Stormarn schon lange for Future

Lübecker Nachrichten   07.09.2019

Wolfgang Gerstand macht seit 1994 Klimapolitik – Er möchte mit jungen Leuten sprechen

Rund 80 Schüler zogen am Freitag durch Bad Oldesloe. Rund 80 Schüler zogen bei einer vergangenen Freitagsdemo durch Bad Oldesloe. Fotos: Bettina Albrod

Bad Oldesloe. Wolfgang Gerstand, CDU-Kreistagsmitglied und Vorsitzender des Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschusses, liegt der Klimaschutz am Herzen, der Jugendbewegung „Fridays for Future“ (FfF) auch. Nachdem ein Treffen beider Seiten im Juni im Stormarner Kreistag eher kontrovers verlief, möchte Gerstand Politik und Jugendbewegung ins Gespräch bringen. Deshalb will er Vertreter von FfF zum nächsten Umweltausschuss des Kreises im Oktober einladen.

„Um zu gemeinsamen Ergebnissen zu kommen, hofft der Umweltausschuss auf zusätzliche Impulse durch die Bewegung FfF, um den Klimaschutz im Kreis Stormarn (…) noch besser gestalten zu können“, heißt es in dem Antrag. Zum Auftakt soll es ein Referat der Klimaschutzbeauftragten geben, um die Bemühungen zum Klimaschutz im Kreis seit 1994 aufzuzeigen. Denn die Ausführungen der Oldesloer Sprecherin von FfF ließen vermuten, dass über die vielfältigen Erfolge beim Klimaschutz im Kreis keine ausreichende Information vorliege. „Dabei ist es uns gelungen, seit 1987 durch verschiedene Maßnahmen 48 Prozent CO2 einzusparen“, betont Gerstand.

Damals war die FfF-Generation noch nicht geboren, der Klimaschutzgedanke dagegen schon. „1994 habe ich gemeinsam mit Heinz Hartmann (SPD) angefangen, den Klimaschutz in Gang zu bringen, in 25 Jahren haben wir da viel erreicht“, stellt Gerstand fest. Stormarn for Future also schon seit einem Vierteljahrhundert: Der Kreis kann darauf verweisen, dass Stormarn 1996 der erste Landkreis in Schleswig-Holstein war, der ein Klimaschutz-Programm aufgelegt hat, das 2017 um das Thema Elektromobilität ergänzt wurde. Ziel ist es, einerseits die Kreisverwaltung zum Vorbild beim Klimaschutz zu machen, andererseits Hilfestellungen für mehr Klimaschutz im Kreis zu geben. Ergebnis in der Kreisverwaltung: 55 Prozent erneuerbare Wärme aus Erneuerbare-Energie-Fernwärme, Solarthermie und Pellets, 13 Prozent erneuerbarer Strom aus Photovoltaikanlagen.

Auch das Stadtradeln, bei dem Bad Oldesloe seit 2011 mitmacht und an dem 2019 zehn Kommunen beteiligt sind, trägt dazu bei, CO2 zu sparen und den Klimaschutz zu verbessern. Zwei Ladesäulen für E-Autos stehen an der Kreisverwaltung und weitere im Kreis, und seit Jahren werden Bundes-Förderprogramme genutzt, um den Klimaschutz zu verbessern. „Durch die Nutzung von Bundes-Förderprogrammen für baulichen Klimaschutz konnten zwischen 300 und 400 Millionen Euro Fördergelder im Kreis baulich umgesetzt werden“, erklärt Gerstand. „Das dient nicht nur dem Klima, sondern auch der heimischen Wirtschaft.“

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Die Dänen trauten sich was

Lübecker Nachrichten   07.09.2019

Für die Verwaltung wurde es bereits im frühen 19. Jahrhundert zu eng – Aber seit langer Zeit ist das schmucke Gebäude, 1798 gebaut von einem Baumeister aus Dänemark, ein kultureller Treffpunkt

Das Trauzimmer im Historischen Rathaus in Bad Oldesloe ist beliebt. fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. „Es geschieht immer wieder, dass sich bei uns dänische Touristen melden. Die sind dann auf den Spuren ihres Architekten Christian Frederik Hansen.“ Das sagt die Bad Oldesloer Stadtarchivarin Dr. Sylvina Zander. Das Interesse der Dänen gilt dem Historischen Rathaus, erbaut zwischen 1804 bis 1806.

