Café als Beispiel für Verschwendung?

Lübecker Nachrichten    02.10.2015

Oldesloer reagieren unterschiedlich auf die Kritik des Bundes der Steuerzahler an der 600 000-Euro-Investition

Von Dorothea von Dahlen

LN-Laurent-2015-10-02Lange hatte das Café am Markt leer gestanden. Jetzt kritisiert der Bund der Steuerzahler, dass die Stadt es hergerichtet hat.  Foto: M. Thormählen

Bad Oldesloe. Eine saftige Rüge hat sich die Stadt Bad Oldesloe vom Bund der Steuerzahler eingefangen. Im ihrem neuen Schwarzbuch kritisieren die öffentlichen Finanzwächter, dass zu viel Geld in die Sanierung des Cafés am Markt investiert wurde. Nach fünf Jahren Leerstand seien 600 000 Euro ausgegeben worden, um wieder eine gastronomische Nutzung des Lokals zu ermöglichen. Schon jetzt sei aber absehbar, dass diese Summe nicht über die Pachterlöse refinanziert werden könne, heißt es im Bericht.

Die Reaktionen in der Kreisstadt fallen unterschiedlich aus. Einige Gewerbetreibende sehen sich durch
den Bericht der Steuerzahler bestätigt. „Kein Geschäftsinhaber bekommt einen komplett ausgestatteten Laden. Das ist alles rausgeschmissenes Geld“, sagt etwa Eva-Marie Bruszies vom Kindermodengeschäft in der Oldesloer Fußgängerzone. Jedes Jahr jammere die Stadt, dass sie die Weihnachtsbeleuchtung nicht bezahlen könne und dann das. Auch Sven Scheel vom Oldesloer Café Kuchenwerk hält es für ungewöhnlich, dass „ein Privatmann ein grundüberholtes Lokal für so eine Summe“ zur Verfügung gestellt bekommt. Die Stadt hätte das Problem des Leerstands anders lösen müssen. „Am besten, man hätte den Fettabscheider zugeschüttet und ein ganz normales Geschäft daraus gemacht“, sagt der Gastronom.

Bürgermeister Tassilo von Bary bestreitet, dass es sich um Steuerverschwendung handelt. „Teuer ist das Ganze aufgrund der baulichen Gegebenheiten geworden“, sagt er. Die Räume des Cafés und der Goldschmiede Killinger hätten zusammengelegt werden müssen. Zudem seien das Behinderten-WC und
die Treppe eingebaut worden. Dennoch werde sich die Investition über die nächsten zehn Jahre refinanzieren. Dazu gebe es Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die der Politik vorgelegt worden seien.
SPD-Fraktionschefin Maria Herrmann hält das für zu optimistisch. Amortisieren werde sich die Ausgabe auf keinen Fall so schnell. „Das Café ist aber nicht mit solch skandalösen Projekten vergleichbar wie einer abgebrochenen Brücke, die auf der anderen Straßenseite nicht weitergeht“, erklärt sie. Die Stadt habe über die Vermietung hinaus städtebauliche Aspekte beachten müssen. „Man hätte auch Wohnungen bauen können, aber das hätte nicht zur Belebung des Marktes beigetragen.“ Im Übrigen habe der alte Pächter Kosten verursacht, unter anderem, weil er den Fettabscheider nicht gepflegt habe.

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Wagner sauer auf Albig – kein Geld für Kommunen

Stormarner Tageblatt    01.10.2015

Bad Oldesloe
Joachim Wagner. Foto: rob ST-Joe-Wagner-2015-10-01

Nein, man kann wirklich nicht sagen, dass Joachim Wagner frohen Mutes vom Flüchtlingsgipfel in Kiel zurückgekommen ist. Und aus dieser schlechten Laune macht der amtierende Landrat nach dem vierstündigen Gespräch mit Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) auch keinen Hehl. „Als erstes kam: ‚Lasst uns nicht über Geld reden, das ist jetzt nicht der richtige Moment‘ – da guckten wir schon mal sparsam“, so Wagner. Selbstverständlich waren die Bürgermeister und Landräte genau deshalb gekommen: Sie wollten wissen, wie viel von den 670 Euro (pro Flüchtling pro Monat) vom Bund bei ihnen ankommt. „Es ist eine schöne Mär, dass da ein Gesetz zur Entlastung der Kommunen geschaffen wurde. Es kommt nicht ein Cent mehr an“, macht Wagner seinem Unmut Luft. Das Land streicht das Geld komplett ein. Eine weitere Anhebung der Kreisumlage könnte die Folge daraus sein.

