Betrachtungen zum Wochenausklang: Sehr schlammig, wenig tröstlich

Stormarner Tageblatt  25.04.2020

Stormarner Wochenschau

Sehr schlammig, wenig tröstlich

„Schlammassel“ am Brandherd:  Braune Brühe statt Löschwasser. Megi Balzer
„Schlammassel“ am Brandherd: Braune Brühe statt Löschwasser. Megi Balzer

Stephan Poost und Volker Stolten

Sorgfaltspflicht Das ist schon ein starkes Stück: Es brennt, und aus dem Rohr kommt statt des Löschwassers anfangs nur dunkler Schlamm. Passiert bei einem Silo-Brand auf dem Gelände einer Treppenbau-Firma in Reinfeld. Das Rohr ist ein Ansaugstutzen am Regenrückhaltebecken und für die Wasserversorgung der Feuerwehr immens wichtig. Doch „das Teil“, so der O-Ton eines Feuerwehrmannes beim Brand vor Ort, „war völlig verschmutzt und wohl jahrelang nicht mehr gewartet worden.“ Der Löschteich und die Zuwegung befanden sich in ebenso erbärmlichem Zustand. Was für ein „Schlammassel“, was für eine Schlamperei. Was war mit der turnusmäßigen Wartung? Wurde die bewusst vernachlässigt? Wollte man hier Geld sparen? Kritische Fragen, die sich die zuständigen Stadtwerke und mehr noch der technische Leiter, Heiko Gerstmann, gleichzeitig Bürgermeister der Karpfenstadt, gefallen lassen müssen. So etwas geht gar nicht. Bei einem Feuer zählt jede Sekunde. Und die ehrenamtlichen Rettungskräfte, die ihr Leben riskieren, müssen sich auf akkurat funktionierendes, gewartetes Material verlassen können.

Man stelle sich einfach mal vor, die Maschinen im Wert von mehreren Millionen Euro in der angrenzenden Halle, auf die die Flammen bereits übergesprungen waren, wären in Rauch aufgegangen und die Versicherung würde sich weigern, die volle Summe wegen des „Rohrkrepierers“ zu bezahlen und sich auf den am Löschteich regierenden Schlendrian berufen. Oder es wären gar Menschen zu Schaden gekommen. Nicht auszudenken. Dann hätten die Stadtwerke mit Frontmann Heiko Gerstmann ganz schlechte Karten. Das könnte sich bis zum Rechtsstreit – bis zum Worst-Case-Szenario (schlimmster Fall, der eintreten kann) – hochschaukeln. Die Streithähne vor Gericht würden sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, die Verhandlungstage kein Ende nehmen und der Firmenchef besorgt dreinschauen. Er wäre der Dumme und das von ihm sicherlich dringend benötigte Geld in weiter Ferne. Dieser Fauxpas muss wachrütteln. Die Maxime kann nur lauten, alle Ansaugstutzen, alle Löschteiche und Zuwegungen in Reinfeld schnellstens zu überprüfen, damit sich solch ein Dilemma nicht wiederholt. Das ist oberstes Gebot. In diesem brenzligen Fall gilt auf gar keinen Fall „Schlamm drüber!“

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Alle unter einem Himmel

Stormarner Tageblatt  25.04.2020

Das Hospiz Lebensweg im Sandkamp ist so gut wie fertig und begrüßt Anfang Mai seine ersten Gäste

Die  30 haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter von  Lebensweg freuen sich, dass es nun endlich los geht. Freshmen Films
Die 30 haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter von Lebensweg freuen sich, dass es nun endlich los geht. Freshmen Films
 
Schöne  Begrüßung: Blumen stehen in jedem Gästezimmer.
Schöne Begrüßung: Blumen stehen in jedem Gästezimmer.

Susanne Rohde Bad Oldesloe „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, jetzt endlich starten zu können. Es ist ein fantastisches Haus geworden mit viel positiver Idee“, freut sich HospizGründerin Sabine Tiedtke. Viel Holz, viel Licht, helle Farben und jede Menge liebevolle Details – das Hospiz Lebensweg im Sandkamp ist ein wunderschönes Haus mit großer Ausstrahlung. Rund eineinhalb Jahre nach dem ersten Spatenstich wurde das stationäre Hospiz für Jung und Alt jetzt fertiggestellt.

