Wenzel Hablik als 3 D-Erlebnis

Stormarner Tageblatt  22.12.2020

Wir-Verein lässt Kunst des deutschen Malers, Grafikers und Kunsthandwerkers virtuell nachbilden

Die freigelegten Malereien an der Decke der Theodor-Storm-Schule.  SRP
Die freigelegten Malereien an der Decke der Theodor-Storm-Schule. SRP

Patrick Niemeier
BAD OLDESLOE Es ist gar nicht lange her, dass in der heutigen Theodor-Storm-Schule in Bad Oldesloe ein besonderer, kleiner Kunstschatz entdeckt wurde. Unter den Tapeten und Malarbeiten von vorherigen Sanierungen waren Deckenbemalungen des Künstlers Wenzel Hablik verborgen. Das fiel im Jahr 2007 auf. 2010 begann die Restaurierung der Kunstwerke.
Fünf Restauratoren arbeiteten 2010 mit dem Denkmalpfleger Albrecht Barthel und dem Architekten Frank P. van Wely daran, die bunten geometrischen Formen an Decken und Wänden des heutigen Schulgebäudes freizulegen. Drei Schichten Kalk- und Fassadenfarbe mussten zum Teil entfernt werden. Doch wie kamen die Bilder des bekannten Künstlers aus Itzehoe, der von 1881 bis 1928 lebte, eigentlich an die Decke der Schule? Fakt ist zunächst, dass zum Zeitpunkt des Entstehens der Gemälde der Raum gar keine Schule war, sondern das Hauptkontor des Oldesloer Feinkost- und Margarine-Unternehmers Friedrich Bölck. Wie und wann dieser Hablik kennenlernte, ist nicht ganz genau geklärt, aber bekannt ist, dass Bölck ein Fan dessen Kunst war und ihn daher beauftragte. 
Die Lebensgeschichte Bölcks wurde vielen Bad Oldesloern durch das Theaterstück „Die Marke Bölck“ bekannter, dass der Verein „Bad Oldesloe macht Theater“ 2011 auf die Bühne brachte.
Die Deckenmalereien im Gebäude an der Ecke Grabauer Straße/Olivet-Allee sind besichtbar, allerdings nur im Rahmen von speziellen Sonderführungen mit Stadtführerein Sieglinde Demiss-Voigtmann. Das Interesse an ihnen ist allerdings wesentlich größer. Und daher kam jetzt, zehn Jahre nach der Sanierung, der Verein „Wir für Bad Oldesloe“ aus der Kreisstadt ins Spiel.
„Naturgemäß ist es nicht möglich, sich einfach einmal die Decken anzusehen, denn das Schulgebäude ist nicht öffentlich zugänglich“, sagt Günter Knubbe von Wir für Bad Oldesloe e.V.
„Darum kam uns die Idee, einen der Räume für jedermann und jederzeit als Ergänzung zu den Sonderführungen sichtbar zu machen“, erklärt er. Denn die Unterstützung der lokalen Touristik gehöre zu den Vereinszielen. Daher engagierte der Verein einen professionellen 3D-Scan. Diesen führte der ehemalige Bad Oldesloer Christian P. Schlichte mit seiner Firma cp360nano durch. Schlichte war früher selbst in der Oldesloer Kulturszene aktiv und spielt bis heute im Posaunenchor in der Kreisstadt. Eine hohe Verbundenheit zu Bad Oldesloe besteht bei ihm also zusätzlich zu seinem technischen Angebot.
Schlichte scannte den Raum, der daher nun über einen Zugang auf der Webseite der Stadt Bad Oldesloe für jedermann kostenlos zugänglich ist und sogar auf einem Smartphone angeschaut werden kann.
„Früh im nächsten Jahr werden wir auch noch eine kleine Zusatztafel am Gebäude anbringen, auf der dann ein QR-Code direkt zum 3D-Model, führt“, sagt Knubbe.

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