Hilfe für eingeschüchterte Mieter

Stormarner Tageblatt  11.05.2021

Oldesloer Lokalpolitiker wollen mit Mietrechtsberatung Hochhaus-Eigentümer in die Schranken weisen

Sorgen immer wieder für Schlagzeilen: Die betroffenen Bad Oldesloer Hochhäuser. Niemeier
Sorgen immer wieder für Schlagzeilen: Die betroffenen Bad Oldesloer Hochhäuser. Niemeier

Patrick Niemeier
Ein Loch in der Haustür, eine Heizung die streikt, ein offenliegendes Rohr in der Wand und ein Fahrstuhl, der immer wieder mal nicht fährt. Die Liste der Vorfälle und Mängel in den beiden Hochhäusern im Bad Oldesloer Hölk und Poggenbreeden ist lang und bekannt. Mittlerweile stoßen auch die engagierte Quartiersmanagerin Maria Herrmann („Q8“) vom Stadtteil-Projekt „Plan B“ und ehrenamtliche Helfer vor Ort, wie der Stadtverordnete Jens Wieck (CDU), an ihre Grenzen.
Das Problem sei, dass in manchen Fällen das Vertrauen der Bewohner in die Gesellschaft nachhaltig so erschüttert sei, dass sie keine Hilfe mehr suchen oder annehmen. Noch dazu werden die Herausforderungen in Sachen Mietrecht komplexer.
Daher stellten SPD, Grüne, Linke und Christdemokrat Wieck einen Antrag, dass das Stadtteil-Projekt Plan B rund um die Quartiersmanagerin eine professionelle Mietrechtsberatung auf den Weg bringen soll.
„Wir dürfen diese Menschen nicht länger der Willkür eines Vermieters aussetzen. Es kann nicht sein, dass Investoren ihre Immobilie offenbar absichtlich für den maximalen Gewinn in so einem Zustand belassen“, sagt Hendrik Holtz (Die Linke). Auch Carsten Stock (SPD) betonte, dass es aufhören müsse, dass diese Menschen das Gefühl bekämen, von der Gesellschaft vergessen worden zu sein.
Anita Klahn (FDP) hatte allerdings größere Bedenken. Erstens gebe es bereits mehrere Möglichkeiten in der Stadt an Mieterberatungen teilzunehmen, außerdem frage sie sich, warum der erfahrene, ehrenamtliche Mieterberater Gerd-Günter Finck nicht involviert werde. „Wie die SPD selbst in ihrem Ursprungsantrag formuliert hat, müssen Mieter gegenüber ihrem Vermieter selbst handeln. Das bestätigte auch Frau Herrmann als Koordinatorin des Stadtteilprojektes“, führte Klahn aus. Sie verstehe das Anliegen, sie wisse um die Probleme, aber so einfach sei die Situation halt nicht zu lösen. „Wir würden es angehen. Wir sind bereit- Es ist für viele der Menschen dort nicht möglich eine Mieterberatung aufzusuchen. Sie haben längst das Vertrauen verloren“, sagte Herrmann. „Der Eigentümer sitzt die Probleme aus, schickt sehr schnell Anwälte oder Inkasso-Büros vor“, führte Herrmann weiter aus. Ziel müsse es mit einer professionellen Beratung auch sein, einen Mieter zu einer Klage gegen den Eigentümer zu bewegen, die auch Erfolgsaussichten habe. „Durch den Wortbeitrag von Frau Herrmann wurde deutlich, dass die eigentliche Zielsetzung ist, mit politischer und städtischer Unterstützung eine Musterklage gegen die Eigentümer der Hölk-Hochhäuser zu führen“, sagt Klahn. Das sei rechtlich problematisch. Und grundsätzlich gebe es strenge gesetzliche Regelungen für Rechtsberatungen, sagte die Liberale. Wieck (CDU) konnte die Einwände zum Teil verstehen. Ihm platzte aber der Kragen, weil für ihn die Art von Klahns Ausführungen weltfremd wirke. Die Mieter könnten sich halt keinen eigenen Anwalt leisten, sie würden zum Großteil nichtmal ihre Rechte kennen.
Herrmann stellte klar, dass es gerade daher ein niedrigschwelliges Angebot vor Ort geben müsse. Denn „Plan B“ sei es immerhin schon gelungen das Vertrauen mancher durch das Verhalten ihres Vermieters eingeschüchterten Mieter zu gewinnen. Es seien erste Erfolge zu verzeichnen. So konnte die falsche Abrechnung von Fernsehanschlüssen rückabgewickelt werden.
Im Endeffekt einigte man sich im Ausschuss auf eine Art Kompromiss. Herrmann erhielt den Auftrag, ein Konzept zu erarbeiten, wie eine Mieterberatung im Sinne der Bewohner aussehen und mit welchen Kooperationen sie umgesetzt werden könnte. Denn dass den Mietern geholfen werden müsse, wollte kein Ausschussmitglied in Frage stellen.

