Corona-Regeln: Oldesloe bleibt locker

Lübecker Nachrichten   12.05.2020

Nach der Corona-Lockerung bevölkerten unzählige Jugendliche den Exer in Bad Oldesloe – Viele Verstöße gegen die Abstandsgebote – Stadt belässt es vorerst bei Ermahnungen

Vorbildlich: Diese Kicker hielten sich gestern an die Abstände. fotos: freundt/fofana

Bad Oldesloe. In der morgendlichen Corona-Runde im Oldesloer Stadthaus gab es gestern ein vorherrschendes Thema: die Lockerung der Corona-Regeln und deren Einhalten beziehungsweise das Nicht-Beachten durch die Bevölkerung. Hintergrund war, dass nach der Öffnung des Kunstrasenplatzes auf dem Oldesloer Exer sowie des Skatelands am Freitag viele Jugendliche sofort die neu gewonnene Freiheit nutzen wollten und die Spiel- und Sportstätten stürmten.

Teilweise bolzten 40 bis 50 Jugendliche zeitgleich auf dem für alle zugänglichen Kunstrasenplatz – an die Abstandsgebote hielt sich niemand. „Schade“, sagte Oldesloes Stadtsprecherin Agnes Heesch, die sich vor Ort selbst ein Bild von den Aktivitäten machte. „Kontaktarmes Fußballspielen scheint nicht möglich zu sein. Und Rücksicht wurde auch nicht groß genommen.“ Das Ordnungsamt – ohnehin ja schon schwer beschäftigt aufgrund der Corona-Krise – musste ein paar Mal einschreiten.

Im Stadthaus wurde gestern auch eine erneute Sperrung der Plätze diskutiert, die Verantwortlichen entschieden sich jedoch bewusst dagegen und setzen auf die vernünftige Mitarbeit der jungen Menschen.

„Die Stadt Bad Oldesloe hat die Spielplätze und andere Einrichtungen wie Skateland und Kunstrasenplatz wieder geöffnet, um insbesondere dem Bewegungsdrang von Kindern und Jugendlichen Rechnung zu tragen, die lange genug in ihren Entfaltungsmöglichkeiten beschnitten waren und zum Teil immer noch sind“, teilt dazu Bürgermeister Jörg Lembke mit. „Natürlich weisen überall Hinweisschilder auf die nach wie vor geltenden Abstandsregelungen hin. Gleichwohl ist uns bewusst, dass es gerade diesen Nutzergruppen sehr schwer fällt, die notwendigen Abstände immer einzuhalten.“

Der Umstand, „dass auf dem Skateland und dem Exer noch nicht alles reibungslos läuft, wird von uns aufmerksam beobachtet“, sagt der Bürgermeister weiter. Das Ordnungsamt werde durch stichprobenartige Kontrollen weiterhin versuchen, die Nutzer auf etwaiges Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Lembke: „Von einer erneuten Schließung der Anlagen sehen wir zunächst aber ab.“

Dies habe mehrere Gründe: Zum einen habe das Land verkündet, bereits von der kommenden Woche an wieder alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens öffnen zu wollen. „Wenn dies passiert, werden sicher ganz andere Bereiche im Fokus stehen wie die Strände an Nord- und Ostsee oder Gastronomiebetriebe“, meint Jörg Lembke.

Veröffentlicht unter Presseartikel |

Kritik an früher Öffnung

Stormarner Tageblatt  12.05.2020

CDU-Stadtverordnete sehen Probleme auf dem Kunstrasen / Bürgermeister sieht Normalität

Ausgehängte Regeln.Nie
Ausgehängte Regeln.Nie

Bad Oldesloe Nachdem am Wochenende kurz nach der Öffnung von Kunstrasenplatz und Skateland in Bad Oldesloe direkt die Regeln deutlich verletzt wurden (wir berichteten), regt sich in der Lokalpolitik Kritik.

Während sich die Situation auf den ihm bekannten Spielplätzen eingespielt habe, wo gleich nach Beginn der Öffnungen Eltern die Abstandsregeln auch noch deutlich sichtbar verletzt haben, sei die Situation am Skateland und auf dem Kunstrasen bedenklich, sagt unter anderem der CDU-Stadtverordnete Andreas Lehmann.

„Bei mir haben sich inzwischen Bürger über die Situation beschwert. Die Abstandsregel wird auf dem Kunstrasen überhaupt nicht beachtet und weder Ordnungsamt noch Polizei kontrollieren das Geschehen“, so Lehmann.

