Stormarner Schnappschuss

Stormarner Tageblatt  21.01.2023

Patrick Niemeier
Patrick Niemeier

Bad Oldesloe Vollkommen legal haben Graffiti-Künstler die Skateland-Anlage in der Stormarner Kreisstadt verziert. Immer wieder werden hier auch Motive durchgetauscht. Abgesehen von dem Street-Art-Porträt war aber niemand zu entdecken. Bei kühlen Temperaturen und Schnee oder Regen ist die Anlage natürlich nicht so beliebt wie in den Sommermonaten, in denen sie ein wichtiger Treffpunkt ist.
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Was ein Neubau in diesem Jahr kostet

Stormarner Tageblatt  20.01.2023

Traum vom Eigenheim wird teuer / Bauexperte klärt über den Stormarner Immobilienmarkt auf

Finn Fischer

Wer jetzt ein Haus baut, muss wesentlich mehr investieren als noch vor ein paar Jahren. Die Energiekrise und eine drohende Rezession haben dem Immobilienmarkt stark zugesetzt. Auch Menschen mit hohen Einkommen können sich im Vergleich zu Anfang 2022 kaum noch Immobilien leisten. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Vor allem Großstadtregionen sind teuer geworden. Die Zahl an erschwinglichen Ein- und Zweifamilienhäusern hat sich für das reichste Fünftel mehr als halbiert. Fast genauso stark gesunken ist die Auswahl im Umland der Metropolen. Der Hamburger Bauexperte Christian Paulsen berät auch Kunden in Stormarn, die statt Miete zu zahlen lieber ein Eigenheim bauen oder eine gekaufte Immobilie sanieren wollen. „Die Lage für den privaten Bauherren ist durch Baukostensteigerung bei gleichzeitigem Anstieg der Zinsen und einer Streichung von Zuschüssen wie KfW Förderungen nicht gerade rosig“, sagt Paulsen.
Bisher habe sich an der Nachfrage nach seinen Diensten aber nicht viel geändert, sagt Paulsen: „Die Auswirkungen werden sich erst im nächsten halben Jahr zeigen. Bisher arbeiten wir an den Projekten, die vor über einem halben Jahr oder gar Jahr verkauft wurden.“
Auch damals war Bauen schon teuer, aber im Vergleich zu heute noch erschwinglicher. Wer Ende 2022 als Paar ein mittleresEinkommen, also rund 3730 Euro netto hatte und ein Einfamilienhaus kaufen wollte, konnte sich lediglich 28 Prozent der angebotenen Objekte leisten. Anfang des Jahres waren es noch 40 Prozent. Ähnliches gilt für einen Neubau.Kein Wunder. Bauexperte Christian Paulsen: „Für einen schlüsselfertigen Neubau rechne ich derzeit reell mit mindestens 2000 Euro pro Quadratmeter. Das kann schnell aber auch bei 2500 Euro und darüber liegen.“ Bei 2500 Euro pro Quadratmetern würde ein Einfamilienhaus mit 160 Quadratmetern Wohnfläche demnach bei 400000 Euro liegen – Grundstück nicht inbegriffen.
Also lieber einen Altbau sanieren? Nicht unbedingt, sagt Bauberater Paulsen: „Beides ist wie immer möglich. Die Sanierung ist jedoch nicht günstiger als der Neubau. Ich denke, die Preise für die Bestandsimmobilien müssen sich ein wenig zurecht schaukeln – also sinken.“
Ob das passiert, werde sich im Laufe des Jahres zeigen. Derzeit ergebe sich ein anderes Bild. Laut IW-Studie bleiben die Preise derzeit weitgehend stabil, obwohl deutlich weniger Menschen tatsächlich kaufen und es mehr Inserate gibt.
Fest steht: Bauen muss wieder günstiger werden. Nicht nur, damit sich Gutverdiener ihr Eigenheim leisten können. Die teuren Baukosten haben ebenso Auswirkungen auf die Mietpreise. Auf die Frage, was er von der Politik erwartet, damit Bauen wieder attraktiver und bezahlbarer wird, sagt Christian Paulsen: „Das ist wie immer die Gretchen-Frage. Bisher sind die gesetzlichen Vorgaben immer weiter gestiegen.“ Also: Bürokratie abbauen und Verfahren erleichtern. Das wäre ein Anfang.
Und ein Eigenheim „von der Stange“, wie etwa Tiny- oder Fertighäuser? „Eine serielle Bauweise halte ich nicht für realistisch, weder für Neubau noch für Altbau“, sagt Architekt Christian Paulsen. Typenhäuser jeglicher Bauart gebe es ja bereits.
Laut des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kann die Politik die Bürger bei der Wohneigentumsbildung unterstützen, ohne die öffentlichen Kassen stark zu belasten. Wer seine erste Immobilie kauft, könnte etwa mit einem Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer entlastet werden.
Auch eine progressive Grunderwerbsteuer, bei der die Steuerlast mit dem Kaufpreis steigt, würde Menschen mit niedrigerem oder mittlerem Einkommen helfen, wie Studienautor Michael Voigtländer, sagt: „Interessenten von kleinen Immobilien hätten dadurch bessere Chancen.“ Auch eine staatlich organisierte Hypothekenversicherung nach niederländischem Vorbild reduziert die Hürden: Falls der Käufer seine Raten nicht mehr zahlen kann, springt der Staat ein.

