Heimstatt der Vereine und Senioren

Lübecker Nachrichten   08.12.2018

Das Gebäude in der Mühlenstraße war einst Hotel – Heute ist es Treffpunkt für die Bürger der Stadt

Von Lothar Kullack

Das Bürgerhaus in der Oldesloer Mühlenstraße. FOTOS: LOTHAR KULLACK/LN-ARCHIV

Bad Oldesloe. Ob Spendenparlament, der Hospizverein „DaSein“, die Naturschützer oder die Migranten: Menschen aus ganz unterschiedlichen Vereinen fühlen sich wohl im Bürgerhaus in der Mühlenstraße 22. Vor allem aber für die Senioren ist das Bürgerhaus seit Jahrzehnten eine Adresse für Tanznachmittage, den Vormittags-Skat oder einfach zur Klön-Kaffeetafel. Dabei ist es ein Haus mit wechselvoller Geschichte; denn bis 1945 war es als Adolf-Hitler-Haus (im Volksmund: „Braunes Haus“) die Heimstatt aller örtlichen Organisationen der NSDAP.

Die NS-Frauenschaft traf sich hier, die Hitlerjugend, und oben hatte die Partei, wie bekannt die einzige des Nazireichs, ihre Büros. „Es gibt wohl noch einen Grundriss, wie es im Haus zur Nazizeit aussah, aber sämtliche Umbaupläne für die NSDAP fehlen im Archiv“, sagt Dr. Sylvina Zander von der Stadtverwaltung. Sie war in der Verwaltung jahrelang für das Kulturleben in der Stadt verantwortlich und freut sich in der Rückschau sehr darüber, dass es nach dem Krieg nicht sehr lange gedauert habe, dass sich die Vereine und Verbände, dass sich also die Oldesloer, ihr Bürgerhaus zurückeroberten.

Erbaut worden war das Haus bald nach dem großen Oldesloer Stadtbrand von 1789. Konzipiert wurde es als Hotel, und viele Jahre war dieses „Hotel Stadt Hamburg“ eine der ersten Adressen in der späteren Kreisstadt. Doch Vorlieben wechseln, und so schloss das Hotel in den 1920er Jahren, und das Finanzamt errichtete hier eine Dependance. Dann kamen die 30er Jahre und mit ihnen die Nazis.

Nach dem Krieg entwickelte sich rasch die Zeit der Vereine und Verbände. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hielt hier seine Beratungsstunden ab, und lange Zeit war in der Mühlenstraße 22 auch das Heimatmuseum untergebracht. Im Obergeschoss hatte in den späten 1970ern bis hinein in die frühen 1980er auch die LN-Redaktion ihren Sitz – in der Nachkriegszeit noch ein Zweier-Team und zuletzt in der Mühlenstraße 22 immerhin sechs Kollegen stark.

Wenn man sich in Bad Oldesloe in den vergangenen Wochen darüber aufregte, dass Bürgermeister Jörg Lembke die Vereine aus dem Obergeschoss ausgliedern wollte, um Platz für die Verwaltung zu schaffen, so war dieser Gedanke des Bürgermeisters beileibe kein neuer: Bereits in den 80ern waren im Bürgerhaus einige Abteilungen der Stadtverwaltung untergebracht. Doch die neuen Pläne scheiterten nicht nur am Veto der Vereine, sondern vor allem an der Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung.

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Verwaltung am Limit

Stormarner Tageblatt   08.12.2018

Bad Oldesloe: 22 Stellen unbesetzt / Teilweise keine einzige Bewerbung auf Ausschreibungen

Bürgermeister Jörg Lembke präsentiert dem Finanzausschuss seine Aufgabenkritik.Nie
Bürgermeister Jörg Lembke präsentiert dem Finanzausschuss seine Aufgabenkritik.Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe 277 Menschen könnten aktuell in der Oldesloer Stadtverwaltung laut Stellenplan arbeiten. Tatsächlich sind es allerdings nur 255. Das gab Bürgermeister Jörg Lembke im Finanzausschuss bekannt. Nach seiner Kalkulation gibt es sogar insgesamt 38 unbesetzte Stellen, weil er auch Ausbildungsplätze oder dringend neu zu schaffende Stellen einberechnet. Von den 255 Mitarbeitern arbeiten nur 117 in der Kernverwaltung. Der Rest verteilt sich auf Schulen, Einrichtungen und zum Beispiel den Bauhof. Hinzu kommen noch 16 FSJ-ler, die auch für die Stadt an den Schulen tätig sind.