E igentlich war eine feierliche Eröffnung mit vielen Gästen geplant, die Corona-bedingt abgesagt werden musste. Und auch der Tag der offenen Tür muss nun ausfallen. Nichtsdestotrotz nimmt das Hospiz Anfang Mai seinen Betrieb auf. Der erste Gast wird am 4. Mai ins Haus einziehen. „Wir haben bereits zehn Anmeldungen, die Gäste werden aber nicht alle auf einmal kommen, sondern nach und nach, damit sich unser Team langsam darauf einstellen kann“, sagt Sabine Tiedtke. „Unser Plan ist, dass wir Mitte Mai acht Gäste haben“, so die Geschäftsführerin.

Die Corona-Krise habe leider auch im Hospiz für Wirbel gesorgt. „Wir hatten Glück, dass wir im Vorwege fast alles Material zusammen bekommen haben“, so Sabine Tiedtke. Allerdings seien die medizinischen Schutzmasken jetzt ein großer Kostenfaktor, der so nicht eingeplant war. Dadurch entstand eine Finanzierungslücke von rund 20.000 Euro, die das Hospiz durch Spenden zu decken hofft. Die Gesamtkosten des Bauprojekts erhöhen sich von 3,5 auf nun rund 4 Millionen Euro. „Da ist jetzt leider eine kleine Nachfinanzierung nötig“, sagt Tiedtke. Die Inneneinrichtung und Gestaltung der Außenanlagen wurde komplett über Spenden finanziert.

D ie Bewohner des Hospizes heißen Gäste und nicht Patienten, auch wenn sie zum Sterben hierher kommen. Und deshalb hat man als Besucher auch nicht das Gefühl in einem Krankenhaus, sondern in einem Wellness-Hotel zu sein. Das Haus, das über eine Gesamtfläche von mehr als 1200 m² verfügt, will seinen Gästen, die hier ihre letzten Lebenstage oder -wochen verbringen, die Zeit des Abschieds so angenehm wie möglich gestalten. Dafür sorgen auch die 30 Voll- und Teilzeitkräfte, die sich rund um die Uhr um alle Belange kümmern, wie palliative, therapeutische und psychosoziale Versorgung der Gäste. Für Angehörige gibt es zwei Apartments im Obergeschoss. Die zwölf Gästezimmer im Erdgeschoss haben ein barrierefreies Bad und eine kleine eigene Terrasse mit Blick ins Grüne. Ein Blick zur Decke offenbart etwas, das sich in jedem der Gästezimmer befindet, nämlich die „Blume des Lebens“, ein großes kreisrundes Ornament mit 90 Blütenblättern.

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Innenstadt zwischen Leichtsinn und Sorge

Stormarner Tageblatt  24.04.2020

Wirtschaftsvereinigung: Einen zweiten Shutdown vermeiden – Passanten fordern Kontrollen der Stadt

Der Andrang in der Oldesloer Innenstadt wird größer.Nie
Der Andrang in der Oldesloer Innenstadt wird größer.Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Es ist eine trügerische Sicherheit, in der sich viele Passanten in den Innenstädten wiegen. Durch die Wiedereröffnung zahlreicher Geschäfte unter Auflagen ist fast schon „Alltag“ in die Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen zurückgekehrt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich über die Entwicklung deutschlandweit bereits besorgt. „Wir bewegen uns auf dünnstem Eis“, sagt sie und appelliert daran, dass sich weiter an die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen gehalten wird.Ein Appell dem sich auch die Oldesloer Wirtschaftsvereinigung anschließt. Mit Sorge habe man die Entwicklung in den ersten Tagen beobachtet. „Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln sind weiterhin das Gebot der Stunde. Das gilt nicht nur für die Einzelhändler, sondern auch für die Bürger. Wir dürfen nicht aufs Spiel setzen, was wir durch unser gemeinsames verantwortungsvolles Handeln erreicht haben. Um einen zweiten Lockdown zu vermeiden, ist jeder dringend gefragt, alles zu tun, um eine zweite Welle der Infektion, die zu einem nochmaligen vollständigen Runterfahren der Wirtschaft führen könnte, zu vermeiden“, sagt Nicole Brandstetter von der Wirtschaftsvereinigung.

