Schranken bleiben oben

Stormarner Tageblatt  10.01.2023

Anlage an der Lübecker Straße in Bad Oldesloe ist defekt

So sieht der Bahnübergang aus, wenn er intakt ist.  Patrick Niemeier
So sieht der Bahnübergang aus, wenn er intakt ist. Patrick Niemeier
Die Schranken und das Warnlicht werden ausgetauscht.  Finn Fischer
Die Schranken und das Warnlicht werden ausgetauscht. Finn Fischer

Patrick Niemeier

Das „Warnlicht“ blinkte, doch die Schranken am Bahnübergang in der Lübecker Straße blieben oben, während sich im langsamen Tempo ein Zug näherte – Passanten berichteten von dieser Situation rund um Silvester in Bad Oldesloe.

Pkw-Unfall ist der Grund für die Probleme
Die Deutsche Bahn bestätigt auf Nachfrage, dass die Schrankenanlage an dem Bahnübergang aktuell defekt ist. Grund dafür sei ein Unfall am 29. Dezember. Bei diesem hatte ein älterer Autofahrer, der auf der B75 aus Richtung Reinfeld unterwegs war, die Schranken gerammt. Während der Zusammenstoß für den Autofahrer relativ glimpflich ausging, waren die Schranken defekt. „Zwischen Weihnachten und Neujahr ist ein Pkw gegen den Schrankenantrieb des Bahnübergangs Lübecker Straße gefahren, daher muss nun auch der Erdfuß erneuert werden“, beschreibt eine Bahnsprecherin den Vorfall.

Bahn sieht keine Gefahr
Den Eindruck einer größeren Gefahr für Fußgänger und Autofahrer am Bahnübergang könne sie aber nicht teilen. Die Strecke sei nie komplett ohne Sicherung gewesen. Denn auch mit defekten Schranken und in der kurzen Zeit ohne die sogenannten menschlichen Bahnübergangsposten habe es ja noch das Haltesignal-Licht und das Andreaskreuz gegeben.
Ein Personaleinsatz für die Absicherung soll zunächst nicht sofort möglich gewesen sein. An Silvester musste der Übergang durch die Polizei daher kurzzeitig komplett gesperrt werden. Denn auch die Lichtanlage versagte plötzlich.
Seit einigen Tagen sind nun Bahnübergangsposten vor Ort, die manuell den Übergang sperren, sobald sich ein Zug nähert. Über dessen Ankunft werden sie zuvor rechtzeitig informiert.

Kampfmittelsondierung erforderlich
Ein Grund dafür, dass die zunächst nicht so aufwendig erscheinenden Reparaturen relativ lange dauern, sei darin zu finden, dass bei Erdarbeiten in dem Bereich zuvor eine Kampfmittelsondierung stattfinden müsse. „Diese in Bad Oldesloe obligatorische Kampfmittelsondierung hat mittlerweile stattgefunden“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Heute soll der neue Schrankenantrieb montiert werden. Geplant sei, dass vielleicht schon heute Abend oder ansonsten morgen der Bahnübergang wieder in Betrieb sein kann.

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Das tun die Stormarner Städte für das Klima

Stormarner Tageblatt  10.01.2023

Welche Ziele verfolgen Bad Oldesloe, Bargteheide, Reinbek und Co?

Joshua Hirschfeld

Klimaschutz. Als hehres Ziel tragen ihn viele vor sich her, ob Politiker, Unternehmen oder auch Kommunen. Was an Substanz hinter den Bekundungen steckt, ist allerdings häufig eine ganz andere Frage. Grund genug, in den sechs Städten des Kreises nachzufragen: Welche Ziele haben sich die Kommunen im Klimaschutz gesetzt? Und wie sollen diese konkret erreicht werden?

Bad Oldesloe und Bargteheide als Vorreiter
Als Vorreiter im Kreis präsentieren sich die Städte Bargteheide und Bad Oldesloe. Beide Kommunen wollen bereits bis 2035 klimaneutral sein. Die Stadt Ahrensburg verfolgt derweil den Plan, eine Klimaneutralität bis 2040 festzuschreiben. Fünf Jahre länger Zeit nehmen sich Reinbek und Glinde – und liegen so auf einer Linie mit dem Vorhaben des Bundes, Deutschland bis 2045 in die Treibhausgasneutralität zu führen. Reinfeld wiederum führt in seinem Klimaschutzkonzept an, bis zum Jahr 2050 lediglich 80 Prozent seiner Treibhausgasemissionen reduzieren zu wollen.

