Steinstark und modernes Wehklagen

Stormarner Tageblatt    02.10.2015

Stormarner Wochenschau

ST-Woschau-2015-10-02Verlockend: Stell dir vor, es ist Stichwahl, und keiner geht hin. Ganz so ist es in Ahrensburg nicht, aber die Dimensionen werden schnell klar, wenn man sich einfach nur Zahlen anschaut. Knapp 900 Stimmen trennen Amtsinhaber Michael Sarach und MöchtegernBürgermeister Christian Conring. Das klingt viel, aber das sind nicht mal sechs Prozent der Nichtwähler. 16 000 Ahrensburger, 60 Prozent der Wahlberechtigten, blieben im ersten Durchgang zu Hause. Andersrum: Wenn am 11. Oktober wieder nur 40 Prozent zur Wahl gehen, reicht es, jeden 5. Ahrensburger von sich zu überzeugen, um mit absoluter Mehrheit zu gewinnen. Das klingt verlockend, hat sich unserer Karikaturist gedacht und überlegt, womit man die Nichtwähler anlocken könnte. Oder besser nicht …

Yabba Dabba Doo! Es war einmal … in der Steinzeit. Da liefen wilde Kreaturen auf zwei Beinen gebückt durch die Wildnis, wohnten in Höhlen, schwangen Keulen und gaben merkwürdige Laute von sich. Ähnlich ging es gestern in Bad Oldesloe zu. Zwar liefen die Nachfahren – allen voran Bürgerworthalter Rainer Fehrmann und Bürgermeister Tassilo von Bary – nicht mehr gebückt und mit merkwürdigen Lauten über den Marktplatz, erinnerten aber an Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer. Sie zeigten sich formvollendet mit Woll- oder Fellkleid, mit OriginalSpeer (aus dem Heimatmuseum) und einer schweren Keule (selbst gebastelt). Zahlreiche Bürger taten es ihnen nach. Und Oldesloer Bühne, Bauhof sowie „Erle“-Mitglieder (Projekt Erleben leben) fertigten in Windeseile eine „Familie Feuerstein“-Heimstätte mit dem obligatorischen und rustikalen Holzgefährt. Das war Oldesloes Aufgabe der R.SHChallenge und eine Mordsgaudi. Die Stadtoberen haben sich vor den RadioKarren spannen lassen, warum auch nicht? Ein bisschen Spaß muss sein! „Zusammen sind wir Bad Oldesloe“ und unschlagbar. Die Siegprämie wurde Erle gespendet. Schon allein deshalb hat sich die steinstarke Aktion gelohnt.

Nicht mal gut gemeint: So richtig Spaß macht Joachim Wagner die Rolle des amtierenden Landrats zurzeit nicht. Als Vertreter des Kreises Stormarn war er mit der leisen Hoffnung nach Kiel gefahren, dass aus dem Paket des Bundes für die Kommunen auch etwas oder etwas mehr bei den Städten und Gemeinden ankommt. Ist aber nicht so. 670 Euro je Flüchtling und Monat zahlt der Bund künftig. Die behält aber das Land. Das hat bislang 70 Prozent getragen. Bei Kosten von rund 1000 Euro kann Kiel seinen Anteil nun aus der Berliner Kasse bestreiten. So ist das mit den Wohltätern: Sie geben gern, so lange es nicht ihr eigenes Geld ist.

Rolf Blase,
Volker Stolten
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Bad Oldesloe gewinnt die R.SH-Challenge

Lübecker Nachrichten    02.10.2015

Die Stadt musste sich gestern Vormittag in ein Steinzeitdorf verwandeln. Das klappte bravourös.