Einheimische wissen es: 1798 kam es zum großen Oldesloer Stadtbrand, dem weite Teile der Stadt zum Opfer fielen. Im dänischen Oberbaudirektor Christian Frederik Hansen, daneben Landesbaumeister des Herzogtums Schleswig und von Altona, fanden die arg gebeutelten Oldesloer einen Experten, wie sie ihn sich für den Wiederaufbau nicht besser hätten wünschen können. Bereits vier Jahre vor dem Oldesloer Stadtbrand waren große Teile des dänischen Christansborg abgebrannt, und man hatte auch dort Hansen für den Wiederaufbau gerufen.

In Oldesloe kümmerte er sich nicht allein um das Rathaus, dass er im typisch klassizistischen Stil gestaltete, sondern er hatte einen Aufbauplan für die gesamte Stadt erarbeitet. Die Wege wurden verbreitert, der Marktplatz neu und großzügig trapezförmig ausgerichtet. Logierhäuser, Badepavillons und selbst eine simple Torfscheune wurden auf Anregung Hansens gebaut – der Mann hatte großes Ansehen, aber wer von seinen Zeitgenossen konnte damals schon ahnen, dass der dänische Baumeister später als einflussreichster klassizistischer Architekt im ganzen Norden gelten sollte, was eben architektonisch interessierte Besucher nicht allein aus Dänemark bis heute nach Bad Oldesloe zieht.

Eine klare klassizistische Formensprache, angelehnt an die Entwürfe des italienischen Baumeisters Andrea Palladio, bestimmt den Bau für die heutige Kreisstadt. Ursprünglich gab es nur den jetzigen Rathaussaal, eine „Parteien“- und eine Ratsstube, eine Küche und einen Raum für die Stadtkasse. Zunächst diente das Rathaus auch als Stadtgericht. Doch nach dem deutsch-dänischen Krieg habe man unter preußischer Herrschaft Verwaltung und Gericht räumlich streng trennen müssen, weiß der ehemalige Kreisbaudirektor Burkhard von Hennigs. Deshalb wurde das Rathaus 1869 um eine Beletage aufgestockt.

Über die Jahre gab es manche Veränderungen und auch Anbauten nach der jeweils vorherrschenden Stilrichtung – häufig nicht zum Besten des klassizistischen Baus. Als die Fassade 1893 in der Form des Historismus mit Stuck versehen und dazu noch grün angestrichen wurde, sprach der Volksmund in Oldesloe vom Rathaus als dem „Laubfrosch“.

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Meisterkurse für junge Talente

Stormarner Tageblatt  07.09.2019

Tabea Steglich, Marie Holst und Alexander Nickel qualifizierten sich für einen Rotarischen Sommerkursus in Weimar

Rotary-Präsident Henning Bergmann  freut sich mit den jungen Oldesloer Musiktalenten Alexander Nickel (Posaune), Tabea Steglich (Klavier) und Marie Holst (Gesang, spielt auch Saxofon).  Rohde
Rotary-Präsident Henning Bergmann freut sich mit den jungen Oldesloer Musiktalenten Alexander Nickel (Posaune), Tabea Steglich (Klavier) und Marie Holst (Gesang, spielt auch Saxofon). Rohde

Susanne Rohde Bad Oldesloe Die staatliche „Hochschule für Musik Franz Liszt“ in Weimar ist eine traditionsreiche Ausbildungsstätte für junge Musiker, Wissenschaftler und Dozenten aus der ganzen Welt. Klanggewaltig geht es bei den Weimarer Meisterkursen zu, wenn Gastprofessoren und Studierende aus aller Welt in der Musikhochschule zusammenkommen, um gemeinsam zu proben und zu musizieren. Drei junge Oldesloer Nachwuchstalente haben jetzt die seltene Gelegenheit, vom 15. bis 20. September am „Rotarischen Sommerkursus“ der Musikhochschule in Weimar teilzunehmen. Finanziert werden die „Weimarer Meisterkurse Junior“ vom Rotary Club Bad Oldesloe.

„Wir nehmen als Rotary Club zum ersten Mal an einem Rotarischen Sommerkurs teil“, sagt Henning Bärmann, der als aktueller Rotary-Präsident damit auch neue musikalische Akzente seines Clubs setzen möchte. Der Leiter der Theodor-Mommsen-Schule ist stolz, dass es zwei seiner Schüler mit ihrer Bewerbung geschafft haben, für die Meisterkurse angenommen zu werden. Maria Holst besucht die elfte Klasse der TMS und hat sich für Weimar mit dem Queen-Song „Don’t stop me now“ als Sängerin beworben. Allerdings spielt die 16-Jährige auch Saxofon.

