv gewesen und habe bei seiner Festnahme erheblichen Widerstand geleistet und um sich geschlagen. Dabei wurde auch ein Beamter bei einem Schlag gegen den Kopf leicht verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Auch die junge Frau befindet sich in ärztlicher Behandlung. Über ihren Gesundheitszustand wurde bis gestern Abend nichts weiter bekannt.

Gegen den 17-Jährigen, der sich bereits seit fast drei Jahren als Flüchtling in Deutschland aufhalten soll, beantragte die Lübecker Staatsanwaltschaft gestern Haftbefehl wegen Fluchtgefahr, der noch am Abend vom zuständigen Amtsgericht in Ahrensburg erlassen wurde.

Innenminister Studt nannte die Tat gegenüber den LN „abscheulich und abstoßend“. „Es ist dem aufmerksamen Einsatz und dem schnellen Handeln der Polizei vor Ort zu verdanken, dass das Opfer vor möglicherweise noch Schlimmerem bewahrt werden konnte“, sagte Studt. Die Gedanken der Landesregierung seien bei der jungen Frau, die inmitten der Öffentlichkeit einer so schweren Straftat ausgesetzt gewesen sei. Die Tatsache, dass die Tat offenkundig von einem Zuwanderer aus Eritrea begangen worden sei, dürfe aber nicht zu einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge gleich welcher Herkunft führen, mahnte der Minister.

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Beer-Yaacov-Weg: Ausbau unter gewaltigem Zeitdruck

Lübecker Nachrichten   20.01.2016

Planer stehen in Bad Oldesloe vor einer logistischen Herausforderung – Bis zum Juni müssen sämtliche Versorgungsleitungen wieder im Erdreich verbuddelt sein

Von Dorothea von Dahlen

LN-Beer-Yaacov-2016-01-20Sobald die Temperaturen wieder deutlich über null Grad liegen, wird in der kleinen Straße kräftig gebuddelt.  Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Nur knapp 100 Meter ist der Beer-Yaacov-Weg in Bad Oldesloe lang und doch raufen sich Planer die Haare angesichts der bevorstehenden Sanierung. Denn das kurze Stück Straße entlang des neuen Kultur- und Bildungszentrums (KuB) hat es in sich. Viele für die Versorgung der Innenstadt wichtigen Leitungen führen dort entlang. Sie müssen erneuert werden und das in Abstimmung mit den noch laufenden Bauarbeiten am KuB. Dessen Projektleiterin Mandy Treetzen hatte zwar schon im Vorjahr auf die logistische Herausforderung in dem sehr engen Weg hingewiesen. Doch da es zu Verzögerungen beim Umbau des alten Justizgebäudes gegeben hatte, ist der Zeitplan noch enger gestrickt als damals angenommen.

Wie sich die Sanierung vollziehen soll, erläuterte Ulrike Külper vom Tiefbauamt den Mitgliedern des Bau- und Planungsausschusses. Demnach wird der Startschuss gleich nach der Frostperiode gegeben. Als erstes soll der Ablauf des Regenwassers in die Trave auf Höhe des Trafohäuschens erneuert werden. In zwei Abschnitten saniert die Vereinigte Stadtwerke VSG Netz GmbH sämtliche Medien im Untergrund.

Über die gesamte Länge des Wegs werden neue Gas-, Wasser- und Fernwärmeleitungen eingezogen und zwar gebündelt auf der zur Sparkasse hin gelegenen Straßenseite. Zusätzlich muss ein Abwasserkanal am Historischen Rathaus ausgetauscht werden und das Gebäude selbst braucht einen Anstrich. Das dafür benötigte Gerüst schränkt den Platz an der Baustelle zusätzlich ein.

Doch damit nicht genug. In der Hagenstraße muss auch am Knotenpunk, in den die Versorgungsleitungen einmünden, gearbeitet werden. Das wird voraussichtlich nur mit einer Sperrung möglich sein, so dass es zu Umleitungen und Staus im Stadtverkehr kommen kann. Wann es soweit ist und wie lange diese Arbeiten dauern, vermögen die zuständigen Planer zurzeit noch nicht genau zu sagen. Im Februar soll noch eine genauere Abstimmung mit der Bauverwaltung der Stadt erfolgen. Sicher ist nur, dass die Sperrung für alle Verkehrsteilnehmer deutlich zu spüren sein wird. Selbst die Bushaltestelle in der Hagenstraße muss voraussichtlich an den Exer verlegt werden, damit Schüler ein- und aussteigen können.

Die Zeit drängt unterdessen. Denn bis Ende Juni müssen nämlich laut Plan alle Arbeiten im Untergrund erledigt sein. Auch Lieferungen für das KuB sind ab dann nicht mehr möglich. „Ich hoffe, dass die Möbel schon vorher kommen, sonst müssen sie über das Alte Rathaus hineingetragen werden“, sagt Ulrike Külper.

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Rodung noch vor Baurecht

Lübecker Nachrichten   20.01.2016

Bad Oldesloe. Eigentlich war der Bau- und Planungsausschuss am Montag einberufen worden, um die Planung des neuen Baugebiets an der Kampstraße in Bad Oldesloe voranzutreiben. Bis vor kurzem war die Verwaltung nämlich der Auffassung, dass erst Baurecht bestehen muss, bevor Bäume auf dem Gelände gefällt werden dürfen. Entfernt werden müssen sie unbedingt, um Baufreiheit zu schaffen. Wie Bauamtsleiter Thilo Scheuber jetzt berichtete, ist die Stadt aber von den sonst üblichen Auflagen befreit worden. „Da hier eine so große Wohnraumnot besteht, insbesondere durch die Flüchtlingssituation, kann der naturschutzrechtliche Antrag gesondert gestellt werden“, sagte er. Da nun beide Verfahren voneinander abgekoppelt seien, entfalle das Risiko, dass die Genehmigung zu spät eintrifft. Denn Bäume dürften nur bis Ende Februar gefällt werden.   dvd

 

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Flickwerk wird beseitigt

Lübecker Nachrichten   20.01.2016

Zweiter Bauabschnitt der B 208 in den Sommerferien

Bad Oldesloe. Noch rumpelt der Verkehr mehr schlecht als recht über die B 208. Stadteinwärts ist die Bundesstraße mit Asphaltflicken übersät. Abhilfe ist aber in Sicht. Nach Informationen von Oldesloes Bauamtsleiter soll schon in diesem Sommer an der Straße gearbeitet werden.

Die Stadt Bad Oldesloe habe unlängst eine Fördermittelzusage vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr erhalten, um den nunmehr zweiten Bauabschnitt der B 208 in Angriff nehmen zu können, informierte Thilo Scheuber die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses. Um die Verkehrsbeeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten, sollten die Sommerferien für die Sanierung genutzt werden.

Nachdem im Vorjahr bereits zwischen Industriestraße und Sehmsdorfer Straße für eine glatte Piste gesorgt wurde, geht es nun von der Nahtstelle aus bis zum Berliner Ring. Wie 2015 wird die Vereinigte Stadtwerke Netz GmbH die Chance nutzen, um zuvor einige Strom-, Gas- und Wasserleitungen aus der Fahrbahn in den Gehweg zu verlegen. „Es wird ähnlich ablaufen wie im vergangenen Jahr, sehr wahrscheinlich aber nicht in dem Umfang“, sagte Christian Claussen, zuständig für Planung. Genauere Details würden aber noch bekannt gegeben.   dvd

 

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