Albig hatte klare Ansagen an die Bürgermeister: Sorgen Sie dafür, dass im Winter keiner friert und hungert und das die Stimmung vor Ort nicht kippt. Einwände von den VerwaltungsChefs perlten an ihm ab. Wagner: „Ich hatte den Eindruck, der lässt das gar nicht an sich ran.“

Einen wichtigen Hinweis des Ministerpräsidenten hat Joachim Wagner dann doch mit nach Hause gebracht: „Der Großteil der Flüchtlinge wird hier bleiben. Wir müssen uns darauf einstellen, in den nächsten zehn Jahren jährlich 5000 zusätzliche Wohneinheiten vorzuhalten. Das ist mir heute erst aufgegangen.“ Diesen dringenden Appell gibt er an die Lokalpolitiker weiter.

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Mit den Senior-Trainern spielend Deutsch lernen

Lübecker Nachrichten    01.10.2015

Neues Angebot in der Oldesloer Stadtbibliothek will Migranten einen Treffpunkt bieten

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Es geht nicht um Futur II oder Plusquamperfekt. Auch die korrekte Aussprache spielt eine untergeordnete Rolle. Beim Projekt „Dialog in Deutsch“, das die Stadtbibliothek Bad Oldesloe jetzt gemeinsam mit den Senior-Trainern der Kreisstadt für Flüchtlinge und Migranten anbietet, steht die Kommunikation und der zwischenmenschliche Austausch im Vordergrund.

„Wir wollen nicht in Konkurrenz zu bestehenden Kursangeboten treten, sondern eine Ergänzung darstellen“, erklärte denn auch der federführende Senior-Trainer Holger Dünnes bei der Präsentation des Projekts, das es in dieser Form auch in Stadtbibliotheken in anderen Städten bereits gibt. Ziel sei es, mit den Migranten ins Gespräch zu kommen und sie mit der hiesigen Kultur vertraut zu machen. Bei den Treffen gehe es locker zu, es werde gespielt oder über aktuelle Themen diskutiert.

Zwölf Freiwillige, die bereit sind, die Gesprächsrunden zu betreuen, haben sich schon zusammen gefunden. Die Männer und Frauen aus Bad Oldesloe haben bereits in bestehenden Dialog-Gruppen in einer Hamburger Bibliothek hospitiert, um Anleitung bei der Umsetzung des Projekts zu bekommen.

Einschlägige Erfahrungen bringen aber auch schon Nils von Appen und Greta Petersen mit. Sie gehören der Jugendgruppe Arandela an und engagieren sich auch in der Lübecker Flüchtlingsinitiative Walli. Sie waren gewissermaßen die ersten in der Stadt, die ein solches Treffen für junge Migranten auf bürgerschaftlicher Ebene ins Leben gerufen hatten. „Wir haben eine AG in der Ida-Ehre-Schule eröffnet und dort im März mit einem ersten Sprachkurs begonnen. Zu Beginn haben wir uns mit Diktatheften und Bildwörterbüchern beholfen“, berichtete Nils von Appen. Ihm zufolge schwankt die Teilnehmerzahl im Kurs. An der offenen Gruppe nähmen bis zu 20 junge Menschen im Alter zwischen 19 und 30 Jahren teil.