Alexander Nickel ist erst 14 Jahre alt, spielt aber schon meisterlich Posaune. Der Neuntklässler der TMS spielt das tiefe Blechblasinstrument bereits seit vier Jahren, zwei Mal am Tag wird geübt.

Alexander freut sich auf die Woche in Weimar, zumal er dafür von Schulleiter Henning Bergmann vom Unterricht freigestellt wird.

Die Dritte im musikalischen Bunde ist Pianistin Tabea Steglich. Die 18-Jährige besucht das Gymnasium der Beruflichen Schule in Bad Oldesloe und macht 2020 Abitur. „Ich möchte anschließend auf jeden Fall Musik studieren“, sagt Tabea Steglich, die am liebsten Beethoven und Tschaikowski spielt. Auf die Idee, sich für den Meisterkurs in Weimar zu bewerben, kam ihre Klavierlehrerin an der Oldesloer Musikschule. Und ihre Bewerbung, die sie per Video einreichte, war erfolgreich.

Da die Kurse recht kostspielig sind, sind die drei talentierten Nachwuchsmusiker glücklich, dass der Rotary Club die Kosten für die Teilnahme übernimmt. „Hier können sie sich musikalisch, künstlerisch und persönlich weiterentwickeln, da sie kompetent betreut werden“, sagt Henning Bergmann.

Bei einem festlichen Abschlusskonzert wird an den besten Teilnehmer zudem der Preis der Neuen Liszt Stiftung vergeben.

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Mehr Geld für Feuerwehrleute

Stormarner Tageblatt  07.09.2019

Hauptausschuss stimmt Erhöhung der Entschädigungen für Selbstständige und Gruppenführer zu

Der Beschluss zur Entschädigung fiel einstimmig.dpa
Der Beschluss zur Entschädigung fiel einstimmig.dpa

Bad Oldesloe Der Hauptausschuss der Stadt Bad Oldesloe hat einer Erhöhung der Entschädigungen für Feuerwehrmitglieder zugestimmt, die selbstständig sind. Bisher war es so, dass die Stadt Bad Oldesloe für den Verdienstausfall von Selbstständigen, die im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr sind, 50 Euro pro Stunde zahlt, maximal 320 Euro am Tag. Angesichts der steigenden Einsatzzahlen und der damit gestiegenen Belastung für die Oldesloer Feuerwehrmitglieder beantragte die Gemeindewehrführung, dass eine Anpassung an eigentlich mittlerweile übliche Sätze erfolgen solle. Im Fall der Ortswehr Bad Oldesloe sei es bisher noch so, dass man von einer guten Tagesverfügbarkeit an benötigten Einsatzkräften sprechen könne.

Die Verwaltung der Kreisstadt möchte diesen Zustand genau wie die Gemeindewehrführung auch gerne erhalten und es Selbstständigen ermöglichen, dem Ehrenamt als Feuerwehrmann nachzugehen. Daher schlug die Verwaltung dem Hauptausschuss vor, den Tageshöchstsatz von 320 auf 400 Euro zu erhöhen.

Die freiwillige Entschädigung von Gruppenführern, die in Bad Oldesloe 2015 eingeführt wurde und die sich bisher auf 60 Euro im Jahr belief, sollte gleichzeitig auf 120 Euro im Jahr erhöht werden.

„Die Arbeit der Feuerwehr ist sehr wichtig für die Gemeinschaft. Ich fände es gut, wenn wir in den Beschluss einbauen könnten, dass sich der Betrag allgemein erhöht, wenn neue Sätze üblich werden“, so Andreas Lehmann (CDU).

„Es ist nur recht und billig, dass diese Menschen ihre Entschädigung bekommen“, so der Christdemokrat weiter. „Es ist unser ureigenstes Interesse, die Feuerwehr zu unterstützen und möglichst nie in die Verlegenheit kommen zu müssen, eine Pflichtwehr einzuführen“, so Hendrik Holtz (Die Linke). Auch seine Fraktion wünsche sich eine automatische Anpassung an marktübliche Entschädigungssätze.