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Trauer um Claus von Hausen

Stormarner Tageblatt  19.01.2023

Ideengeber, Verleger, Rallyefahrer – Oldesloer verstarb

Claus von Hausen verstarb am 11. Januar. nie
Claus von Hausen verstarb am 11. Januar. nie

Patrick Niemeier

Aufgeben oder sich verbiegen? Das war für den Oldesloer Claus von Hausen nie eine Option. Wer ihn kannte, der wusste, dass er immer voller Ideen war. Jüngeren Oldesloern ist er vor allem durch seine Buchreihe „Bad Oldesloe in alten Bildern“ bekannt, mit denen er die Geschichte und Geschichten der Kreisstadt lebendig werden ließ.
Als er mit seinem Sohn Nico von Hausen diese Buchreihe startete, war der 1934 in Grünberg geborene von Hausen schon im Rentenalter – doch noch immer sehr aktiv und voller Ideen. Er brachte sich immer ein. So war er Mitgründer des altsstadt e. V., der eine Zeit lang das Oldesloer Stadtfest organisierte, den Treidelwettkampf auf der Trave erfand und ein passendes mittelalterliches Treidlerfest auf die Beine stellte.
Er war auch Vorsitzender der Gemeinschaft Oldesloer Kaufleute und brachte dort gemeinsam mit vielen Mitstreitern Events auf den Weg, die viele Kreisstädter jahrelang begleiteten. Rumsitzen war nicht sein Ding. Anpacken und ständig neue Ideen schmieden hingegen sehr. Claus von Hausen war aber auch konsequent, wie sich sein Sohn erinnert. Wenn sich ein Verein oder etwas, wo er sich engagierte, in eine aus seiner Sicht falsche Richtung entwickelte, war er gerne kontrovers oder zog irgendwann einen Schlussstrich.

MSC mitgegründet
Was vor allem ältere Oldesloer wissen ist, dass Claus von Hausen auch Gründungsmitglied des MSC in Bad Oldesloe war. Besonders in jüngeren Jahren liebte er den Motorsport und war auch durchaus erfolgreich. Er fuhr unter anderem 1969 die Tour d´Europe, die ihn nicht nur durch Europa sondern bis in den Irak und nach Kuwait führte. Er gewann mehrfach die ADAC Journalistenrallye. 2005 trat er zuletzt bei einer Rallye an. Damals mit seinem Sohn als Beifahrer und Kartenleser. Er sprang nochmal ein guter siebter Platz heraus.
Wenn von Hausen im Rathaus nicht die nötige Unterstützung fand, setzte er Projekte einfach selbst um. So zum Beispiel eine Wanderkarte oder später eine Übersicht über Wohnmobilstellplätze und Tipps für Touristen. Er sah vor 15 Jahren den Wohnmobil-Boom kommen. Von Hausen war seiner Zeit so manches Mal ein Stück voraus.
Beruflich war von Hausen lange Jahre für das Stormarner Tageblatt aktiv. Er war gelernter Verlagskaufmann und von 1957 bis in die 1990er Jahre beim Tageblatt. Er hob damals mit dem „Blickpunkt“ eine eigene Wochenzeitung des Tageblatts mit aus der Taufe.
Nachdem sich die Wege des Tageblatts und von Hausen trennten, brachte er eine Zeitlang selbst die Zeitung „Oho“ heraus. Er gründete außerdem einen eigenen Buchverlag. Sein Sohn trat in seine Fußstapfen und lernte bei ihm. Mittlerweile betreibt er einen Verlag und setzt die Buchreihe „Bad Oldesloe in alten Bildern“ fort.
Claus von Hausen verstarb am 11. Januar in Bad Oldesloe. Er war 88 Jahre alt. „Mit ihm ist auch ein Teil Oldesloer Zeitgeschichte verstorben“, kommentierten es Weggefährten.

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HamburgLübeck – neue Züge unterwegs

Stormarner Tageblatt  19.01.2023

Patrick Niemeier
Patrick Niemeier

Bad Oldesloe Die neuen Doppelstockwagen der Deutschen Bahn, die sogenannten Kiss-Züge vom Schweizer Hersteller Stadtler Kiss, sind auf der Strecke Hamburg-Lübeck unterwegs – hier eine Zuggarnitur im Bahnhof Bad Oldesloe . Unter anderem glänzen die Triebzüge mit mehr Platz für Fahrräder und kostenlosem WLan.