Die Gesprächszirkel von Arandela werden auch parallel weiterlaufen, wenn das Dialog-Projekt der Senior-Trainer am 13. Oktober beginnt, damit alle Altersgruppen in der Stadt gut betreut sind. Den Ablauf von Dialog in Deutsch betreffend, gibt es schon einige konkrete Ideen. So kündigte Holger Dünnes an, dass es zum Auftakt eine kleine Vorstellungsrunde geben solle und die Teilnehmer dann je nach ihren Grundkenntnissen der deutschen Sprache in Gruppen aufgeteilt werden sollen. „Wir wollen alle ermutigen zu sprechen. Willkommen sind Menschen unabhängig von Bildungsstand, Nationalität und Aufenthaltsstatus. Bei uns sind auch Japaner gern gesehen, um ein Beispiel zu nennen“, sagte der Senior-Trainer. Das Angebot sei zudem kostenlos.

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Ballettstudio bald unter einem Dach mit der Musikschule

Lübecker Nachrichten    01.10.2015

Die beiden Oldesloer Einrichtungen freuen sich auf eine fruchtbare Zusammenarbeit

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Wenn kleine Ballettratten im Tutu über die Bühne hüpfen, hat das schon manchem erwachsenen Oldesloer Tränen der Rührung entlockt. Die gute Botschaft ist, dass Kinder und Jugendliche auch künftig in der Kreisstadt klassischen und modernen Tanz erlernen können. Die Musikschule für Stadt und Land hat sich entschlossen, die bislang privat betriebene Ballettschule Lingua Quieta zu übernehmen.

„Ich hatte mich mit dem Gedanken getragen, ganz aufzugeben“, erzählt Katharina Gutzeit. Sie hat in der Ballettschule, die sie seit nunmehr zwölf Jahren führt, einst selbst das Tanzen erlernt . Die Arbeitsbelastung aber sei sehr groß und dies mit dem Familienleben schwierig zu vereinbaren. Nachdem nun der Verein der Musikschule für Stadt und Land beschlossen habe, die Ballettschule als weitere Sparte aufzunehmen, sei die Schließung abgewendet.

Darüber zeigte sich auch Musikschulleiter Alireza Zare hoch erfreut. Er erinnerte daran, dass es schon vor zwei Jahren eine erfolgreiche Kooperation zwischen Musik- und Ballettschule sowie der Reinfelder Grundschule gegeben habe. „Das hat sehr gut funktioniert. Wir hatten eine unglaublich tolle Aufführung“, schwärmt Zare. Als er gehört habe, dass Katharina Gutzeit schließen wolle, sei er deshalb sofort tätig geworden, um den Vorschlag der Übernahme zu unterbreiten. Im Verein hätten sich auch alle positiv dazu geäußert.

Wenn die Ballettschule ab Januar 2016 unter dem Namen der Musikschule firmiert, werde sich dies nach außen hin nicht bemerkbar machen, sagen Zare und Gutzeit. Die Gebühren oder sonstigen Bedingungen blieben gleich, außer dass die Buchführung nun über die Musikschule laufe und sich Schüler künftig an derem Standort in der Königstraße anmelden müssen. „Das entlastet mich ungemein.
Ich habe dann wieder Zeit für die eigentliche künstlerische Arbeit“, sagt die Tanzlehrerin.

Ändern wird sich aber dennoch einiges. „Wir können das Angebot an der Ballettschule professioneller im Verbund organisieren und somit den Standort unserer Schule insgesamt stärken“, sagt Alireza Zare. Das Modell, Tanz und Musik zu kombinieren, werde in vielen anderen deutschen Städten mit großem Erfolg praktiziert. „Das wird ein riesiger Schritt sein. Alle werden davon profitieren“, ist sich der Schulleiter sicher.

Zurzeit laufen an der Ballettschule 170 Kurse für Bewegungsfreudige im Alter zwischen vier und 60 Jahren. Neben Katharina Gutzeit stellen vier Honorarkräfte den Unterricht sicher. Während letztere den Bereich Klassisches Ballett abdecken, konzentriert sich die Chefin des Hauses eher auf modernen und freien Tanz. „Beides wird bei uns aber gleichwertig gelehrt“, sagt Katharina Gutzeit.