Von Edith Preuß (auch Fotos)

LN-RSH1-2015-10-02Jabadabadoo: Mit Nina Reher (im Dino-Kostüm) freuten sich viele Oldesloer, dass sie die .SH-Challenge gemeistert hatten

Bad Oldesloe. Draußen war es noch dunkel, da wurde im Konferenzsaal der Oldesloer Stadtverwaltung schon ganz aufgeregt getuschelt. Die rund 20 Mitglieder des Organisationsteams um Agnes Heesch vom Stadtmarketing und Bürgerworthalter Rainer Fehrmann warteten gespannt, welche Aufgabe Radio Schleswig-Holstein (R.SH) der Stadt über den Äther stellen würde. Punkt 7.07 Uhr war es soweit: „Verwandelt den Marktplatz bis 12 Uhr in die Steinzeit und lasst zur Mittagszeit ein Yabadabadoo erklingen.“

Aufatmen bei den Organisatoren: „Das ist zu schaffen.“ Gleichzeitig brach hektische Betriebsamkeit los. „Ich hatte gedacht, es hat etwas mit Salz zu tun, bin aber froh, dass es doch die Steinzeit ist“, sagte Fehrmann, der knapp zwei Stunden später ebenso wie Agnes Heesch und Bürgermeister Tassilo von Bary im typischen Fred-Feuerstein-Outfit unterwegs war.

Auch auf dem Marktplatz war Action angesagt: Oliver Mylonas (34) vom Verein Erle baute mit den Tischlern vom Bauhof den Steinzeit-Wagen zusammen, Nina Reher von der Stadtverwaltung schleppte mit ihrem Team Büsche und Bäume heran, besprühte vom Landhandel Ströh gespendete Papiersäcke mit braunen Flecken. „Die sind für alle, die zufällig vorbeikommen“, erklärte Reher. Sie selbst wurde in einen Dino verwandelt. „Mein Bruder hat das mal zum Fasching getragen“, erinnerte sich Arne Börmann und brachte das Kostüm auf dem Marktplatz vorbei.

LN-RSH2-2015-10-02Rainer Fehrmann (v. l.) und Tassilo von Bary nahmen den Scheck über 2500 Euro von Volker Mittmann entgegen.

Überhaupt waren die Oldesloer spontan und erfindungsreich – trotz der frühen Stunde mitten in der Woche. „Die Zeit war nicht glücklich, aber kaum, dass ich das Thema wusste, habe ich alles zusammengesucht und bin trotzdem hergekommen“, berichtete Petra Akkermann. Marion und Lars Cornehl passte die Aufgabe gut ins Konzept: „Unsere Söhne sind beim Bogenschießen, da haben wir gleich ihre Sportgeräte zweckentfremdet.“ Ebenso wie diese hatten sich zum Mittag hin doch sehr viele Oldesloer auf dem Marktplatz eingefunden, so dass R.SH-Moderator Volker Mittmann mit dem zwölften Glockenschlag ein lautstarkes „Jabadabadoo“ zu hören bekam und verkünden konnte: „Bad Oldesloe hat die Challenge gemeistert.“ Und damit 2500 Euro für den Verein Erle gewonnen.

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Oldesloe feiert sein Stadtfest mit einem neuen Konzept

Lübecker Nachrichten    02.10.2015

LN-Stadtfest-2015-10-02Besiegeln die neue Zusammenarbeit: Patrick Niemeier (v. l.), Tassilo von Bary, Christine Tiedemann und Sebastian Rupsch.  Foto: S. Fofana

Bad Oldesloe. „Feiern wie Zuhause“ heißt das Motto des nächsten Oldesloer Stadtfestes vom 27. bis 29. Mai kommenden Jahres. Die Veranstaltungsagentur Tiedemann präsentierte jetzt ihr neues Konzept, das Vereine und Gewerbetreibende eng mit einbindet und das Stadtgebiet wie ein Haus in Zimmer aufteilt.