„Meiner Ansicht nach sollte das Ordnungsamt auf diesen Flächen mindestens jede Stunde Kontrollen durchführen und gegebenenfalls Platzverweise aussprechen“, so Lehmann. Personalnot könne jetzt keine Ausrede sein. Den Job könnten die Mitarbeiter der Bußgeldstelle übernehme. „Die Parkplatzüberwachung hat in Zeiten der Corona-Pandemie keine Priorität. Die Überwachung der Allgemeinverfügung des Kreises Stormarn und der Landesverordnungen sollte hier generell vorrangig sein“, stellt Lehmann klar. Auch der CDU-Stadtverordnete Jörn Lucas sieht die Entwicklung auf dem Kunstrasenplatz kritisch. Abstände würden nicht eingehalten.

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag eindringlich davor warnte, dem Irrglauben zu erliegen, die Coronakrise sei vorbei und es sei eine „Normalität“ erreicht, empfindet das Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke deutlich entspannter. Er sieht das Land und den Kreis durchaus auf dem Weg zu einer baldigen Normalität. Zwar seien die Regeln ausgehängt und man habe mit der erneuten Schließung gedroht, wolle davon jetzt aber absehen, obwohl die Verstöße bekannt seien.

Ein Freibrief für unerlaubtes Kicken also? „Wir erwarten von den Nutzern, sich an die geltenden Regeln zu halten, bitten aber auch die Bürger um ein wenig Nachsicht gegenüber den Kindern, die im Eifer des Gefechts vielleicht auch mal die Regeln übertreten“, so der Verwaltungschef. Er halte die Ansteckungsgefahr mit Blick auf die Zahlen in Stormarn für gering. „Der Bürgermeister kann da jetzt nicht so banal darüber hinweggehen. Es ist einfach sein Job, die Regeln umzusetzen und zu kontrollieren“, so Lehmann. nie

Veröffentlicht unter Presseartikel |

Abstand halten zwischen Schaukeln und Radieschen

Stormarner Tageblatt  12.05.2020

Kleingartenvereine der Kreisstadt verzeichnen in Corona-Zeiten Ansturm auf Parzellen

Ralf Klesch, Abdurrahman Cecitlioglu und Bernhard Maes (v.l.) vom Vorstand des Kleingärtnervereins von 1950 halten Abstand zwischen Blumenbeet und Rasenfläche. Rohde
Ralf Klesch, Abdurrahman Cecitlioglu und Bernhard Maes (v.l.) vom Vorstand des Kleingärtnervereins von 1950 halten Abstand zwischen Blumenbeet und Rasenfläche. Rohde
Schaukeln und Spielgeräte für Kinder sind in vielen Kleingärten zu sehen.

Schaukeln und Spielgeräte für Kinder sind in vielen Kleingärten zu sehen.

Susanne Rohde Bad Oldesloe Wer einen Garten hat, kann sich jetzt in der Corona-Krise glücklich schätzen. In einer Zeit, in der Urlaubsreisen immer noch tabu sind, bleibt einem nur die Natur vor der eigenen Haustür, um sich zu erholen – zumal, wenn das Wetter so herrlich ist, wie in diesem Frühjahr. Das merken auch die Kleingartenvereine in der Kreisstadt, denn sie verzeichnen eine erhöhte Nachfrage nach Parzellen.

Im Kleingartenverein von 1950 in der Industriestraße grünt und blüht es auf 4,6 Hektar, dass es eine Freude ist. Die Ligusterhecken sind auf 120 Zentimeter Höhe in Form geschnitten und in vielen Gärten spielen Kinder und hüpfen auf ihren Trampolins. „Wir haben keine Probleme, unsere Parzellen schnell wieder zu verpachten“, sagt Ralf Klesch vom Vorstand des Vereins.

Platz für Rentner und Familien mit Kindern

Auch wenn sich die Pachtpreise inzwischen erhöht haben, gehen die Kleingärten auch zu höheren Preisen viel schneller weg, als früher. Im Schnitt betragen die Kosten – je nach Wertermittlung und Pflegezustand – rund 3000 Euro für die Übernahme eines Kleingartens mit Laube und allem im Garten befindlichen Inventar. Inzwischen sind die meisten Laubenpieper nicht mehr nur Rentner mit viel Zeit, sondern in erster Linie Familien mit Kindern. Davon zeugen Schaukeln, Plantschbecken und Trampoline in den 80 Parzellen. Manche der meist 400 qm großen Gärten ähneln daher eher einem Spielplatz, aber immer noch gibt es die Vorgabe, dass die Kleingärten nicht in erster Linie dem Freizeitvergnügen und Grillpartys, sondern dem Gärtnern und Anbau für die eigene Versorgung mit Obst und Gemüse dienen sollen.