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Keine Parallelstrukturen

Stormarner Tageblatt    01.10.2015

Erster Runder Tisch in Oldesloe will Angebote und Nachfragen in der Flüchtlingshilfe koordinieren

Bad Oldesloe

Hilfsangebote für Flüchtlinge – da läuft es noch nicht rund in Bad Oldesloe. Diakonie und Q8 hatten deshalb zum ersten Runden Tisch eingeladen, und der Saal im Bürgerhaus war mit 50 Leuten gut gefüllt. „Das System legt sich selber lahm, wenn hundert Mal die gleiche Frage beantwortet werden muss“, schildert Maria Herrmann (Q8) das Problem und Kirstin SchwarzKlatt (Diakonie) machte es konkret: „Es kommen immer mehr Menschen zu uns, die Kleidung spenden wollen. Dafür haben wir als Beratungsstelle überhaupt keine Möglichkeiten.“ Schlimmer noch, wenn Kolleginnen die Frage der Kleiderspende beantworten, ist die Telefonleitung blockiert und es geht Arbeitszeit verloren. „Wir müssen unsere Kernaufgabe – die Erstberatung von Flüchtlingen – machen“, bedauert SchwarzKlatt.

„Wie kriegen wir die Flüchtlinge zu den Angeboten? Was haben wir schon alles? Wo fehlt etwas?“, formulierte Maria Herrmann die zentralen Fragen des Abends. Angebot und Nachfrage sollen zukünftig über eine Liste oder Datenbank schnell abrufbar sein. Vereine und Organisationen konnten dazu im Vorwege mit ihrer Anmeldung bereits Angaben machen. Das war natürlich längst nicht alles. Immer mehr Kärtchen wurden an die Wände gepinnt: Sprachpaten werden gesucht, Fußballtrainer, Räume und vieles mehr. Kirstin SchwarzKlatt ist zuversichtlich: „Bad Oldesloe muss sich nicht verstecken. Es gibt viele tolle Angebote.“ Daraus folgte auch eine klare Warnung von Maria Herrmann: „Wir dürfen keine Parallelstrukturen aufbauen.“ Also keine Kleiderspenden nur für Flüchtlinge. Mit Kleiderkiste und BrawoKaufhaus gebe es bereits etablierte eingespielte Einrichtungen auf diesem Gebiet. Mit anderen Angeboten sei es ähnlich. Ulrike Tyrell erläuterte für die Tafel beispielsweise, dass der Verein inzwischen an sieben Tagen in der Woche Lebensmittel „für Menschen in Not“ verteile.

Und wie kommen Angebot und Nachfrage nun zusammen? „Eine 1:1-Vermittlung können weder Q8 noch die Diakonie leisten“, stellte Maria Herrmann klar. Die Stelle für einen hauptamtlichen Koordinator bei der Stadtverwaltung sei zwar von der Politik bewilligt, könne aber voraussichtlich nicht vor März kommenden Jahres besetzt werden. So lange, da waren sich alle einig, darf nicht gewartet werden.

Eine Alternative sehen die Organisatorinnen des Runden Tischs in so genannten „Hotspots“ – Treffpunkte, die möglichst flächendeckend überall in der Stadt eingerichtet werden müssten. Der „Kaktus“ von Karin Hoffmann in der Hagenstraße sei eine erste solche Anlaufstelle, die SchanZe mit ihrem „Kiek mol in“ dienstags eine weitere. Maria Herrmann berichtet von ihren Erfahrungen: „Man konnte erst nicht miteinander reden, aber zusammen Schach spielen.“ Daraus ergeben sich dann Anknüpfungspunkte, Vorurteile würden „en passant abgebaut“. „Von Ihnen als Initiativen wird abverlangt, mal zu solchen Treffs zu gehen“, machte Herrmann klar. So könnten beispielsweise Sportverein und sportliches Kind oder zukünftiger Trainer am einfachsten zueinander finden. Selbstverständlich müssten in den Hotspots auch aktuelle Versionen der Liste ausliegen.

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