CO2-Ausstoß ist ganz unterschiedlich
Die Ausgangssituationen der Stormarner Kommunen stellen sich dabei relativ unterschiedlich dar. So startet Bargteheide seinen Weg zur Klimaneutralität mit einem CO2 -Ausstoß pro Einwohner von 4,4 Tonnen (Stand 2012). Glinde mit rund 7 Tonnen pro Einwohner (Stand 2019) und Reinfeld mit 9 Tonnen pro Einwohner (Stand 2014) verzeichnen deutlich höhere Ausstöße. An der Spitze des Rankings liegt Ahrensburg – mit einem CO2 -Ausstoß pro Kopf von 11,33 Tonnen (Stand 2010). Bad Oldesloe und Reinbek teilen keine konkreten Zahlen mit. Zum Vergleich: Der CO2 -Ausstoß pro Kopf im gesamten Kreis Stormarn liegt bei 9,9 Tonnen (Stand 2020).
Ziemlich dünn wird es, wenn man sich den Weg zur Klimaneutralität der Stormarner Kommunen im Detail anschaut. Nach sektorspezifischen (Zwischen-) Zielen gefragt, geben sowohl die Städte Bargteheide und Bad Oldesloe als auch Glinde an, dass solche im Moment nicht existierten.
Immerhin: Die Stadtverwaltung Bad Oldesloe arbeitet derzeit an der Fortschreibung ihres Klimaschutzkonzeptes inklusive Zwischenzielen für 2025 und 2030, in Bargteheide soll zeitnah ein Klimaneutralitätskonzept aufgestellt werden, und Glinde möchte bald ein Zwischenziel für die Einsparungen in seiner Kommunalverwaltung veröffentlichen.
Wirklich konkret ausbuchstabiert werden sektorspezifische Ziele nur von den Städten Reinfeld und Reinbek. In Reinfeld will man bis 2030 den Wärmeverbrauch um 17 Prozent und den Stromverbrauch um 20 Prozent reduzieren sowie den restlichen Stromverbrauch zu 32 Prozent aus lokalen erneuerbaren Energien decken.
Reinbek plant derweil mit einer Sanierungsrate privater Haushalte von zwei Prozent pro Jahr, einem Zubau von Photovoltaikanlagen um 30 Prozent, einem Zubau von Solarthermieanlagen um 43 Prozent sowie einer Verringerung des PKW-Verkehrs um 31 Prozent.

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Silberner Schlüssel der Stadt für Hospiz-Gründerin

Stormarner Tageblatt  09.01.2023

Bad Oldesloe: Sabine Tiedtke erhält begehrte Auszeichnung

Das Hospiz Lebensweg am Sandkamp bietet zwölf Gästen Raum in ihrer letzten Lebensphase.  Susanne Rohde-Posern
Das Hospiz Lebensweg am Sandkamp bietet zwölf Gästen Raum in ihrer letzten Lebensphase. Susanne Rohde-Posern
Große Ehre für Hospiz-Gründerin Sabine Tiedtke: Sie erhielt beim Neujahrsempfang der Stadt 2023 den Silbernen Schlüssel.  Andreas Olbertz
Große Ehre für Hospiz-Gründerin Sabine Tiedtke: Sie erhielt beim Neujahrsempfang der Stadt 2023 den Silbernen Schlüssel. Andreas Olbertz

Bad Oldesloe Besondere Ehre für Sabine Tiedtke: die Gründerin und Ideengeberin des stationären Hospizes „Lebensweg“ in Bad Oldesloe ist für ihr großes, ehrenamtliches Engagement durch die Stadt Bad Oldesloe ausgezeichnet worden.
Nach zwei Jahren Corona-Pause hatte die Stormarner Kreisstadt wieder zum Neujahrsempfang in das Kultur- und Bildungszentrum eingeladen. Und zu diesem Termin gehört neben Ansprachen des Bürgermeisters Jörg Lembke und der Bürgerworthalterin Hildegard Pontow auch die Ehrung einer oder eines besonders engagierten Menschen aus der Kreisstadt. Als Belohnung für diesen Einsatz wird der Silberne Schlüssel verliehen. Die Auszeichnung erhielten unter anderem schon Walter Albrecht für sein Engagement gegen Rechtsextremismus, die „Bella Donna“ Gründerin und Clownin Bärbel Nemitz, Claudia Franke von „Essen für alle“, Helga Denkelmann von den „Wollschwalben“ oder auch Bodo Rahnenführer vom „Prima-Malclub“ und Erfinder der „Hochzeitskette“ am Marktplatz.