„Es ist das wichtigste Fest Oldesloes und das Aushängeschild“, betonte Agnes Heesch vom Stadtmarketing. Beim 18. Traditionsfest werde die regionalen Komponenten berücksichtigt. Heesch: „Alle sollen sich wohlfühlen.“ Als lokalen Partner hat sich die Agentur den Verein „ProKlangstadt“ mit ins Boot geholt. Die Klangstädter, die hauptsächlich Open-Air-Konzerte am Poggensee veranstalten, werden sich beim Stadtfest 2016 um die Bespielung aller Bühnen kümmern. Der Stadtjugendring ist am Kinderprogramm beteiligt.

Christine Tiedemann und Sebastian Rupsch stellten die Stadtfest-Bereiche vor. Danach werden der Marktplatz mit der Hauptbühne zum Wohnzimmer, der Bereich hinter dem Café Mocca und die Heiligengeiststraße zum Kinderzimmer sowie der Kulturhof zu einer Wohnküche.

Das Wohnzimmer ist als der Treffpunkt für alle gedacht. Dort sollen regionale Rock- und Top-40-Bands
für Stimmung sorgen. Tagsüber gehört die Bühne den Oldesloer Vereinen, regionalen Musikern und Kleinkünstlern. Auf dem Marktplatz ist auch am Freitag die Eröffnung angedacht, und am Sonntag wird eventuell ein Open-Air-Gottesdienst gefeiert.

Im Kinderzimmer ist ein buntes Familienprogramm geplant. Vom Kisten-Klettern bis zum Kissenparadies gibt es bereits viele Ideen. Das Bühnenprogramm im Kulturhof wird in Kooperation mit der Oldesloer Bühne, der Musikschule und Klangstadt organisiert. Angedacht sind Chill-Club und Cocktailbar, Finger-Food und Flammkuchen, Liegekissen und Sitzecken.

Die Hude selbst wird zum Partykeller, die Besttorbühne zur Zwei-Zimmer-Wohnung für die Jugend. Am Ende der Besttorstraße können sich Schülerbands, Freizeitrocker oder Solo-Gitarristen vorstellen. Ab 19 Uhr übernimmt dort ein Discjockey.

Der Mühlenplatz ist mitsamt Kleinkunst als Weinkeller vorgesehen. Als Garage stellt sich der Kirchberg mit einer Oldtimer-Ausstellung dar und der Bereich um die Peter-Paul-Kirche soll zum Garten mit einem Mittelaltermarkt werden. Ein Familienflohmarkt könnte den Dachboden bilden. Verbunden werden die einzelnen Aktionsflächen-Zimmer der City durch die Oldesloer Flure.

Tiedemann: „Bis zum Jahresende steht das Line-Up, das Gerüst.“ Neben den Oldesloer Vereinen sollen auch die Handels- und Gewerbetreibenden der Kreisstadt eingebunden werden. Die Händler könnten Bereiche des Wohnzimmers als Lounge gestalten und eine Rallye anbieten.    Susanna Fofana

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Stadt bezahlt die alten Schulden des Kurparkstadions

Lübecker Nachrichten    02.10.2015
Bad Oldesloe. Über den Ausgleich eines Defizits in Höhe von rund 2200 Euro hatten die Mitglieder des Oldesloer Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses jetzt zu entscheiden. Der Fehlbetrag war bei den Betriebskosten für das Kurparkstadion entstanden und stammt aus der Zeit, als die Stätte noch vom Frauenfußballclub genutzt wurde; der hat sich inzwischen aufgelöst und ist in den VfL Oldesloe übergangen.

„Es ist uns unangenehm, den Antrag an die Stadt zu stellen“, sagte denn auch Gökhan Akdemir, Vorsitzender des SV Türkspor, der den Platz inzwischen übernommen hat und somit auch das Erbe, die Schulden zu begleichen. Der SV werde versuchen, künftig ohne Ausgleich auszukommen. Es gebe Ansätze, Sponsoren mit einzubinden oder den Platz für weitere Nutzer zu öffnen, um die Betriebskosten decken zu können. Insofern werde es voraussichtlich bei dieser einmaligen Zahlung bleiben.