Hauptamtsleiter Malte Schaarmann schlug vor, zunächst diese fixe Erhöhung zu beschließen. Die automatische Anpassung von Entschädigungen könne dann gemeinsam mit anderen Bereichen diskutiert werden. Denn auch die Entschädigung für Stadtverordnete werde bald auf der Tagesordnung stehen. Dann könnten grundsätzliche Entscheidungen getroffen werden. Der Hauptausschuss der Kreisstadt stimmte der Entschädigungsanpassung für die Feuerwehrmitglieder einstimmig zu. nie

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Mensa-Betreiber: Darf es ein wenig mehr sein?

Stormarner Tageblatt  07.09.2019

Ex-Caterer nahm einen Großteil der Küchenausstattung mit / Familienpartei kritisiert Bürgermeister

Heimat des neuen Caterers: Die Stadtschulmensa.Nie
Heimat des neuen Caterers: Die Stadtschulmensa.Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Der Wechsel des Mensabetreibers an den Oldesloer Grundschulen bleibt ein teures Reizthema, das die Gemüter hoch- und überkochen lässt.

Nachdem vor allem ein Teil der Eltern an der Stadtschule, deren Kinder durch die gebundene Schule von einem guten Caterer abhängig sind, sich über das angebotene Essen der Firma Dussmann immer wieder beschwert hatten und neben mangelhafter Kommunikation Verstöße gegen Datenschutz fehlende Bioprodukte anprangerten, trennte sich die Stadt Bad Oldesloe vom Profi-Caterer.

Bürgermeister Jörg Lembke gab damals schon zu bedenken, dass es womöglich schlauer wäre, noch ein halbes Jahr mit Dussmann durchzuhalten – doch die Mehrheit der Lokalpolitik und die Eltern wollten die Trennung zum Sommer.

Von den Eltern in Aussicht gestellte lokale, geeignete Nachfolger fanden sich laut Verwaltung im Endeffekt nicht. So wurde es die Firma „Rebional“ aus Herdecke (Nordrhein-Westfalen).

Die Zeit zwischen dem Abschied von Dussmann zum Schuljahresende über die Auswahl des Nachfolgers bis zum Start des neuen Schuljahres war knapp. So knapp, dass Bürgermeister Jörg Lembke zwischenzeitlich nicht daran glaubte, dass man es schaffen könne. „Das wäre nicht möglich gewesen, wenn meine Mitarbeiter in der Verwaltung nicht so ehrgeizig gewesen und über ihre Grenzen gegangen wären. Hier wurde alles auch an Kompetenzen bis zum Rand ausgereizt. Meine Mitarbeiter haben gesagt, dass sie im Zweifel ihren Urlaub in den Sommerferien verschieben. Dieser Einsatz ist gar nicht hoch genug zu bewerten“, so der Verwaltungschef. Es sei ausschließlich dem Einsatz der Verwaltung zu verdanken, dass der Caterer-Wechsel geklappt habe. Nur so konnte verhindert werden, dass eine Gulaschkanone nach dem erzwungenen Abschied der Firma Dussmann hätte aufgebaut werden müssen. Damit das alles gelingen konnte, musste auch eine Menge Inventar in der Stadtschulküche ausgetauscht werden. Denn das gehörte der Firma Dussmann. Die Firma „Rebional“ schaffte also das fehlende Equipement erstmal selbst an, damit die Alternativlösung einer Gulaschkanone nicht zum Tragen kommen musste.

Nun muss die Stadt die entstandenen Kosten von 44.239.68 Euro ersetzen. Unter den Gerätschaften, die nun in den Stadtbesitz übergehen, ist allerdings nicht die „Kippbratpfanne“, die immer als hauptsächlicher Grund für die Umbauarbeiten galt. Diese möchte „Rebional“ gerne im Eigenbesitz behalten. „Wir danken den Verwaltungsmitarbeitern für ihren Einsatz. Dass jetzt noch nicht alles rund läuft, ist klar. Ich verstehe aber absolut nicht, dass wir vorher nicht erfahren haben, dass die Geräte der Firma Dussmann gehören. Außerdem wären die mit besserer Vorbereitung sicherlich günstiger zu haben gewesen“, war Tom Winter (Familienpartei) erzürnt. „Dass der Bürgermeister in der Presse die engagierten Eltern und die Politik angreift, quasi Druck aufbaut und etwas von einer Gulaschkanone erzählt, finde ich unmöglich“, legte er nach. Außerdem frage er sich, weshalb ausgerechnet die Kippbratpfanne nun nicht angeschafft wurde. „Das Verhalten führt nicht zu mehr Vertrauen in den Bürgermeister“, so Winter.

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