Früher wurde hier bis zum letzten Quadratzentimeter geackert“, sagt Ralf Klesch. Und das ist jetzt wieder angesagt – die Selbstversorgung mit Kartoffeln, Zwiebeln, Radieschen und Johannesbeeren erfährt gerade eine Renaissance. Auch die Hühnerhaltung ist wieder in. „Wir unterliegen als Verein dem Bundeskleingartengesetz, deshalb sind wir auch eine öffentliche Grünanlage“, sagt Bernhard Maes vom Vereinsvorstand. Das heißt, dass jeder Bürger das Vereinsgelände für einen Spaziergang nutzen darf. Hundebesitzer sind allerdings dazu angehalten, ihre Vierbeiner anzuleinen, was leider nicht immer der Fall ist.

Veröffentlicht unter Presseartikel |

Die Altkleider-Schande

Stormarner Tageblatt  11.05.2020

Oldesloer entsorgen Altkleider illegal wo zuvor Container standen / Eurocycle-Container stehen weiterhin

Rücksichtloser Egoismus: Ignorante Mitbürger  entledigen sich ihrer Altkleider einfach im Oldesloer StadtbildNiemeier
Rücksichtloser Egoismus: Ignorante Mitbürger entledigen sich ihrer Altkleider einfach im Oldesloer StadtbildNiemeier

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die Firma „Eurocycle“ sorgt deutschlandweit für Schlagzeilen. In verschiedensten Orten stellen die professionellen Altkleidersammler ihre Container auf, zum Teil klagt sich das Unternehmen das Recht dafür ein. Diese massenhafte Aufstellung des in der Kritik stehenden Unternehmens im Oldesloer Stadtgebiet führte dazu, dass es in der Kreisstadt es Mitte April komplett untersagt wurde, auf öffentlichem Grund Altkleider zu sammeln.

Die gemeinnützigen Organisationen und auch andere professionelle Sammler entfernten denn auch ihre Container. Doch ausgerechnet Eurocycle kam der Aufforderung – wie auch in anderen Städte – nicht nach. Anwohner ärgern sich, dass noch immer die nun illegale positionierten Container im Stadtbild zu sehen sind. Telefonisch war das Unternehmen – das noch recht neu im Geschäft sein soll – für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Übrigens ist Bad Oldesloe dabei kein Einzelfall, wenn man Berichte aus anderen Städten und Gemeinden in Deutschland verfolgt.

Offenbar scheint sich die Kreisstadt jetzt in einem Rechtsstreit mit Eurocycle zu befinden. Denn genaue Auskunft darüber, weshalb sich die Container zum Teil noch im Stadtbild befinden, will man nicht geben. „Derzeit befindet sich die Stadt Bad Oldesloe in einem schwebenden Verfahren. Bis zum Abschluss des Verfahrens dürfen keine Auskünfte erteilt werden. Eine Möglichkeit wäre ein Bußgeld, wie hoch dieses ausfallen könnte, richtet sich nach den jeweiligen rechtlichen Vorgaben und einer Ermessensentscheidung im jeweiligen Einzelfall“, so Stadtsprecherin Agnes Heesch.

Ein zweites Problem ist die Ignoranz einzelner Mitbürger: An den Stellen, wo Altkleidercontainer bereits abgebaut worden sind, legen sie weiterhin ihre alte Kleidung illegal ab. Und das scheint sogar zu funktionieren, denn offenbar wird diese illegal entsorgte Kleidung eingesammelt. So wurde am Oldesloer Bürgerpark ein weißer Sprinter beobachtet, der zwei große, mit Kleidung befüllte Pappkisten mitnahm. Entstanden sind in den letzten Wochen so neue „Schandflecken“, die auch ein größeres hygienisches Risiko in der Kreisstadt bilden.

Veröffentlicht unter Presseartikel |

Corona-Regeln auf Bad Oldesloer Kunstrasenplatz gleich gebrochen

Stormarner Tageblatt  11.05.2020

Corona-Regeln auf Bad Oldesloer Kunstrasenplatz gleich gebrochen

Hinweisschild am Kunstrasen
Hinweisschild am Kunstrasen

Bad Oldesloe Skeptiker hatten es befürchtet, doch Bürgermeister Jörg Lembke wollte den Oldesloern sein Vertrauen schenken und ließ auch die Bolzplätze und den Kunstrasenplatz wieder öffnen. Doch schon wenige Stunden später wurde mehrfach deutlich, dass die Regeln zum kontaktfreien Sport und dem nötigen Abstand nicht eingehalten werden. Auch die maximale Anzahl an Sportlern auf dem Platz wurde deutlich überschritten. „Man wird wohl leider wieder über eine Sperrung beraten müssen“, so Stadtsprecherin Agnes Heesch. nie

Veröffentlicht unter Presseartikel |