Bei einzelnen Geschäftsleuten kommt aber auch Frust auf. „Bei uns war mehrfach das Ordnungsamt, wir halten uns an alles und draußen sitzen dann sorglose Mitbürger mit fünf Leuten auf einer Bank und essen Eis. Und passiert gar nichts. Keine Kontrollen – gar nichts“, sagt eine Kauffrau aus der Hindenburgstraße. Angela Dittmar vom „Preisparadies“ beobachtet das Verhalten mancher Kunden auch mit Sorge. „Teilweise muss man schon sehr deutlich auf die Regeln hinweisen. Die meisten verstehen das dann aber. Ich möchte hier aber nicht auch noch Polizei spielen“, sagt sie. Eigentlich wollte sie am 15. Mai aus privaten Gründen ihr Geschäft schließen, jetzt hat sie eine Verlängerung geplant. „Fakt ist aber: Kommt ein zweiter Shutdown, mache ich für immer zu“, sagt sie. Das sei wirtschaftlich dann nicht mehr auszuhalten. Das müssten sich Passanten auch mal klar machen. „Wenn die Menschen wollen, dass die Geschäfte offen bleiben, dann müssen sie sich an die Regeln halten. Wenn sie wirklich wollen, dass die Gastronomie irgendwann wieder öffnen kann, müssen sie sich noch besser daran halten“, stellt sie klar. Die Wirtschaftsvereinigung will nun ihre Kampagne „Mit Herz und Abstand“ nochmal verstärken und die Wichtigkeit der Regeleinhaltungen verdeutlichen.

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Hier entsteht das Amazon-Verteilzentrum

Stormarner Tageblatt  24.04.2020

Hier entsteht das Amazon-Verteilzentrum

holger Kröger
holger Kröger

Bad Oldesloe Mehr als 12.000 Quadratmeter groß wird das Verteilzentrum, das der Internetversendhandel Amazon auf rund acht Hektar im Gewerbegebiet Süd-Ost an der A 1 in Bad Oldesloe baut. Schon im September soll das Gebäude fertig sein und seine Arbeit aufnehmen. In Spitzenzeiten werden dort rund 50 Lastwagen pro Nacht und täglich mehr als 300 Lieferwagen abgefertigt. ps

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Sie hat hier Geschichte geschrieben

Stormarner Tageblatt  23.04.2020

Bad Oldesloes Stadtarchivarin Sylvina Zander sagt „tschüs“

Freut sich auf Ihren Ruhestand nach 23 Jahren als Stadtarchivarin:  Dr. Sylvina Zander. privat
Freut sich auf Ihren Ruhestand nach 23 Jahren als Stadtarchivarin: Dr. Sylvina Zander. privat

Susanne Rohde Bad Oldesloe Eigentlich war zum Abschied eine Feier mit Kollegen und Weggefährten im Rathaussaal geplant, aber die muss jetzt ausfallen, wie so vieles in Zeiten von Corona. „Die Abschiedsfeier wird aber später noch nachgeholt“, verspricht Dr. Sylvina Zander. Die Stadtarchivarin geht jetzt nach 23 Jahren und unter vier Bürgermeistern im Dienste der Stadt Bad Oldesloe in den verdienten Ruhestand.

„Die Arbeit hat mit immer sehr viel Spaß gemacht. Die Oldesloer Geschichte ist spannend und die Stadt hat so viele Schichten und Facetten. Da ist das Stadtarchiv eine tolle Fundgrube“, erzählt die Stadtarchivarin der Kreisstadt: „Und ich hatte nie Probleme, die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung war immer gut.“

D er Einstieg in die Rente war schon im vergangenen Jahr vorgesehen, doch weil sich kein Nachfolger fand, blieb die 67-Jährige noch ein Jahr länger in Amt und Würden. Was allerdings nicht so schlimm war, denn so konnte Sylvina Zander noch besser an ihrem neuesten Buchprojekt arbeiten und recherchieren. Aber vor vier Wochen musste auch die Stadtarchivarin ins Dauer-Home-Office, zuhause in ihrer Wohnung in Lübeck. Die gebürtige Mecklenburgerin wuchs in Lübeck auf, wo sie bis heute lebt. Täglich fuhr sie mit dem Zug zur Arbeit nach Bad Oldesloe, das wird ihr jetzt doch ein bisschen fehlen.

„In Lübeck bin ich verwurzelt, aber Oldesloe bleibe ich verbunden“

„Es ist ein komisches Gefühl, aber ich werde weiterhin ab und zu zwecks Recherche für mein Buch nach Oldesloe fahren“, sagt Sylvina Zander, die in Hamburg Kunstgeschichte studierte und in Wirtschafts- und Sozialgeschichte promovierte. Noch während des Studiums heiratete sie und bekam zwei Kinder. Geschichtsthemen haben es ihr schon immer angetan, und so war ihre erste Arbeitsstelle im Lübecker St.-Annen-Museum, wo sie eine Ausstellung und einen Katalog über Carl Julius Milde erarbeitete. In Lübeck entstand auch ihre Promotionsarbeit über die Geschichte der Lübecker Mädchenbildung.

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