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Frühlings-Lust statt Corona-Frust

Stormarner Tageblatt  10.05.2021

Die Außengastronomie hat wieder geöffnet, die Sonne scheint und auch Kontaktbeschränkungen sind in Stormarn gelockert

Großer Andrang an den Ständen des Bad Oldelsoer Wochenmarkts am Sonnabend. Patrick Niemeier/Peter Wüst
Großer Andrang an den Ständen des Bad Oldelsoer Wochenmarkts am Sonnabend. Patrick Niemeier/Peter Wüst
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Ein ganz besonderes Treffen fand im Brunsbeker Ortsteil Papendorf statt.
Zahlreiche Stormarner, aber auch Hamburger haben am Muttertag das herrliche Wetter zu einem Ausflug genutzt.

Stefan Jansen (l.) und Peter Coombes freuten sich über große Nachfrage an ihrem Gartenpflanzenstand in Bad Oldesloe.

Peter Wüst und Patrick Niemeier
Das Frühlingswetter kam pünktlich zum Ende der verschärften Corona-Shutdownbedingungen und zum Muttertag. Diese Kombination lockte viele Stormarner am Sonntag in die Innenstädte und zu den Ausflugszielen in der Umgebung. Blauer Himmel, kaum Wolken und um die Mittagszeit schon 23 Grad: Zahlreiche Stormarner, aber auch Hamburger haben am Sonntag das herrliche Wetter für einem Ausflug in die Natur genutzt.Es hatten allerdings noch nicht alle Ausflugsziele ihre Außengastronomie geöffnet. Am Forsthaus Seebergen in Lütjensee war aber zum Beispiel das Gartenrestaurant bereits gut besucht. Das galt auch für die Eisdielen zum Beispiel in der Bad Oldesloer Fußgängerzone. Andere Gastronomen warten noch die weitere Entwicklung ab und setzen auf die Lockerungen auch für die Innen-Gastronomie ab 17. Mai. Denn die Wiedereröffnungen müssen sich ja auch wirtschaftlich tragen.

Oldtimertreff im Rapsfeld
Ein ganz besonderes Treffen fand derweil im Brunsbeker Ortsteil Papendorf statt. Dort trafen sich am Sonntagmorgen spontan vier Stormarner mit ihren Oldtimer Treckern und fuhren gemeinsam zu einem nahegelegenen Rapsfeld. Vor Ort zeigte Carsten Springer voller Stolz seinen MAN Baujahr 1960, Arne Tautkus seinen Fendt Baujahr 1978, Jan Wagner einen Deutz Baujahr 1962, und Michael Ehling einen Güldner aus dem Jahr 1962. Zum Fototermin vor dem Bauernhof kam auch spontan Landwirt Heinrich Wagner mit einem Fahr aus dem Jahr 1953 vorbei.

Viel los in der Oldesloer Fußgängerzone
Währenddessen hatten sich viele Stormarner Biker zu einem Sonntagsausflug quer durch Stormarn getroffen, aber nicht mit ihren schweren Maschinen. Alle hatten sie für die Ausfahrt ihre Mofas klargemacht. Aber auch viele Mütter waren mit ihren Kindern unterwegs: Zum Sonntagspicknick mit den Kindern trafen sich Alexandra Gradtke aus Ahrensburg und Martha Bebnowski auf der Wiese vor dem Restaurant Il Lago am Lütensee. Großer Andrang herrschte bereits am Sonnabend unter anderem auf dem Bad Oldesloer Wochenmarkt, wo man nach dem Ende der verschärften Corona-Maßnahmen wieder mit mehr als nur einer Person aus jedem Haushalt einkaufen gehen durfte. Passend zum Muttertag und zum anstehenden frühlingshaftem Wetter war es vor allem auch am Gartenpfanzenstand von Peter Coombes sehr gut gefüllt. „Es war richtig voll heute. Das ist quasi wie der 1. Advent auf dem Wochenmarkt“, sagte Coombes. Sein Mitarbeiter Stefan Jansen war insgesamt auch sehr positiv gestimmt hofft aber, dass die Innenstadtgäste sich trotz der ersten Lockerungen weiterhin verstärkt an Abstandsregeln und Co. halten. Er hatte beobachtet, dass manche Marktbesucher wohl die Lockerungen insofern missverstanden hatten, dass sie auch auf ihren Nasen- und Mundschutz und jegliche Abstände verzichteten.