„Gerade in der Kernverwaltung ist es schwer, Personal zu bekommen“, sagte Lembke. „Manchmal gibt es gar keine Bewerbungen“, so der Verwaltungschef. „Wenn ich dann noch sehe, wie viele Mitarbeiter uns im Verlauf der nächsten Jahre aus Altersgründen verlassen werden, ist es schon dramatisch“, führte er weiter aus. „Auf einigen Posten gibt es kein Backup und auch niemanden, der das interne Fachwissen hat.“ In Bereichen wie Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungsmanagement oder im sozialen Sektor sei es zumeist noch so, dass sich Interessenten melden, bei den klassischen Verwaltungsaufgaben sinke hingegen das Interesse der Arbeitnehmer spürbar.

Die Überstundenzahl hat sich wegen der Unterbesetzung in der Vergangenheit auf 10 000 erhöht, Aufgaben bleiben liegen. „Mitarbeiter der Kernverwaltung sind am Limit. Da mache ich mir schon Gedanken. Wie lange kann das gesundheitlich gut gehen? Wie kann ich motivieren?“, fragte sich Lembke.

„Andere Verwaltungen suchen auch Mitarbeiter, sind Mitbewerber. Wenn man sieht, dass die Kreisverwaltung viele neue Stellen schafft, weiß man, dass die besetzt werden müssen“, so der Bürgermeister: „Zudem haben wir das Problem, dass wir unsere Auszubildenden nicht halten können. Und dann fragen sich manche Mitarbeiter schon, warum sie so viel Energie in deren Ausbildung stecken. Wir bilden hier gut aus und andere haben am Ende den Nutzen.“

Trotz der Besetzungsprobleme sind die Personalkosten mit gut 15 Millionen Euro der größte Posten im Haushalt. „Wenn Sie die Einnahmen erhöhen wollen, können Sie als Politiker sinnvoll nur an den Stellrädern im Bereich der Abgaben, Beiträgen und Steuern drehen“, machte Lembke deutlich. Teil der Aufgabenkritik des Bürgermeisters ist es, der Lokalpolitik zu zeigen, welche Aufgaben der Stadt verpflichtend und welche freiwillig sind.

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Teilhabepaket: Stormarn außen vor

Lübecker Nachrichten   08.12.2018

Wenige Kinder nutzen Angebote: Linke plädiert für Einführung einer Bildungskarte im Kreis

Von Dorothea von Dahlen

Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder auf andere Sozialleistungen, können für Musikunterricht, Sport oder Schulsachen Zuschüsse bekommen. FOTO: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Nur 14 Prozent aller Stormarner Kinder und Jugendlichen aus Familien mit geringem Einkommen profitieren vom Teilhabepaket, das die Bundesregierung vor sieben Jahren aufgelegt hat, um auch ihnen den Zugang zu Kultur und Bildung zu erleichtern. Mit dieser bestürzenden Information konfrontierte jetzt Cornelia Steinert (Linke) ihre Kollegen im Oldesloer Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss.

Die Zahlen, die Steinert präsentierte, stammen aus einer Expertise, welche der Paritätische Wohlfahrtsverband ganz aktuell zum Thema veröffentlicht hat. Die in diesem Papier enthaltenen Statistiken bieten einen bundesweiten Überblick, wie das Förderprogramm im Jahr 2017 nicht nur in den einzelnen Bundesländern genutzt wurde, sie erleichtern auch den Vergleich zwischen Kreisen und kreisfreien Städten in Schleswig-Holstein. Demnach leben in Stormarn insgesamt 1950 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren, die ein Anrecht auf Sozialleistungen im Sinne des SGB II haben. Nur bei 274 von ihnen sei letztlich das Geld angekommen, dass der Bund ihnen zur Verfügung stelle, um ihre finanziellen Nachteil auszugleichen. „Wir können nicht hinnehmen, dass die Leistungen den Kindern nicht zukommen und das in Stormarn, dem reichsten Kreis Schleswig-Holsteins“, sagte Steinert.