Idee für das Hospiz entstand schon 2012
Beim Empfang 2023 ging die besondere Auszeichnung jetzt also an Tiedtke, die sich perfekt in die Reihe der bisher Geehrten einfügt. Die Oldesloerin hatte 2012 die Vision, ein stationäres Hospiz in der Kreisstadt zu gründen. Hartnäckig und mit unermüdlichem Einsatz blieb sie am Ball und konnte immer mehr Mitstreiter für ihr Projekt gewinnen. Trotz so mancher Hindernisse und Rückschläge konnte so aus der Vision und dem Herzenswunsch ein realer Ort werden.
Im Mai 2020 konnte das Hospiz schließlich am Sandkamp in Bad Oldesloe eingeweiht werden. Laut Tiedtke sei es auf vielen Ebenen ein besonderes Projekt gewesen. Vom Konzept über den prominenten Schirmherren Detlev Buck bis zur Einweihung, die mitten in den Beginn der Corona-Pandemie fiel.
Tiedtke ist der Teamgedanke wichtig, wie sie immer betonte und betont. Für sie sei das gesamte Hospiz-Team „wie eine Familie“. Die Visionen rund um das Hospiz sind durch viele Ideen immer weiter gewandert, seien es Alpakas, die in die Nachbarschaft einzogen oder ein ausgedienter Eisenbahn-Waggon, der für Trauerarbeit umfunktioniert wurde – die Ideen gehen Tiedtke und dem Hospiz-Team vom „Lebensweg“ nicht aus.
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Das sagt die Bahn zur Service-Wüste

Stormarner Tageblatt  09.01.2023

Unternehmen reagiert auf die Situation am Bad Oldesloer Bahnhof

Auf dem Weg zu den Gleisen: Bahn-Pendler fühlen sich dabei alles andere als sicher.  Patrick Niemeier
Auf dem Weg zu den Gleisen: Bahn-Pendler fühlen sich dabei alles andere als sicher. Patrick Niemeier

Patrick Niemeier

Keine Ansprechpartner am Gleis, keine Informationen über Verspätungen, ein abgeschlossenes Wartehäuschen, ausfallender Schienenersatzverkehr und streikende Fahrstühle – die Liste der Dinge, über die sich Pendler und Reisende in den vergangenen Wochen mit Blick auf den Oldesloer Bahnhof beschwerten, ist recht lang.

Hoher Krankenstand trifft auch die Bahn
„Es ist ja alles ganz gut und schön, was auf dem Oldesloer Bahnhof Bad Oldesloe Mustergültiges an Umbaumaßnahmen geschieht“, sagt ein Pendler aus Bad Oldesloe. Allerdings treffe er seit Monaten keine Bahnhofsaufsicht oder einen Schaffner mehr in dem Bahnhof an. In einer anderen Kritik heißt es, dass man „sich, sich selbst überlassen fühle“.
Konfrontiert mit den Kritikpunkten, reagiert die Deutsche Bahn jetzt auf Nachfrage. Grundsätzlich sei auf dem Bahnhof täglich von 7 bis 19 Uhr Servicepersonal im Einsatz. „Wie bei nahezu allen Unternehmen in Deutschland ist aber auch der Krankenstand bei unseren Mitarbeitenden aktuell hoch. Das kann leider zu Serviceeinschränkungen führen“, erklärt eine Bahnsprecherin die Abwesenheit des Service-Personals und den geschlossenen Info-Bereich.
„Wir bedauern die aktuellen Einschränkungen für unsere Fahrgäste sehr. Wir bei der DB tun alles, um die Auswirkungen auf unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. Wir versuchen, kurzfristig Ersatz für erkrankte Mitarbeitende zu finden“, führt die Bahnsprecherin weiter aus. Doch trotz aller Bemühungen und einem Einstellungsrekord könne der sehr hohe Krankenstand punktuell zu einer angespannten Personalsituation führen.
Allerdings führen die Personalausfälle auch zu Bahnausfällen, entgegnen die Kritiker der Bahn. Es sei komplett unverständlich, dass der neu eingerichtete Wartebereich verschlossen bleibe. Und das auch bei Minustemperaturen, Regen oder Sturm. „Der Warteraum wird durch unser Servicepersonal in den genannten Zeiten geöffnet und wieder geschlossen. Leider muss dies entfallen, wenn kein Personal vor Ort eingesetzt werden kann“, erklärt eine Sprecherin der Bahn dazu.
Was die Fahrstühle angehe, sei derweil der Aufzug am Bahnsteig 6/7 bereits seit Mitte August wieder im Betrieb. Nicht funktionierende Fahrstühle hatten immer wieder zur Kritik an der Barrierefreiheit gesorgt. Gerade Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen fühlten sich zum Teil von der Möglichkeit der Bahn-Nutzung ausgeschlossen. Allerdings gibt die Bahn zu, dass es in den vergangenen Monaten einige technische Störungen gab. Diese konnten allerdings behoben werden.
Wenn ein Schienenersatzverkehr – wie mehrfach kritisiert wurde – nicht eintreffen oder Informationen dazu fehlten, könnte es vielfältige Gründe haben, wie die Bahnsprecherin erklärt. Probleme in diesem Bereich könnten daher nicht pauschal beantwortet werden, sondern müssten im Einzelfall geprüft werden.