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Chorwettbewerb „Choralle“ in Bad Oldesloe

Stormarner Tageblatt  10.05.2021

Gesangswettkampf mit 600 Chorsängern aus Schleswig-Holstein und Hamburg im Herbst 2022

BAD OLDESLOE 35 Chöre aus Hamburg und Schleswig-Holstein, 600 Sängerinnenen und Sänger auf verschiedenen Bühnen, ein Rahmenprogramm in der Bad Oldesloer Innenstadt – all das klingt in Corona-Zeiten wie eine fast entfernte Kulturgalaxie. Doch im September 2022, wenn nach bisherigen Einschätzungen die Pandemie soweit im Griff ist, dass Chöre wieder proben und auftreten können, soll ein großes Chorfestival in der Stormarner Kreisstadt über die Bühne gehen. Die letzte Hürde für den gemeinsamen Wettbewerb des Landesmusikrats Schleswig-Holstein und seines Pendants in Hamburg wurde in der Bad Oldesloer Stadtpolitik jetzt genommen.
Die beantragten 9480 für eine Rahmenprogramm benötigten Euro werden zur Verfügung gestellt. Lydia Hofmann, Projektleiterin des Landesmusikrats SH, präsentierte das Vorhaben im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss. Es gab Lob von allen Seiten. Bürgermeister Jörg Lembke zeigte sich stolz, dass der nur alle vier Jahre – und dann noch im Wechsel mit Hamburg – stattfindende Wettbewerb nach Bad Oldesloe kommen möchte. Das sei ein Zeichen für die gute Kulturarbeit vor Ort. Tatsächlich ist die Kreisstadt spätestens seit der Eröffnung des Kultur- und Bildungszentrums im Jahr 2016 weit über die Region hinaus für ein ambitioniertes und abwechslungsreiches Kulturprogramm bekannt. „Es ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, welche Wirkung das für Bad Oldesloe noch mal haben kann, dass so ein Wettbewerb bei uns stattfindet“,freute sich Carsten Stock (SPD). Das unterstrich auch Hendrik Holtz (Die Linke). „Wir sind halt gar nicht so verschlafen, wie viele Leute immer meinen, gerade im Bereich der Kultur nicht. Dort haben wir viele Aktive hier vor Ort, die ein tolles Programm zusammenstellen. Darauf können wir stolz sein. So ein Angebot von außen, wird das bereichern“, führte er weiter aus. Er dankte Bürgermeister Lembke und Bürgerworthalterin Hildegard Pontow (CDU), dass diese zusätzlich die Idee haben, die Chöre der Oldesloer Partnerstädte zu involvieren. Von den Möglichkeiten vor Ort überzeugte sich Hofmann bereits bei ihrem Besuch gemeinsam mit dem Team des Kulturbüros der Stadt.
Fingerspitzengefühl bewies die Lokalpolitik, als sie das beantragte Geld zusätzlich zu dem Kulturbudget von 30.000 Euro für lokale Vereine und Veranstalter bewilligte. Annelie Strehl (FBO) hatte zwar zunächst vorgeschlagen, die 9480 Euro aus diesem Fördertopf zu entnehmen, fand für diesen Vorstoß aber keine Unterstützung. Gerade nach der Pandemie sei es sehr wichtig, dass die Kulturschaffenden vor Ort ausreichend Geld erhalten, um wieder auf die Beine zu kommen und nicht noch geringere Budgets erhalten, betonte unter anderem Tom Winter (Stadtfraktion). Auch Anita Klahn (FDP) machte deutlich, dass die Kultur eher mehr als weniger Unterstützung brauche. Fast ein Drittel des Budgets für lokale Kulturförderung für 2022 jetzt schon zu verplanen, sei keine Option und auch ein ganz falsches Signal. So einigte man sich auch bei diesem einzigen Streitpunkt rund um das Thema im Endeffekt, so dass dem großen landesweiten Chorwettbewerb im Herbst 2022 nichts im Wege steht. Auch Musikschulleiter Marian Henze freute sich entsprechend. „Wir wollen natürlich daran teilhaben und gleichzeitig unterstützen“, sagte er.
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Wegen Corona: Poggensee-Triathlon fällt erneut aus