Verantwortlich für dieses Missverhältnis sei der bürokratische Aufwand, den das Beantragen des Geldes für Behörden, Anbieter von Bildungsangeboten und nicht zuletzt für die Familien selbst bedeute, erklärte die Linkenpolitikerin. Das stehe einerseits kaum im Verhältnis zur Höhe der gewährten Leistung und habe letztlich zur Konsequenz, dass Anträge schleppend bearbeitet würden. Steinert gab das Beispiel einer allein erziehenden Mutter an, die einen Zuschuss für die Nachhilfe ihrer Tochter beantragt hatte. Das Geld sei ihr erst bewilligt worden, nachdem die Frist schon längst verstrichen und die Versetzung des Mädchens bereits gescheitert gewesen sei.

Dabei gebe es ein System, das die Abwicklung der Formalitäten um ein Vielfaches erleichtere, fuhr Steinert fort. Um die Hürden herabzusetzen, sei eine Bildungskarte, auch Sodexo-Karte genannt, entwickelt worden, mit deren Hilfe sich die Nutzungsquote des Teilhabepakets deutlich verbessern lasse. In etlichen Städten in Schleswig-Holstein und auch im Nachbarkreis Segeberg werde sie schon mit Erfolg eingesetzt. Das sei auch in der neuen Bertelsmannstudie zu Kinderarmut und Teilhabe mit Zahlen unterlegt worden. Demnach wird das Angebot in Regionen mit einer solchen Karte zu 65 Prozent in Anspruch genommen, während es bei der alt hergebrachten, analogen Antragstellung nur 30 Prozent und weniger sind.

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Lebendiger Friedhof

Stormarner Tageblatt   07.12.2018

Die Umgstaltungspläne für den „Alten Friedhof“ in Bad Oldesloe werden konkreter

Der Obelisk heute....
.... und nach der Sanierung
Das Torhaus heute....

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Der alte Friedhof von 1824 im Herzen der Oldesloer Innenstadt ist für Historiker ein echtes Kleinod. Das wurde schon bei diversen Veranstaltungen, Vorträgen und Diskussionen deutlich. Doch sein Zustand ist nicht gut – sowohl mit Blick auf Ursprungsgestaltung, alsauch derzeit genutzte parkähnliche Anlage.

Bei einer Einwohnerversammlung hatte sich die überwältigende Mehrheit bereits für eine Sanierung des über zwei Hektar großen Friedhofs ausgesprochen. Unter diesen Vorzeichen hatte zuletzt auch ein interaktives Beteiligungsverfahren direkt vor Ort stattgefunden. Dass dieses an einem Arbeitstag durchgeführt wurde, wurde aus den Reihen der Lokalpolitik kritisiert. „Viele Interessierte mussten da noch arbeiten“, monierte Matthias Rohde (FBO) und erklärte weshalb die Resonanz mit nur 70 Interessierten eher verhalten ausgefallen war. Was diese und dazu 40 Teilnehmer einer Beteiligung über die Internetseite der Stadt sich mehrheitlich wünschten, wurde nun im Bau- und Planungsausschuss der Stadt präsentiert.

.... und der geplante Zugang.

Feststellbar sei, dass eine Mischung aus Park und Friedhof gewünscht wird. Das bedeute, dass die Aufenthaltsqualität erhöht werden solle, aber der ursprüngliche Charakter natürlich erhalten bleibe. Außerdem solle die Verbindung zum Wasser besser hergestellt und deutlich gemacht werden, die Wege gepflegt, generell die Sauberkeit erhöht und durch das Aufstellen von Beleuchtungen auch die gefühlte und tatsächliche Sicherheit in den Abendstunden erhöht.