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Abriss alternativlos ?

Stormarner Tageblatt  09.01.2023

Nach Auszug des Corona-Impfzentrums: Offenbar keine Zukunft für die Jugendherberge in Bad Oldesloe

Eine Wiedereröffnung der Jugendherberge in Bad Oldesloe ist nicht geplant.  Patrick Niemeier
Eine Wiedereröffnung der Jugendherberge in Bad Oldesloe ist nicht geplant. Patrick Niemeier

Patrick Niemeier

Das Corona-Impfzentrum in Bad Oldesloe ist seit dem 29. Dezember 2022 Geschichte. Der Kreis Stormarn benötigt entsprechend die Räumlichkeiten in der Jugendherberge nicht mehr. Doch wie geht es nun eigentlich weiter? Kehrt die Jugendherberge zurück, die 2020 zuletzt ihre Türen öffnen konnte? 2019 hat es immerhin 11000 Übernachtungen in der Herberge in Stormarn gegeben.
Bürgermeister Jörg Lembke erklärte kürzlich überraschend, dass ein Abriss der Immobilie wahrscheinlich sei. Denn schon vor der Corona-Pandemie seien die Räumlichkeiten sanierungsbedürftig gewesen. Die Nutzung als Impfzentrum über zwei Jahre – mit kurzer Unterbrechung – habe die Situation sicherlich nicht verbessert. Das Gebäude ist per Erbpachtvertrag an den Deutschen Jugendherbergsverband (DJH) vergeben. Doch wie geht es nun weiter?

Jugendherberge nicht mehr wirtschaftlich
Stefan-Wehrheim, Geschäftsführer des Landesverbands „Nordmark“ der Deutschen Jugendherbergen, bestätigt, dass aktuell keine Wiedereröffnung geplant sein. Da das Gebäude in Bad Oldesloe nicht mehr den aktuellen Standards entspreche, erfülle es auch nicht mehr die Gästeerwartungen. Es sei daher nur schwer vorstellbar, das Haus in dieser Form nach einer möglichen Wiedereröffnung noch wirtschaftlich betreiben zu können.
„Wir würden uns als gemeinnützigem Verein – und damit der Infrastruktur für Kinder und Jugendliche, die wir als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe bereitstellen wollen – langfristig schaden, wenn wir das Haus wieder eröffnen würden, ohne auf die Wirtschaftlichkeit zu achten“, sagt Wehrheim.

Standort Bad Oldesloe hat Potenzial
Eine kurzfristige Wiedereröffnung der Jugendherberge in der Stormarner Kreisstadt sei daher keine Option. „Wir wollen das laufende Jugendherbergsnetz erhalten und sichern“, stellt Wehrheim klar. Nicht nur in Bad Oldesloe sei das eine Herausforderung. Denn die anhaltenden finanziellen Folgen der Pandemie und die steigenden Energiekosten führen laut Wehrheim dazu, dass der DJH als gemeinnütziger Verein eine Sanierung der Jugendherberge Bad Oldesloe nicht selbst stemmen könnte. Eine Hoffnung für den Standort an sich bleibt aber.
„Wir sehen Potenzial in Bad Oldesloe und im direkten Umfeld des Jugendherbergs-Standorts. Daher sind wir gerne gesprächsbereit, falls die Stadt einen Neubau anstreben sollte und einen Betreiber dafür sucht.“

Einzige Jugendherberge im Kreis Stormarn
Die Jugendherberge in der Kreisstadt war die einzige im Kreis Stormarn. Eine Eröffnung einer Ersatz-Herberge irgendwo anders im Kreis stehe aber aktuell nicht auf der Tagesordnung. „Das ist derzeit nicht im Gespräch“, sagt Wehrheim.

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