Stormarner Tageblatt  10.05.2021

Wegen Corona: Poggensee-Triathlon fällt erneut aus

Bad Oldesloe Eine weitere traditionelle Sportveranstaltung in Stormarn wird coronabedingt in diesem Sommer nicht stattfinden: Nachdem bereits im vergangenen Jahr der Spiridon-Club Bad Oldesloe die Durchführung des Poggensee-Triathlons absagen musste, hat das Organisationsteam gemeinsam mit dem Vorstand beschlossen, die Planungen für den diesjährigen Wettkampf zu stoppen. Das gab der Spiridon-Club in einer Presseerklärung bekannt. Zu ungewiss sind aktuell die Rahmenbedingungen, zu hoch die Corona-Schutz-Auflagen für Abstand und Hygiene.
Marie-Carolin Schulz aus dem Orga-Team bedauert die erneute Absage: „Alle Starter hatten in den letzten Jahren immer viel Spaß bei unserem kleinen, aber feinen Poggensee-Triathlon. Es ist sehr schade, dass es in diesem Jahr leider noch nicht möglich sein wird.“
Traditionell wird dieser Wettkampf am ersten Juli-Wochenende im Freibad Poggensee gestartet. Die für dieses Jahr bereits angemeldeten Sportler behalten ihren Startplatz, der automatisch ins nächste Jahr übertragen wird.
ssi

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Stormarner Wochenschau: Lockerungen und Unfälle

Stormarner Tageblatt  08.05.2021

Lockerungen und Unfälle

Karitkatur Megi Balzer
Karitkatur Megi Balzer

Patrick Niemeier und Guido Behsen

Regel-Kunde
Der verschärfte Shutdown ist vorbei und ab 17. Mai stehen die nächsten Lockerungsschritte in Aussicht. Das erste Mal seit Monaten wirkt es so, als sei da Frühlingslicht am Ende des Corona-Tunnels. Doch die Diskussionen laufen nicht nur in den Talkshows, sondern auch in den wieder geöffneten Straßencafes: zu früh, zu spät, zu streng, zu locker? Das Problem ist und bleibt , dass es keine Erfahrungswerte mit einer Pandemie in dieser Dimension in unseren Breitengraden gibt. Egal, ob die Kritiker oder Befürworter in ein paar Wochen Recht behalten haben – ein „Das habe ich doch gleich gesagt“ wird uns nicht weiterbringen. Verständlich ist, dass Gastronomen, Sportler, Kulturschaffende und alle Urlaubsreifen nervös an der Startlinie stehen und auf das Signal warten. Da kann man nur hoffen, dass alle noch im Training sind, sich ihre Energie einteilen und zugleich nicht disqualifiziert werden, weil sie sich nicht an die – noch immer bestehenden – Regeln halten. Denn besonders ärgerlich wäre es doch auf der Zielgeraden aus dem Rennen genommen zu werden oder den Abbruch des gesamten Laufes zu riskieren, um in der Sportsprache zu bleiben.

Phantom-Diskussion
Kein Kind soll ohne Essen aus einer Oldesloer Schulmensa nach Hause geschickt werden. Wer könnte da schon dagegen sein? Wer ist so herzlos und fordert, dass Kinder nicht mitessen dürfen, wenn ihre Eltern nicht fristgemäß gezahlt haben? Natürlich niemand. Doch dieses Schreckgespenst wurde wegen einer Klausel im Vertrag mit den Mensacaterern in Bad Oldesloe erschaffen. Dabei ist es bisher eben auch nur ein Gespenst. Die Diskussion bringt ein Problem in die Öffentlichkeit, das es in der Realität bislang nicht gibt. Nun aber entsteht der emotionalisierte Eindruck, dass die aktuellen Betreiber es womöglich in Erwägung ziehen würden. Bedenken, dass das Streichen des Passus Tür und Tor für vielleicht etwas charakterschwache Eltern öffnen könnte, die nicht zahlen, aber auf die Versorgung pochen, wurden als kinderfeindlich abgetan. Die Quintessenz: Betreibern darf unterstellt werden, Kinder hungern lassen, aber niemals darf man Eltern zutrauen, nicht zu bezahlen, weil ihr Kind ja trotzdem Essen bekommt.

Corona-Unfälle
Über die – vor allem negativen – Corona-Folgen ist viel geredet und diskutiert worden. Dass die Pandemie sogar die Unfallstatistik beeinflusst, dürfte dabei zu den überraschenden Erkenntnissen zählen. Demnach sind die Menschen in Lockdown-Zeiten mehr mit dem Rad gefahren, viele hätten sich zudem ein E-Bike angeschafft. Das erkläre die Zunahme von Verkehrsunfällen mit zum Teil schwerverletzten Radfahrern, so Polizeidirektor Bernd Olbrich. Da bekommt das inzwischen geflügelte Wort „Bleiben Sie gesund“ eine zusätzliche Bedeutung.

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