Die von Interessierte vorgetragenen Ideen und Wünsche wurden mittlerweile in die Planungen der Verantwortlichen eingefügt. Diese stellte Landschaftsarchitektin Claudia Oberländer dem Ausschuss vor. So soll der Weg zum bekannten Torhaus besser gestaltet werden. Der Hauptweg soll auf das Kopfsteinpflaster verzichten und die Ränder sollen mit Sitzsteinen eingefasst werden, auf denen man sich auch mal ausruhen oder „chillen“ kann.

Ähnlich sieht es im Bereich des Obelisken in der Mitte des Alten Friedhofs aus, an dem – früher und heute – die unterschiedlichen Wege zusammenlaufen. Der Bereich rund um dieses Denkmal, das an die Opfer des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 erinnert, soll aufgewertet werden und zum Verweilen einladen. Generell gilt, dass das ehemalige Wegenetz wieder hergestellt werden soll. Dafür soll die Treppe, die zum Heiligengeist in die Fußgängerzone herunterführt, zurückgebaut wird. „Das sind 50 Meter Umweg, die den Fußgängern entstehen. Das halten wir für zumutbar. Es stärkt den neuen Weg, der runter an die Trave führt“, so Oberländer. Erhalten bleiben soll – auf Wunsch vieler Anwohner – der Trampelpfad, der allerdings nicht mehr so prominent sein soll, sondern nur ein Nebenweg abseits der Hauptachsen, die direkt auf den Obelisken zulaufen.

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Niedrige Kostendeckung bereitet Politik Sorgen

Stormarner Tageblatt   07.12.2018

Niedrige Kostendeckung bereitet Politik Sorgen

Ausverkaufte  Stormarnhalle.
Ausverkaufte Stormarnhalle.

Bad Oldesloe Ist die Nutzung städtischer Veranstaltungsräume und -hallen zu günstig? Darüber machte sich der Finanzausschuss Gedanken, als der Wirtschaftlichkeitsbericht der Stormarnhalle vorgestellt wurde. 3846 Stunden habe die Stormarnhalle im Jahr 2017 zur Verfügung gestanden, 3128 Stunden davon wurden durch Vereine und Veranstalter genutzt – eine Auslastung von 81,33 Prozent und damit Steigerung gegenüber dem Vorjahr (76,27 Prozent). Es fielen 2017 insgesamt 355 118 Euro für die Halle an Kosten an. Die werde aber nicht nur in Hinblick auf Betrieb und Instandhaltung gerechnet, stattdessen fließen auch Verwaltungskosten der beteiligten Fachbereiche der Verwaltung mit ein. Da die Halle durch Nutzungsgelder und Vermietungen nur 60 233 Euro einspielte, lag der Kostendeckungsgrad bei nur schwachen 16,96 Prozent. „Wir müssen sehen, wie wir das verbessern und eventuell die Nutzungsgelder anheben“, sagte Andreas Lehmann (CDU). Bei einem so niedrigen Kostendeckungsgrad müsse man schauen, ob manche günstigen Nutzungsgebühren, wie zuletzt in der Schwimmhalle, verdeckte Zuschüsse seien.

„Selbst wenn wir die Gebühren um die Hälfte anheben, tut sich insgesamt unter dem Strich wenig“, gab Björn Wahnfried (SPD) zu bedenken. Er sehe die Gefahr, dass Nutzer abgeschreckt würden. Eine Kerbe in die auch Hendrik Holtz (Die Linke) schlug. „Manche Vereine können es sich gerade so leisten“, so der Linke. Da ab 2020 sowieso Neuberechnungen stattfinden müssen, weil dann die Stadt Umsatzsteuer für ihre Einnahmen zahlen muss, einigte man sich, dass die Nutzungsgebühren für alle städtischen Veranstaltungsräume und -hallen Anfang 2020 neu diskutierten werden. Die Stadtverwaltung bereitet dazu im Verlauf des Jahres 2019 entsprechende Vorlagen vor. „Wenn es etwas länger dauert, berichte ich das natürlich“, so Bürgermeister Jörg Lembke. nie

 
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