405 Sitzplätze pro Zugteil

Bad Oldesloe Eine Verbesserung im Personennahverkehr in Stormarn. Nach der großen Präsentation der neuen Züge im November – sie hören auf den Namen „Kiss“ – waren auf der Strecke Lübeck-Hamburg bereits einige der neuen Modelle zu sehen. Sie sollen nun die alten Züge ersetzen.
Zunächst wurden allerdings erstmal nur vier der neuen Fahrzeuge auf der Strecke im Alltagsgeschäft erprobt. Während derweil der Austausch vorangeschritten ist, sind die neuen, modernen Züge auch in Stormarn regelmäßig zu sehen sind und können natürlich von den Bahnkunden genutzt werden.
Jeder Zug bietet laut Bahn 405 Sitzplätze pro Zugteil. Und diese sollen im Vergleich zum Vorgängermodell ein deutliches Mehr an Komfort bieten. Eingebaut wurden rollstuhlgerechte Toiletten, kostenfreies WLan, elektronische Reservierungssysteme, Monitore mit Echtzeitinformationen, Steckdosen in der 1. und der 2. Klasse sowie 36 Fahrradstellplätze. Für die Sicherheit sorgt eine Videoaufzeichnung. Durch kostenloses WLan und Strom an den Sitzplätzen in beiden Klassen soll das Arbeiten im Zug erleichtert werden. Außerdem soll es mehr Platz für Rollstühle, Fahrräder oder auch Kinderwagen geben.
Geplant ist, auf der Strecke Hamburg-Lübeck jeweils zwei Zugteile einzusetzen, was dann ein Fahrgast-Fassungsvermögen von 810 Sitzplätzen ergibt. Mit 24000 Fahrgästen pro Tag gehört die Strecke von Hamburg nach Lübeck durch den Kreis Stormarn zu einer der meistgenutzten im Land überhaupt.
Die Benennung „Kiss“ hat mit Küssen übrigens nichts zu tun. Die Abkürzung steht laut Bahn für „komfortabler, innovativer, spurstarker S-Bahn-Zug“.
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Keiner nutzt die neuen Instrumente

Stormarner Tageblatt  19.01.2023

Schneller Wohnungsbau im Kreis Stormarn: Kurzfristig ist die Verordnung des Landes keine Hilfe

Joshua Hirschfeld

Das Ziel ist klar: Es braucht mehr Wohnraum. Und das schnell. In Stormarn gibt es einen Bedarf von rund 1000 neuen Wohnungen pro Jahr. Tatsächlich gebaut werden allerdings nur 700 bis 900. Der entstehende Wohnraum ist zudem häufig nicht der, der wirklich gebraucht wird: Bezahlbarer Wohnraum für mittlere und untere Einkommensschichten.

Vorkaufsrecht, Bau- gebote, Bebauungspläne
Die Kieler Landesregierung gibt Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt nun neue Instrumente in die Hand, um „ihrer Daseinsvorsorge gerecht zu werden und Wohnraum zu schaffen, den ihre Einwohnerinnen und Einwohner dringend benötigen“, wie es Innenministerin Sütterlin-Waack (CDU) formuliert.
Konkret beinhaltet die Landesverordnung, dass ausgewählte Kommunen ab Februar die Möglichkeit bekommen, ihr gemeindliches Vorkaufsrecht auf brachliegende Grundstücke auszuweiten, bei dringendem Bedarf der Bevölkerung Baugebote zur Wohnbebauung auszusprechen und Bebauungspläne zugunsten des Wohnungsbaus von Beschränkungen zu befreien.
Landesweit 67 Kommunen werden die neuen Möglichkeiten nutzen können, ihnen wird vom Land ein angespannter Wohnungsmarkt diagnostiziert. Die betroffenen Kommunen ballen sich besonders um die Insel Sylt und die Städte Kiel, Lübeck und Hamburg.
Und damit ist auch Stormarn prominent vertreten – mit 14 Kommunen: Ahrensburg, Ammersbek, Bargfeld-Stegen, Bargteheide, Barsbüttel, Glinde, Großhansdorf, Lütjensee, Oststseinbek, Reinbek, Reinfeld, Siek, Tangstedt, Trittau.

Wohnraum fehlt in allen Orten
Die Einstufung des eigenen Wohnungsmarktes als angespannt? Für die betroffenen Stormarner Kommunen nachvollziehbar. „Die Lage am kommunalen Wohnungsmarkt in Trittau ist sehr angespannt.
Wohnraum ist rar und teuer, Baugrundstücke gibt es kaum“, heißt es etwa vom Trittauer Bürgermeister Oliver Mesch. „Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist sehr groß“, beobachtet Bürgermeisterin Gabriele Hettwer (Foto) für Bargteheide. Zugleich gebe es in der Stadt Defizite im mehrgeschossigen und sozial geförderten Wohnungsbau.

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