Die Ausschussmitglieder gaben dem Antrag von Türkspor letztlich statt, diskutierten aber auch darüber, ob es gerecht sei, dass ein so großer Verein wie der VfL das Defizit auf den SV Türkspor abwälzen dürfe. Der Tenor lautete, dass dies Teil des Kompromisses gewesen sei, der zur Beendigung der Auseinandersetzungen zwischen den Vereinen angestrebt worden sei.

Hajo Krage (SPD) und auch Aygün Caglar (CDU) vertraten gleichermaßen die Meinung, dass sich die
Stadt künftig durch den großen VfL nicht mehr so stark unter Druck setzen lassen dürfe.   dvd

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Café als Beispiel für Verschwendung?

Lübecker Nachrichten    02.10.2015

Oldesloer reagieren unterschiedlich auf die Kritik des Bundes der Steuerzahler an der 600 000-Euro-Investition

Von Dorothea von Dahlen

LN-Laurent-2015-10-02Lange hatte das Café am Markt leer gestanden. Jetzt kritisiert der Bund der Steuerzahler, dass die Stadt es hergerichtet hat.  Foto: M. Thormählen

Bad Oldesloe. Eine saftige Rüge hat sich die Stadt Bad Oldesloe vom Bund der Steuerzahler eingefangen. Im ihrem neuen Schwarzbuch kritisieren die öffentlichen Finanzwächter, dass zu viel Geld in die Sanierung des Cafés am Markt investiert wurde. Nach fünf Jahren Leerstand seien 600 000 Euro ausgegeben worden, um wieder eine gastronomische Nutzung des Lokals zu ermöglichen. Schon jetzt sei aber absehbar, dass diese Summe nicht über die Pachterlöse refinanziert werden könne, heißt es im Bericht.

Die Reaktionen in der Kreisstadt fallen unterschiedlich aus. Einige Gewerbetreibende sehen sich durch
den Bericht der Steuerzahler bestätigt. „Kein Geschäftsinhaber bekommt einen komplett ausgestatteten Laden. Das ist alles rausgeschmissenes Geld“, sagt etwa Eva-Marie Bruszies vom Kindermodengeschäft in der Oldesloer Fußgängerzone. Jedes Jahr jammere die Stadt, dass sie die Weihnachtsbeleuchtung nicht bezahlen könne und dann das. Auch Sven Scheel vom Oldesloer Café Kuchenwerk hält es für ungewöhnlich, dass „ein Privatmann ein grundüberholtes Lokal für so eine Summe“ zur Verfügung gestellt bekommt. Die Stadt hätte das Problem des Leerstands anders lösen müssen. „Am besten, man hätte den Fettabscheider zugeschüttet und ein ganz normales Geschäft daraus gemacht“, sagt der Gastronom.

Bürgermeister Tassilo von Bary bestreitet, dass es sich um Steuerverschwendung handelt. „Teuer ist das Ganze aufgrund der baulichen Gegebenheiten geworden“, sagt er. Die Räume des Cafés und der Goldschmiede Killinger hätten zusammengelegt werden müssen. Zudem seien das Behinderten-WC und
die Treppe eingebaut worden. Dennoch werde sich die Investition über die nächsten zehn Jahre refinanzieren. Dazu gebe es Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die der Politik vorgelegt worden seien.
SPD-Fraktionschefin Maria Herrmann hält das für zu optimistisch. Amortisieren werde sich die Ausgabe auf keinen Fall so schnell. „Das Café ist aber nicht mit solch skandalösen Projekten vergleichbar wie einer abgebrochenen Brücke, die auf der anderen Straßenseite nicht weitergeht“, erklärt sie. Die Stadt habe über die Vermietung hinaus städtebauliche Aspekte beachten müssen. „Man hätte auch Wohnungen bauen können, aber das hätte nicht zur Belebung des Marktes beigetragen.“ Im Übrigen habe der alte Pächter Kosten verursacht, unter anderem, weil er den Fettabscheider nicht gepflegt habe.

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